Südafrikas Präsident Zuma im TV "Eine Krise, die meine Kameraden bereuen werden"

Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat seinen Rücktritt ausgeschlossen. Wenn das Parlament ihm das Vertrauen entziehe, werde er dem folgen. Das könnte schon am Donnerstag so weit sein.

Jacob Zuma im Interview auf SABC
SABC Digital News/ Youtube

Jacob Zuma im Interview auf SABC


Jacob Zuma, Südafrikas umstrittener Staatschef, hat erneut ausgeschlossen, vom Präsidentenamt zurückzutreten. In einem Live-Interview mit dem Sender SABC sagte der Präsident auf die direkte Frage nach einem Rücktritt: "Nein, ich trete nicht zurück."

Im Falle einer Misstrauensabstimmung im Parlament würde er sich allerdings fügen. "Wenn das Parlament sagt, 'Wir wollen dich nicht mehr', dann wäre ich raus", sagte Zuma in dem Gespräch.

Zumas Partei ANC hatte ihn am Dienstag aufgefordert, sein Amt niederzulegen. Dazu sagte Zuma, dem ANC sei es nicht gelungen, ihn von einem sofortigen Rücktritt zu überzeugen. Gründe für den Wunsch nach einem Abschied seien ihm nicht dargelegt worden. "Niemand hat mir unterbreitet, was ich falsch gemacht habe. Ich habe nichts falsch gemacht. Wo ist denn das Problem?"

Es sei "ein Druck aufgebaut worden, wie ich ihn noch nicht erlebt habe", er werde dadurch "zum Opfer gemacht". Er habe der Partei vorgeschlagen, im Juni oder Juli zurückzutreten, um "einen sanften Übergang" zu seinem Nachfolger, Vize und ANC-Chef Cyril Ramaphosa zu ermöglichen. Das sei aber abgelehnt worden. "Sie wollten den Rücktritt, und das akzeptiere ich nicht."

Seine Partei warnte Zuma vor schwerwiegenden Folgen seiner möglichen Absetzung. "Wir werden in eine Krise gestürzt, die meine Kameraden, meine Anführer (im ANC) noch bereuen werden", sagte Zuma in dem Gespräch.

Misstrauensvotum womöglich bereits am Donnerstag

Kurz nach Zumas Auftritt beriet in Kapstadt das Parlament über ein vorgezogenes Misstrauensvotum gegen den Staatschef. Zuvor hatte das Parlamentspräsidium den Antrag der Oppositionspartei EFF zugelassen, die Abstimmung auf den morgigen Donnerstag vorzuverlegen.

Vor der Sitzung sagte der Fraktionsvorsitzende des ANC, die Chancen, dass alle Parteien dem Vorziehen des Misstrauensvotums zustimmen, stünden "sehr gut".

Zumas zweite Amtszeit, die in gut einem Jahr offiziell zu Ende geht, ist von Korruptionsskandalen, einer schweren Wirtschaftskrise und Zustimmungsraten von um die 20 Prozent für den Präsidenten schwer belastet.

Als Folge dessen verlor Zuma bereits im Dezember den Vorsitz des ANC an seinen Vize Ramaphosa. Tritt Zuma zurück, würde Ramaphosa das Präsidentenamt kommissarisch übernehmen. Im Fall eines erfolgreichen Misstrauensvotums gilt Ramaphosas Wahl zum Staatschef als wahrscheinlich.

Im Video: Präsident Zuma

REUTERS

cht/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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mabe200 14.02.2018
1.
Zuma hat den Vorsitz nicht "verloren". Er durfte, nach zwei Amtszeiten, nicht mehr antreten. Das allein ist in Afrika schon ungewöhnlich. Ansonsten bestätigt sein Verhalten, mal wieder, alle Vorurteile gegenüber Machthabern auf dem afrikanischen Kontinent. Zuerst die drei wichtigsten Punkte jedes Regierungschefs "Me, Myself and I". Wenn das Land dann ausgeplündert ist, kommt China und übernimmt die Reste. Hoffentlich läuft es in Südafrika jetzt anders. Es ist ein so wundervolles Land. Die Menschen hätten eine gute Zukunft verdient.
fvaderno 14.02.2018
2. Der Herr hat wohl jeden Sinn für Realität verloren.
Das gilt zumindest, wenn die Berichte über seine Misswirtschaft, Selbstbereicherung und Korrption der nationalen und internationalen Presse korrekt sind.
Papazaca 14.02.2018
3. Zuma, das unschuldige Lamm
Zuma ist sich keiner Schuld bewußt. Sagt er. Nur glauben ihm das nicht mehr viele, dazu gab es zu viele Skandale. Und deshalb hat er sicher Angst vor der Justiz. Wenn er freiwillig gegangen wäre, hätte es vielleicht ein Gentlemans-Agreement gegeben. Den sicher sind auch andere ANC-Politiker korrupt, die noch in Amt und Würden sind. Mit seiner Weigerung kommt es jetzt aber sicher zum Showdown im Parlament. Spannend, wie eine "Befreiungspartei", die immer noch von der Vergangenheit zehrt, im normalen politischen Alltag ankommt, Hoffentlich ist dann Schluss mit der Sebstbedienungsmentalität.
ditta 14.02.2018
4. Zu klein für Mandelas Schuhe
war Zuma allemal, und am allerwenigstens war ihm bedeutsam, den schwierigen Zusammenhalt der Ethnien des Landes zu festigen. Angesichts der unerfüllten Versprechungen der ANC-Regierenden an die schwarze Mehrheit versuchte Zuma, von eigenen Fehlleistungen ablenkend, eher deren Vorbehalte gegen die Weißen zu verstärken und sang schon mal wirksam öffentlich seinen alten Kampfsong "Wo ist mein Maschinengewehr?" - Die übliche Geschichte in Afrika: Regime-Gegner errichtet nach Sieg Regime, nur mit noch stärkerem Erfolgsdruck bei persönlicher Bereicherung und Korruption! Ob es besser mit Ramaphosa wird, ist zu bezweifeln; gut jedenfalls, daß er, der junge, durchaus politisch geradlinige und erfolgreiche Gewerkschaftsfunktionär in Apartheidzeiten, in den Jahren seit dem Ende der Apartheid bereits zum Multimillionär aufgestiegen ist. Die Korruptionsanfälligkeit ist dann vermutlich nicht mehr groß.
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