Sudan Zum Tode verurteilte Christin soll doch nicht freikommen

Die im Sudan zum Tode verurteilte Christin soll doch nicht aus der Haft entlassen werden. Das sudanesische Außenministerium widersprach Ankündigungen eines Mitarbeiters.

Hochzeitsfoto (2011): Freilassung hängt vom Gericht ab
facebook/ Gabriel Wani

Hochzeitsfoto (2011): Freilassung hängt vom Gericht ab


Khartum - Mariam Jahia Ibrahim Ishak bleibt zunächst im Gefängnis. Die Christin, die im Sudan zum Tode verurteilt worden war und vor wenigen Tagen ihr zweites Kind in Haft zur Welt gebracht hatte, kann nicht auf eine baldige Freilassung hoffen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Ob sie freigelassen wird, hängt vom Gericht ab. Nimmt dieses die Berufung des Verteidigerteams an und entscheidet es zu Gunsten der 27-Jährigen, besteht Hoffnung, teilte das Außenministerium am Sonntag mit.

Am Samstag hieß es noch, die Christin könne darauf hoffen, bald freizukommen. Ein ranghoher Beamter des Außenministeriums hatte gesagt, Ischak, solle "in den kommenden Tagen" gemäß den Verfahren der Justiz und des Justizministeriums auf freien Fuß kommen. Das Außenministerium sagte, die Äußerungen eines Ministeriumsmitarbeiters seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Rechtsanwalt will Urteil durch alle Instanzen anfechten

Ein Gericht in der Hauptstadt Khartum hatte Ishak vor zwei Wochen zum Tod durch Erhängen verurteilt, weil sie vom islamischen Glauben abgefallen sei. Die Angeklagte lehnte es ab, sich zum Islam zu bekennen und ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Ihr Rechtsanwalt kündigte an, das Urteil durch alle Instanzen anzufechten.

Kurz nach dem Richterspruch brachte die junge Frau Anfang der Woche im Gefängnis eine Tochter zur Welt- ihrem Ehemann zufolge war sie dabei angekettet. Auch ihr 20 Monate alter Sohn soll mit der jungen Frau in der Zelle gelebt haben.

Der Fall hat international für Schlagzeilen gesorgt. Zahlreiche Unterstützerseiten im Internet fordern die Freilassung der Inhaftierten. Amnesty International hat sich eingeschaltet, Human Rights Watch bezeichnete den Fall als Beispiel "drakonischer Intoleranz". Mehr als 735.000-mal wurde im Netz eine Petition für Ishak unterzeichnet.

Sie war von ihrer Mutter christlich-orthodox erzogen worden, nachdem ihr muslimischer Vater die Familie verlassen hatte. Sie wurde wegen Ehebruchs angeklagt, weil sie 2011 einen aus dem Südsudan stammenden christlichen US-Bürger geheiratet hatte. In der sudanesischen Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts, darf eine Muslimin keinen Christen heiraten - ansonsten wird eine solche Ehe als Ehebruch gewertet. Ischak wurde deshalb auch zu hundert Peitschenhieben verurteilt.

kha/AFP



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