Konflikt in Afrika: Sudan und Südsudan liefern sich Grenzgefechte

Der Konflikt zwischen Sudan und Südsudan verschärft sich. Truppen des Südens sind in das Gebiet des nördlichen Nachbarn einmarschiert. Khartum droht mit Vergeltung, Juba rechtfertigt die Aktion als Selbstverteidigung. Die Uno will beide Seiten zurück an den Verhandlungstisch bringen.

Südsudanesischer Kämpfer im Grenzgebiet: Der Norden droht mit Vergeltung Zur Großansicht
AFP

Südsudanesischer Kämpfer im Grenzgebiet: Der Norden droht mit Vergeltung

Khartum/Juba - In Afrika wächst die Sorge vor einem neuen Krieg. Sudan hat die Gespräche über ein Sicherheitsabkommen und die Verteilung der Öleinnahmen mit Südsudan abgebrochen. Außerdem kündigte die Regierung in Khartum an, ihre Armee mobilisieren zu wollen.

Sudan reagiert damit auf den Einmarsch der südsudanesischen Armee (SPLA) in die ölreiche sudanesische Region Heglig. Khartum warf dem Süden die schwerste Verletzung der territorialen Integrität seit dessen Unabhängigkeit vor. Die Afrikanische Union (AU) forderte den Rückzug der südsudanesischen Truppen. Der Staatenbund äußerte in einer Erklärung seine "tiefe Besorgnis über die Verschärfung des bewaffneten Konflikts an der Grenze". Zudem forderte die AU beide Staaten auf, weitere Luftangriffe zu unterlassen und nicht länger Rebellen auf dem Staatgebiet des Nachbarn zu unterstützen.

An der umstrittenen Grenze zwischen den beiden Staaten dauern die Kämpfe seit Montag an. Permanent gebe es Angriffe der sudanesischen Armee, sagte der Vizechef des südsudanesischen Militärgeheimdiensts, Mac Paul, in Bentiu, der Hauptstadt der Grenzregion Unity. Dennoch kontrollierten die südsudanesischen Truppen wieder das umstrittene Heglig-Ölfeld. Dort werden pro Tag 115.000 Barrel Rohöl gefördert - die Hälfte der Ölproduktion Sudans. Doch der Süden beansprucht das Gebiet für sich.

Uno fordert Wiederaufnahme der Verhandlungen

Heglig befindet sich rund hundert Kilometer östlich der umstrittenen Region Abyei, deren Status nach der Abspaltung Südsudans vom Norden noch immer ungewiss ist. Nach einem Urteil des Ständigen Schiedshofs in Den Haag aus dem Jahr 2009 liegt Heglig jedoch in der Region Südkordofan und damit im Sudan.

Bereits Ende März hatte es in der umstrittenen Grenzregion zwei Tage heftige Gefechte gegeben. Es waren die schwersten Kämpfe seit der Unabhängigkeitserklärung Südsudans im Juli 2011. Damals hatte sich der überwiegend christlichen Süden nach mehr als zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg vom mehrheitlich muslimischen Norden des Landes losgelöst. Die Staaten sind seither durch eine 1800 Kilometer lange Grenze voneinander getrennt.

Der Uno-Sicherheitsrat rief beide Seiten dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zudem müssten alle Kampfhandlungen eingestellt werden, forderte US-Botschafterin Susan Rice. Auch die US-Regierung zeigte sich "außerordentlich besorgt". "Wir rufen alle Parteien dazu auf, die Kämpfe einzustellen", sagte Außenamtssprecherin Victoria Nuland. Südsudans Präsident Salva Kiir habe nach Uno-Angaben in einem Telefonat mit Ban Ki Moon ein unverzügliches Gipfeltreffen mit dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir vorgeschlagen

Sudans Uno-Botschafter Ali Osman warnte, seine Armee werde "tief im Südsudan" Vergeltung üben, wenn die Truppen des Süden sich nicht zurückzögen. Bislang habe man Zurückhaltung walten lassen. Die SPLA sei 70 Kilometer tief in sudanesisches Staatsgebiet vorgedrungen, so Osman. Die Regierung in Juba verteidigte ihr Vorgehen: Die Militäraktion diene lediglich der Selbstverteidigung, nachdem Sudans Armee von Heglig aus Angriffe auf den Süden gestartet hätte.

syd/dapd/AFP/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Thomas-Melber-Stuttgart 12.04.2012
Zitat von sysopDer Konflikt zwischen Sudan und Südsudan verschärft sich. Truppen des Südens sind in das Gebiet des nördlichen Nachbarn einmarschiert. Khartum droht mit Vergeltung, Juba rechtfertigt die Aktion als Selbstverteidigung. Die Uno will beide Seiten zurück an den Verhandlungstisch bringen. Konflikt in Afrika: Sudan und Südsudan liefern sich Grenzgefechte - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827091,00.html)
Es ist schon erstaunlich über welche Infrastruktur (Armee, Militärgeheimdienst) der Südsudan verfügt, ein Land, das keine nennenswerten Einnahmen hat. Ist die Grenze zum Sudan eigentlich völkerrechtlich verbindlich festgestellt?
2.
Trondesson 12.04.2012
Zitat von Thomas-Melber-StuttgartEs ist schon erstaunlich über welche Infrastruktur (Armee, Militärgeheimdienst) der Südsudan verfügt, ein Land, das keine nennenswerten Einnahmen hat. Ist die Grenze zum Sudan eigentlich völkerrechtlich verbindlich festgestellt?
Nein. Es herrscht nach wie vor Uneinigkeit darüber, wie die ölreichen Grenzgebiete aufgeteilt werden sollen. Jeder will, wie immer, alles.
3. Tja ...
slyer 12.04.2012
Zitat von Thomas-Melber-StuttgartEs ist schon erstaunlich über welche Infrastruktur (Armee, Militärgeheimdienst) der Südsudan verfügt, ein Land, das keine nennenswerten Einnahmen hat. Ist die Grenze zum Sudan eigentlich völkerrechtlich verbindlich festgestellt?
Es ist wohl eher umgekehrt: Da die Sudanese People's Liberation Army seit 1982 (erst mit äthiopischer, dann, nach einer Pause, mit US-amerikanischer Unterstützung) kämpft, ist die Armee das einzige, was funktioniert, wenn auch nur bedingt. Ein Miltärgeheimdienst ist eigentlich auch in Guerilla-Armeen üblich, schon wegen der Infiltration durch die Regierung, wobei ich allerdings zugeben muss, dass ich von einem Vizechef namens Mac Paul noch nie gehört habe. Möglicherweise ist Mac Paul Koul Awor gemeint, der als SPLA-General letztes Jahr den Rückzug aus Abyei befehligte. Die völkerrechtliche Verbindlichkeit der Grenze ist auch ein Problem: Im Comprehensive Peace Agreement legten die Konfliktparteien das Referendumsgebiet auf die alten Südprovinzen von 1956 fest, in der Region Abyei sollte ein gesondertes Referendum stattfinden, das aber an der Frage der Abstimmungsberechtigten scheiterte. Von daher kann man davon ausgehen, dass mit der Ausnahme Abyeis die gesamte Grenze festgelegt ist. Problematisch war aber von Anfang an, dass Gebiete, in denen die SPLA operiert hatte, wie die Nuba-Berge, nach dieser Vereinbarung im Norden lagen, während traditionelle Durchzugsgebiete nördlicher Nomaden plötzlich zum Süden gehörten. Und so etwas führt dann gern zu bewaffneten Auseinandersetzungen (eher inoffizieller) Gruppen, da im Bürgerkrieg beide Seiten eine Politik der großflächigen Bewaffnung irregulärer Milizen praktizierten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Sudan
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare
Länderlexikon
Wichtigste Eckdaten

Eigenname: Republik Sudan

Offizieller Eigenname: Jumhuriyat as-Sudan

Staats- und Regierungschef: Umar al-Baschir
(seit Juni 1989)

Außenminister: Ali Karti (seit Juni 2010)

Staatsform: Islamische Republik

Mitgliedschaften: Uno, AU

Hauptstadt: Khartum

Amtssprachen: Arabisch

Religionen: mehrheitlich Sunniten

Fläche: 1.861.484 km²

Bevölkerung: 36,164 Mio. Einwohner (2013)

Bevölkerungsdichte: 19,4 Einwohner/km²

Bevölkerungswachstum: 2%

Fruchtbarkeitsrate: 4,6 Geburten/Frau

Nationalfeiertag: 1. Januar

Zeitzone: MEZ +2 Stunden

Kfz-Kennzeichen: SUD

Telefonvorwahl: +249

Internet-TLD: .sd

*Die Daten beziehen sich auf den Gesamtsudan

Mehr Informationen bei Wikipedia

Wirtschaft

Währung: 1 Sudanesisches Pfund (s£) = 100 Piaster zum Währungsrechner hier...

Bruttosozialprodukt: 53,795 Mrd. US$ (ohne Südsudan)

Wachstumsrate des BIP: -10,1%

Anteile am BIP: Landwirtschaft 28%, Industrie 31%, Dienstleistungen 41%

Inflationsrate: 5,5% (2014; geschätzt)

Handelsbilanzsaldo: -5,599 Mrd. US$

Export: 4,534 Mrd. US$

Hauptexportgüter: Gold (64,1%) (2012)

Hauptausfuhrländer: Vereinigte Arabische Emirate (63,2%) (2012)

Import: 10,133 Mrd. US$

Hauptimportgüter: Nahrungsmittel (21,6%), industrielle Vorprodukte (20,7%), Maschinen und Elektrogeräte (18,7%), Rohmaterialien (13,8%), Transportmittel (13,1%) (2012)

Hauptlieferländer: Volksrepublik China (18,1%), Indien (8,8%), Saudi-Arabien (7,9%) (2012)

Landwirtschaftliche Produkte: Sesam, Sorghum, Hirse, Weizen

Rohstoffe: Erdöl, Chromit, Gips, Gold, Eisenerz, Wollastonit

Gesundheit, Soziales, Bildung

Öffentliche Gesundheitsausgaben (am BIP): 8,4%

Medizinische Versorgung: Ärzte: 0,3/1000 Einwohner

Säuglingssterblichkeit: 49/1000 Geburten

Müttersterblichkeit: 730/100.000 Geburten

Lebenserwartung: Männer 60 Jahre, Frauen 63 Jahre

Energie, Umwelt, Tourismus

Energieproduktion: 34,8 Mio. Tonnen Öleinheiten (ÖE)

Energieverbrauch: 16,6 Mio. t ÖE

Geschützte Gebiete: 6,8% der Landesfläche

CO2-Emission: 14,173 Mio. t

Energieverbrauch/Kopf: 355 kg ÖE

Verwendung des Süßwassers: Landwirtschaft 97%, Industrie 1%, Haushalte 2%

Zugang zu sauberem Trinkwasser: 66% der städtischen, 50% der ländlichen Bevölkerung

Tourismus: 536.000 Besucher

Einnahmen aus Tourismus: 91 Mio. US$

Militär

Allgemeine Wehrpflicht: 2 Jahre

Streitkräfte: 244.300 Mann (Heer 240.000, Marine 1300, Luftwaffe 3000)

Nützliche Adressen und Links

Sudanesische Botschaft in Deutschland
Kurfürstendamm 151, D-10709 Berlin
Telefon: +49-30-8906980 Fax: +49-30-89409693
E-Mail: mail@sudan-konsulat.de

Deutsche Botschaft im Sudan
Khartum 53 Baladia Street, Block No 8 D, Plot No. 2, Khartum
Telefon: +249-183-745055 Fax: +249-183-777622
E-Mail: info@khartum.diplo.de

Länder- und Reiseinformationen des Auswärtigen Amts

Mehr Informationen bei Wikipedia