Christin im Sudan Todeskandidatin war bei Geburt ihres Babys angekettet

Neue Details zu der im Sudan zum Tode verurteilten Christin: Laut ihrem Ehemann hat Mariam Jahia Ibrahim Ishak ihre Tochter angekettet im Gefängnis zur Welt gebracht. Zwei Jahre darf sie sich um das Kind kümmern - dann droht ihr der Galgen.

Hochzeitsfoto von Ishak und Wadi (2011): Geburt hinter Gittern
facebook/ Gabriel Wani

Hochzeitsfoto von Ishak und Wadi (2011): Geburt hinter Gittern


Khartum - Der Fall Mariam Jahia Ibrahim Ishak löst über die Grenzen des Sudan hinaus Bestürzung aus, beschäftigt Menschenrechtler wie Politiker. Ein Gericht in Khartum hatte die Hochschwangere zum Tode verurteilt, weil sie nicht im muslimischen Glauben leben will. Kurz nach dem Richterspruch brachte die junge Frau Anfang der Woche im Gefängnis eine Tochter zur Welt - nun hat ihr Ehemann erstmals Einzelheiten über die Geburt erzählt.

Wie Daniel Wani dem britischen "Telegraph" berichtete, wurde Ishak zwar auf die Krankenstation der Haftanstalt verlegt - verbrachte aber auch den Geburtsvorgang selbst in Ketten. "Sie war an den Beinen angekettet", sagte Wani.

Er habe seine Frau und das Neugeborene auch mehr als einen Tag nach der Geburt nicht besuchen dürfen, sagte Wani weiter. Erst am Mittwoch habe er endlich Zugang zur Zelle erhalten: "Das Baby ist wunderschön. Sie heißt Maya. Auch die Mutter ist okay. Sie sah nicht allzu mitgenommen aus." Für die Zeit des Besuchs seien die Ketten dann entfernt worden.

Ein Gericht in der Hauptstadt hatte Ishak Mitte Mai wegen Abfalls vom islamischen Glauben zum Tod durch Erhängen verurteilt. Die junge Frau, die bereits einen 20 Monate alten Sohn hat, wurde zudem zu hundert Peitschenhieben wegen Ehebruchs verurteilt. Auch der Sohn lebt nach Angaben Wadis mit seiner Mutter und dem wenige Tage alten Säugling in der Gefängniszelle.

Die Vollstreckung des Urteils ist vorerst ausgesetzt. Ishak soll bis zu zwei Jahre Zeit bekommen, um sich um das Baby zu kümmern. Nach Ablauf dieser Frist jedoch droht ihr der Tod durch Erhängen.

Mehr als 600.000 Stimmen für die Freilassung

International hatte der Fall für Schlagzeilen gesorgt. Zahlreiche Unterstützerseiten im Internet fordern die Freilassung der Inhaftierten. Amnesty International hat sich eingeschaltet, Human Rights Watch bezeichnete den Fall als Beispiel "drakonischer Intoleranz". 620.000-mal wurde im Netz eine Petition für Mariam Jahia Ibrahim Ishak unterzeichnet.

Ishak war von ihrer Mutter christlich-orthodox erzogen worden, nachdem ihr muslimischer Vater die Familie verlassen hatte. Die Anklage des Ehebruchs wurde wegen ihrer Ehe mit einem Christen erhoben. In der sudanesischen Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts, darf eine Muslimin keinen Christen heiraten. Tut sie es dennoch, wird dies als Ehebruch gewertet.

Trotz der drohenden Strafe will sich Ishak dem Druck jedoch offenbar nicht beugen. Über ihren Anwalt ließ sie mitteilen: "Wenn sie mich exekutieren wollen, dann sollen sie es machen. Ich werde meinem Glauben nicht entsagen."

jok

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