Südafrika Ein Präsident im Wampenfieber

Cyril Ramaphosa, Südafrikas neuer Staatschef, ist schwerreich und gilt als wenig charismatisch. Mit einer PR-Offensive will er das ändern, Motto: "Die Wampe muss weg."

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Manche Manager preisen das Frühaufstehen gern als eine wichtige persönliche Voraussetzung für ihren Erfolg. Der Tag noch jung, mehr Zeit für die großen Aufgaben. Auch Joggen an innerstädtischen Gewässern ist bei Top-Entscheidern beliebt.

Südafrikas neuer Präsident Cyril Ramaphosa, 65, bislang Vizestaatschef, Millionär und Großinvestor, hat nun frühes Aufstehen und Laufen kombiniert, und macht daraus eine kleine präsidiale Seifenoper.

Über Ramaphosa heißt es bislang, er sei nicht charismatisch genug für einen Führer der mächtigen Partei ANC, und auch nicht für einen Staatschef. Offenbar als Reaktion darauf hat er nun eine für Präsidenten ungewöhnliche Exkursion in Kapstadt unternommen.

"Die Wampe muss weg"

Gemeinsam mit etwa 100 Bewohnern der Stadt spazierte er um 5 Uhr morgens länger als eine Stunde strammen Schrittes durch die Metropole, begleitet auch von Parteigenossen und Personenschützern. Ein ANC-Funktionär, der dabei war, ächzte laut "Daily Maverick": "So früh bin ich noch nie aufgestanden."

Mit dem Slogan "The tummy must fall" ("Die Wampe muss weg") verkauft der Präsident seine Angewohnheit, morgens spazieren zu gehen, als Kampagne für das Wohlbefinden seines Volkes. Südafrika solle gesünder werden, und Laufen sei die günstigste Art, fit zu bleiben oder zu werden, so der Präsident.

Aber: Imagekorrektur dürfte eine genauso große Rolle spielen.

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Südafrikas Präsident geht spazieren: "Die Wampe muss weg"

Erste Fotos des Spaziergängers Ramaphosa gab es schon am Donnerstag, dem Tag seiner Amtseinführung. Da trabte der Politiker im Jogging-Anzug am schicksten Uferstreifen Kapstadts, der Sea Point Promenade, entlang.

Das Bild entstand eher zufällig - und zeigte Ramaphosa mit Frühsportlern, die glücklich mit dem Staatschef posierten.

Für den zweiten Lauf am Dienstag, der auch über das Internet angekündigt wurde, wählte Ramaphosas PR-Team eine weniger schicke Nachbarschaft: Er lief von einem Sportkomplex zu einem Stadion und passierte dabei auch mehrere Armenviertel, ein Teil des Wegs führte an einer Schnellstraße entlang.

"Danke, dass ihr mit mir gelaufen seid, wir haben fast sechs Kilometer geschafft", sagte der Präsident am Ende seiner Morgenrunde in die Kameras. Sprach es und verschwand in seiner Limousine. Fragen zum neuen Kabinett, die dann doch ein Journalist zu stellen wagte, ließ Ramaphosa abtropfen.

Für die Südafrikaner ist es nach neun Jahren unter Staatschef Jacob Zuma ein willkommener Kulturwandel. Dessen Bodyguards hielten die einfachen Leute meist weit vom Präsidenten fern.

Und Ramaphosa setzt sicher nicht zufällig auf Volksnähe: Im Mandela-Jubiläumsjahr eifert er mit seinem Bad in der Menge der südafrikanischen Ikone Nelson Mandela nach. Außerdem kann man die Charmeoffensive auch als vorgezogenen Wahlkampf werten: Schon in etwa einem Jahr müssen sich Ramaphosa und sein ANC den Wählern stellen, die Partei hat unter Zuma viel Kredit verspielt.

Dem Volk genügt es erst einmal, dass Ramaphosa anders zu sein scheint als sein Amtsvorgänger. Seine Berater und er dürften nun alles tun, um aus der Erleichterung über den Rücktritt Zumas möglichst viel Kapital zu schlagen. Zuma hat, wenn er überhaupt gute Berater hatte, nicht auf sie gehört. Das macht Ramaphosa schon mal besser.

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theanalyzer 23.02.2018
1.
Dieser Präsident ist NICHT freundlich. Wie er gestern verlauten ließ, plant er, die weißen Farmer zu enteignen. Südafrika wird dadurch den traurigen Weg Rhodesiens gehen. Das heißt nun Zimbabwe. Und ist ruiniert.
coltrane142 23.02.2018
2. Inhaltslose feel god story
Wie wärs denn wenn ihr zur Abwechslung mal ein paar relevante News aus Südafrika berichten würdet? Mich interessiert der Bauchumfang des nächsten korrupten Präsidenten herzlich wenig, da gibt es wesentlich wichtigere Sachen aus Südafrika zu berichten. Die Farmmorde zum Beispiel. Gezielte Angriffe auf weiße Farmer und deren Familien sind eine traurige Alltäglichkeit geworden. Familienangehörige werden ebenfalls gefoltert, vergewaltigt und abgeschlachtet, auch schwarze Farmarbeiter die es wagen für europäischstämmige Farmer zu arbeiten werden Ziel der Angriffe. Informationen über die Farmmorde werden in den staatlich kontrollierten südafrikanischen Medien gezielt unterschlagen oder beschönigt, das gleiche gilt für die Kriminalitätsstatistiken die seit einigen Jahren keine Auskünfte über die ethnische Zugehörigkeit der Opfer erfassen (warum wohl?). Jetzt wird gerade massiv Stimmung gegen die Farmer gemacht, die Rufe nach Enteignungen und Vertreibungen werden auch von offizieller Stelle immer lauter. Genocide Watch hat Südafrika mit der Stufe 6 (von 8) bewertet (Genocide Preparation). Die Unterdrückung der schwarzen Mehrheit unter dem Apartheidsregime ist einer Unterdrückung der weißen Minderheit gewichen (unterstützt von zahlreichen diskriminierenden Gesetzen). Ein Unrecht sollte nicht mit einem anderen Unrecht abgegolten werden und die mangelnde Berichterstattung zu diesem Thema ist skandalös!
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