Südafrika Gewaltsame Proteste gegen Präsident Zuma

Südafrikas Regierungspartei ANC in der Klemme: Der linke Politiker Malema muss sich vor einem Parteigericht verantworten - und seine Anhänger sind so erbost, dass sie zu Hunderten gewalttätig gegen Präsident und ANC-Chef Zuma protestieren. Die Polizei reagierte mit Tränengas und Wasserwerfern.

Wütende Demonstranten in Johannesburg: "Wir verbrennen Zuma"
REUTERS

Wütende Demonstranten in Johannesburg: "Wir verbrennen Zuma"


Johannesburg - In der südafrikanischen Stadt Johannesburg ist die Polizei mit Gummigeschossen, Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgegangen. Der Grund: Hunderte Anhänger des linken Politikers Julius Malema protestierten vor dem Sitz der Regierungspartei ANC und warfen Steine und Flaschen auf die Sicherheitskräfte.

Die Proteste richteten sich auch gegen den ANC-Vorsitzenden und südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma. Die Demonstranten verbrannten T-Shirts mit seinem Porträt und sangen: "Wir verbrennen Zuma". Außerdem zündeten sie Flaggen des ANC an. Es sei auch zu Übergriffen gegen Journalisten gekommen, berichtete der Nachrichtensender E-News.

Malema ist Chef der ANC-Jugendliga. Er soll vor dem Disziplinarkomitee der Partei angehört werden. Ihm wird vorgeworfen, dem Ruf des ANC geschadet und eine Spaltung der Partei betrieben zu haben.

Der 30-Jährige, der offiziell als Parteifunktionär nur umgerechnet etwa 2000 Euro im Monat verdient, soll allein in seine neue Villa über eine Million Euro gesteckt haben. Gegen den Politiker, der aus einfachen Verhältnissen kommt, wird auch wegen illegaler Kassen und Korruption ermittelt.

Er könnte - wie auch fünf weitere Anführer der ANC-Jugendliga - aus der Partei ausgeschlossen werden. Beobachter gehen aber davon aus, dass er höchstens von seinem Posten suspendiert oder von den Vorwürfen freigesprochen wird. Am Montag hatte Malema seine Anhänger zur Ruhe aufgerufen.

Der Politiker stand bereits im vergangenen Jahr wegen heftiger Kritik an Zuma vor dem ANC-Disziplinarkomitee. Er galt einst als enger Verbündeter des südafrikanischen Staatschefs, der seit 2009 im Amt ist. Inzwischen sind beide aber zerstritten, Malema soll sich Berichten zufolge für eine Ablösung Zumas von der Parteispitze einsetzen. Zuma will sich im kommenden Jahr als Parteichef wiederwählen lassen und 2014 bei den Präsidentschaftswahlen für eine zweite Amtszeit kandidieren.

Malema ist in Südafrika wegen seiner polemischen Äußerungen ebenso bekannt wie umstritten. So fordert er die Verstaatlichung der Bergwerke des Landes oder will weiße Farmer enteignen lassen. Mit radikalen Forderungen und Ausfällen gegen weiße Politiker versucht er seit langem, den Rassenkonflikt in Südafrika politisch auszunutzen. Vergangenen Monat sorgte er zudem mit einem Aufruf zu einem Regierungswechsel im Nachbarland Botswana für Empörung. Die Regierung Botswanas bezeichnete er als "Marionette" der USA.

kgp/dpa/AFP



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