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Suche nach Terror-Drahtziehern: Russlands Städte im Visier

Von Yassin Musharbash

Erst vor Wochen drohten Dschihad-Führer mit Krieg in russischen Städten, jetzt schlugen in Moskau zwei Attentäterinnen zu. Ihre Hintermänner werden im Kaukasus vermutet. Dort geht es den Terroristen längst nicht mehr nur um Tschetschenien - sondern darum, einen eigenen islamischen Staat zu gründen.

Abu Osman, "Emir des Emirats Kaukasus": Warnungen vor Anschlägen in Russland Zur Großansicht

Abu Osman, "Emir des Emirats Kaukasus": Warnungen vor Anschlägen in Russland

Berlin - Noch gibt es kein Bekennerschreiben zu den Anschlägen, die am Montagmorgen die russische Hauptstadt Moskau erschütterten und Dutzende Menschen das Leben kosteten. Aber die Vermutung liegt nahe, dass militante Islamisten für die Bomben verantwortlich sind.

Dafür spricht zum einen der von den russischen Behörden mittlerweile bestätigte Einsatz von Selbstmordattentäterinnen. Hinzu kommen jedoch konkrete Drohungen vor Terroranschlägen auf russische Zivilisten, die in den vergangenen Wochen von Anführern dschihadistischer militanter Gruppen im Kaukasus ausgestoßen wurden.

"Die Zone militärischer Operationen wird auf das Gebiet Russlands ausgeweitet werden", kündigte zum Dokka Umarow, Anführer des "Islamischen Emirats Kaukasus", erst Mitte Februar in einem Videointerview an.

"Der Krieg wird in ihre Städte kommen"

In Tarnkleidung in einem Wald sitzend, hinter sich eine Flagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis, machte Dokka Umarow zudem Andeutungen, die nun fast wie Ankündigungen klingen: "Blut wird nicht mehr nur in unseren Städten fließen. Der Krieg wird in ihre Städte kommen."

Die Russen sollten nicht glauben, dass Krieg nur im Fernsehen stattfinde, "irgendwo weit weg im Kaukasus, wo er sie nicht erreicht". Er und seine Mitkämpfer würden planen, "ihnen zu beweisen, dass der Krieg in ihre Häuser zurückkehren wird."

Im Dezember vergangenen Jahres hatte Umarow, der sich auch "Abu Osman" nennt, bereits vor explodierenden Zügen und Flugzeugen gewarnt. Er verfüge im Kaukasus über bis zu 30.000 Kämpfer, prahlte er außerdem und gab bekannt, dass die Selbstmordattentäter-Brigade wieder neu etabliert worden sei.

Über 200 Anschläge im Kaukasus in einem Jahr

Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Kämpferzahlen massiv übertrieben sind. Aber ebenso sicher ist, dass es militanten Dschihadisten im Kaukasus in den vergangenen Jahren gelungen ist, sich neu zu formieren. Eine zuvor nur lose Koalition regionaler Splittergruppen hat sich unter dem Kommando von Umarow bereits im Oktober 2007 zum "Islamischen Emirat Kaukasus" zusammengeschlossen. Neun Regionalkommandeure wurden benannt. Im Jahr 2008 allein verübten sie laut dem Fachblatt "Jane's" insgesamt 268 Anschläge in der Region, vor allem in Dagestan und Inguschien.

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Metro in Moskau: Anschläge in der Rushhour
Zu ihren Zielen gehörten vor allem die Sicherheitskräfte der jeweiligen Republiken. Aber im Juni 2009 gelang ihnen auch ein Anschlag auf den Präsidenten Inguschiens, der dabei schwer verletzt wurde. In ihrer Propaganda streben sie einen islamischen Kaukasus-Staat an, die Russen und ihre Alliierten gelten ihnen als Ungläubige, Besatzer und brutale Unterdrücker.

Nach Ansicht von Terrorexperten und Nachrichtendienstanalysten steht das Emirat für einen Einschnitt. Lange ging es Dschihadisten im Kaukasus vor allem um Tschetschenien, die Motive waren mindestens so sehr nationalistisch wie sie religiös gefärbt waren. Heute wird das "Emirat" als Ausdruck einer gesamtkaukasischen "Aufstandsbewegung" unter dschihadistischen Vorzeichen betrachtet.

Beziehungen zu al-Qaida unklar

Über Beziehungen des "Emirats" zum Terrornetzwerk al-Qaida ist nur wenig bekannt. Tschetschenien ist zwar ein Dauerthema von Qaida-Größen wie Osama Bin Laden. Aber al-Qaidas Blick ist vor allem gegen die arabischen Regime und die USA gerichtet, explizit antirussische Propaganda und Agitation ist selten. Natürlich käme auch al-Qaida theoretisch als Auftraggeberin der Moskauer Bomben in Frage; aber selbst dann wäre eine Zusammenarbeit mit Dokka Umarows Kämpfern zumindest wahrscheinlich.

Wie stark und wie gut ausgerüstet das "Emirat" ist, weiß indes niemand genau. In den vergangenen Wochen hatten die russischen Sicherheitskräfte verstärkt Kämpfer gejagt und wohl auch einige getötet. Das "Emirat" selbst verkündete erst vor wenigen Tagen den "Märtyrertod" eines ihrer "Gouverneure".

Die Beteiligung anderer Rebellen- oder Terrorgruppen bleibt daher denkbar, wäre aber eine Überraschung. Auch in dschihadistischen Internetforen, in denen sich rund um die Uhr Hunderte Terrorsympathisanten aus der gesamten Welt austauschen, wird der Anschlag "Abu Osman" zugeschrieben.

Schon einmal, im Jahr 2004, sprengte sich in der Moskauer U-Bahn ein Selbstmordattentäter in der Luft. Dutzende starben. Der Täter war ein anti-russischer Aufständischer aus dem Kaukasus.

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Forum - Anschläge in Moskau - was ist die richtige Antwort auf den Terror?
insgesamt 741 Beiträge
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1.
spieglfechter 29.03.2010
Zitat von sysopMindestens 37 Tote, viele Verletzte: Nach den Anschlägen in Moskaus Metro schwört Präsident Medwedew Russland auf einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten ein. Was ist die richtige Antwort auf die Terroranschläge?
Die richtige Antwort ist, wie bei den Anschlägen in New York, Bali, Madrid, London, Mumbai ..., die Frage: Cui bono ?
2. ....dann lieber gar nicht, Homer ist sowieso schöner.....
eikfier 29.03.2010
Zitat von spieglfechterDie richtige Antwort ist, wie bei den Anschlägen in New York, Bali, Madrid, London, Mumbai ..., die Frage: Cui bono ?
...ach wissen Sie, dafür ist mir unsere jetzige Staatsform zu wertvoll, um mich hier dazu erniedrigen zu lassen, zwischen den Zeilen schreiben zu müssen, um einen nicht genehmen Gedanken durchzubekommen.... See you....!
3.
jacknife 29.03.2010
Zitat von sysopMindestens 37 Tote, viele Verletzte: Nach den Anschlägen in Moskaus Metro schwört Präsident Medwedew Russland auf einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten ein. Was ist die richtige Antwort auf die Terroranschläge?
Egal von wessen Seite dieser Anchlag ausging (Islamisten aus Tschetschenien, irgendwelche sonstige Separatisten): Die Russen sollten ihre harte Linie beibehalten. Nur so demonstriert man Entschlossenheit gegenüber Terroristen und zeigt ganz unmissverständlich, dass solche feigen Anschläge nicht ungesühnt bleiben.
4. Antwort mit Fragezeichen
Titmouse 29.03.2010
Zitat von spieglfechterDie richtige Antwort ist, wie bei den Anschlägen in New York, Bali, Madrid, London, Mumbai ..., die Frage: Cui bono ?
Soll "cui bono?" eine Antwort sein? Flugs heraus mit Ihre Verschwörungstheorie !
5.
henningr 29.03.2010
Zitat von sysopMindestens 37 Tote, viele Verletzte: Nach den Anschlägen in Moskaus Metro schwört Präsident Medwedew Russland auf einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten ein. Was ist die richtige Antwort auf die Terroranschläge?
Man sollte den NATO-Verteidigungsfall ausrufen, das zweite Mal nach 9/11. Dann den Schuldigen benennen (spätestens einen Tag nach den Anschlägen, mit denen man vorher natürlich nicht gerechnet hat, da U-Bahn-Anschläge an sich total abwegig sind), der natürlich aus einem Land kommt wo man gerne mal einmarschieren würde... Halt! Achso die Russen sind nicht in der NATO? Das ist natürlich doof. Trotzdem: das Theater mit dem abhängigen Untersuchungsaussschuss kann man sich diesmal sparen.
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Anschläge in Russland
2010: Terror in der U-Bahn
29. März 2010: In den Moskauer U-Bahn-Stationen Park Kultury und Lubjanka explodieren am Morgen zwei Sprengsaätze - russischen Ermittlern zufolge haben sich zwei junge Selbstmordattentäterinnen aus der russischen Teilrepublik Dagestan in die Luft gejagt. Mindestens 38 Menschen sterben bei den Anschlägen. Zu den Anschlägen bekannte sich eine Rebellengruppe aus dem Nordkaukasus, das sogenannte Kaukasus-Emirat von Doku Umarow.

31. März 2010: Bei einem Doppelanschlag in Kisljar in Dagestan werden zwölf Menschen getötet. Unter den Toten befinden sich zahlreiche Milizionäre, auch der örtliche Polizeichef kam ums Leben.
2009: "Sabotagekrieg" im Schnellzug
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2005: Blutiges Gefecht in Naltschik
13. Oktober 2005: Islamistische Rebellen überfallen die südrussische Stadt Naltschik. In nachfolgenden Gefechten sterben mindestens 137 Menschen, darunter 92 Rebellen, 33 Sicherheitsleute und zwölf Zivilisten.

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6. Februar 2004: Eine Bombe in der Moskauer U-Bahn tötet etwa 40 Fahrgäste. Die Polizei spricht von einem Selbstmordattentäter tschetschenischer Herkunft.

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