Südafrika USA streichen Mandela von ihrer Terrorliste

Vor 14 Jahren erhielt er den Friedensnobelpreis - aber erst seit einigen Stunden ist Nelson Mandela für Washington kein Terrorist mehr: Die USA strichen den Ex-Präsidenten Südafrikas am Dienstag von ihrer Liste der terrorverdächtigen Personen.


Hamburg/Washington - Nelson Mandela ist für die US-Regierung nun auch formal kein Terrorist mehr: 14 Jahre nach dem Ende der Apartheid in Südafrika und kurz vor seinem 90. Geburtstag strichen die USA den früheren südafrikanischen Präsidenten von einer Liste terrorverdächtiger Personen. US-Präsident George W. Bush unterzeichnete am Dienstag eine entsprechende Gesetzesänderung des US-Kongresses. Neben dem Friedensnobelpreisträger standen auch alle anderen Mitglieder des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) auf der Liste.

Friedensnobelpreisträger Mandela: Nicht mehr auf der US-Liste der terrorverdächtigen Personen
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Friedensnobelpreisträger Mandela: Nicht mehr auf der US-Liste der terrorverdächtigen Personen

Die US-Regierung hatte den ANC in den achtziger Jahren auf die Liste der terroristischen Organisationen gesetzt. Dies wurde zwar später aufgehoben, allerdings wurden alle ANC-Mitglieder weiter auf der Liste geführt.

Die Gesetzesänderung geht auf eine Initiative des Abgeordneten Howard Berman von der Demokratischen Partei zurück. Im April hatte sich US-Außenministerin Condoleezza Rice für die Streichung der südafrikanischen Regierungspartei von der "schwarzen Liste" der Terrororganisationen stark gemacht. Rice sagte damals, es sei ihr "peinlich", dass sie Mandela immer noch eine Sondergenehmigung für die Einreise ausstellen müsse. Am vergangenen Freitag hatte der US-Kongress das Gesetz verabschiedet.

Berman sagte nach der Unterzeichnung, "das Etikett Terrorist" hafte nun "nicht länger an Vertretern des ANC, unter ihnen einer der größten Helden der Welt, Nelson Mandela". "Unser Land steht an der Seite derjenigen, die kämpften, um das verwerfliche Apartheid-Regime zu beenden." Der Sprecher des US-Außenministeriums, Tom Casey, sagte, die Regierung sei froh über "die Korrektur des ansonsten guten und wichtigen Gesetzes", das zur Einreisekontrolle dient.

Bisher benötigte Mandela für einen USA-Besuch einen Ausnahmebescheid des US-Außenministeriums, in der ausdrücklich bestätigt werden musste, dass Mandela nicht in terroristische oder andere kriminelle Aktivitäten verwickelt ist.

Der ANC-Politiker Mandela hatte 1993 für seinen Kampf gegen die Apartheid in Südafrika den Friedensnobelpreis erhalten. Er war 27 Jahre auf der Gefangeneninsel Robben Island inhaftiert, weil er Anfang der sechziger Jahre zum bewaffneten Kampf gegen die Unterdrücker aufgerufen hatte. 1990 wurde er freigelassen. Ganz ohne Gewalt und Rachegelüste befreite er sein Land 1994 von der Apartheid. Als erster Schwarzer wurde er im selben Jahr zum Präsidenten Südafrikas gewählt. Seit dem Ende seiner Amtszeit 1999 engagiert er sich vor allem im Kampf gegen Aids. Mandela, der am 18. Juli 90 Jahre alt wird, hatte sich bereits am vergangenen Freitag bei einem Aids-Benefizkonzert im Londoner Hyde Park feiern lassen.

flo/AFP/dpa



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