Khartum Sudan macht Israel für Angriff auf Waffenfabrik verantwortlich

Im Morgengrauen erschütterten schwere Explosionen eine Waffenfabrik in Khartum. Sudans Regierung macht Israel dafür verantwortlich. Mehrere Kampfflugzeuge sollen den Komplex bombardiert haben. Nicht zum ersten Mal gerät Israel in den Verdacht, Ziele im Sudan anzugreifen.

Brennende Waffenfabrik Jarmuk: "Wir glauben, dass Israel dahintersteckt"
REUTERS

Brennende Waffenfabrik Jarmuk: "Wir glauben, dass Israel dahintersteckt"


Khartum - Sudans Regierung erhebt schwere Vorwürfe gegen Israel. Die israelische Luftwaffe soll in der Nacht zum Mittwoch eine Waffenfabrik im Süden der Hauptstadt Khartum bombardiert haben, sagte der sudanesische Informationsminister Ahmed Bilal Osman. "Vier Kampfflugzeuge haben die Jarmuk-Fabrik angegriffen. Wir glauben, dass Israel dahintersteckt", so Osman vor Journalisten.

Fest steht bislang nur, dass sich in der Nacht mehrere schwere Explosionen in dem Fabrikkomplex Jarmuk ereigneten. Meterhoch schlugen die Flammen in den Himmel. Mehrere Menschen im umliegenden Stadtviertel al-Schigara erlitten Rauchvergiftungen. Die Feuerwehr benötigte Stunden um den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Tote hat es nach offiziellen Angaben nicht gegeben. Der Gouverneur von Khartum hatte zunächst äußere Ursachen für die Detonationen ausgeschlossen.

Dem widersprechen jedoch mehrere Augenzeugen, die von Flugzeugen berichteten, die in der Nähe der Fabrik gekreist seien, bevor diese in Flammen aufging. Zudem zeigt ein Video vom Tatort einen Krater, mehrere zerstörte Gebäude und Trümmer, die von einer Rakete stammen könnten. Eine erste Analyse habe ergeben, dass Israel hinter der Tat stecke, sagte Osman. Sein Land werde dem Uno-Sicherheitsrat Beweismaterial für die Verantwortlichkeit Israels vorlegen und behalte sich Vergeltungsschläge vor.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte 1998 unter Berufung auf sudanesische Oppositionelle berichtet, in der Fabrik Jarmuk würden Chemiewaffen für das irakische Regime gelagert. Sudans Behörden haben dies stets bestritten.

"Wir antworten nicht auf die Behauptungen"

Nicht zum ersten Mal macht Khartum Israel für Luftschläge gegen den Sudan verantwortlich.

Israel hat weder bestätigt noch dementiert, hinter den Luftschlägen zu stecken. So hält es die Regierung auch in diesem Fall. "Wir antworten nicht auf die Behauptungen", sagte eine Sprecherin der Streitkräfte. Der Sprecher des Außenministeriums Yigal Palmor sagte: "Israel hat überhaupt keine Informationen zu dem Vorfall."

syd/dpa/AFP

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Observer 24.10.2012
1. Warum nur
kann ich an der Sache, sollte sich der Verdachte bestätigen, nichts Schlimmes finden?
spon-facebook-10000324734 24.10.2012
2. Möglicherweise hat...
...nur Jemand den Falschen Knopf gedrückt. Das gibt man nicht zu und beschuldigt "den Feind" Da es momentan angesagt ist gegen Israel, den Westen und die USA zu sein springen natürlich alle Gutmenschen direkt an und ereifern sich. Würde mich nicht wundern
aeronaut79 24.10.2012
3. optional
Es scheint Mode zu werden, Israel alle unbequemen Dinge zu unterstellen und anzudichten. Ich steige da mal mit ein! Ist ja schön einfach: Ich verdächtige den israelischen Staat mir eine Socke geklaut zu haben, die ich heute morgen partout nicht finden konnte!
ariovist1966 24.10.2012
4. Nichts Schlimmes?
Zitat von Observerkann ich an der Sache, sollte sich der Verdachte bestätigen, nichts Schlimmes finden?
können Sie daran finden. Ich gratuliere dem israelischen Militär, falls es wirklich dafür verantwortlich sein sollte. Top-Leistung!
ted321 24.10.2012
5. Das war der erste Streich
Angenommen das ist alles Wahr. Die Entfernung entspricht etwa Den zielen die Israel im Iran treffen muesste. Diese lange Strecke ist nicht trivial zu bewaeltigen und erfordert wahrscheinlich sogar ein betanken der Flugzeuge bei der Heimkehr. Fuer eine einfache Waffenfabrik scheint mir das ein wenig viel aufwand. Vielleicht war das ganze eine Aufwaermuebung um dem Iran ein bissel Angst zu machen.
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