Insel Jeju Südkorea lehnt Asylgesuch von jemenitischen Flüchtlingen ab 

Hunderte Jemeniten waren Anfang des Jahres auf die südkoreanische Insel Jeju geflohen - fremdenfeindliche Proteste brachen daraufhin aus. Nun stellt die Regierung klar: Dauerhaft bleiben dürfen die Flüchtlinge nicht.

Jemenitische Flüchtlinge auf Jeju
AFP

Jemenitische Flüchtlinge auf Jeju


Auf der südkoreanischen Ferieninsel Jeju galt bis Juni eine visafreie Einreise für Menschen aus dem Jemen. Deshalb waren etwa 550 Jemeniten dorthin geflohen - in der Hoffnung, in Südkorea leben zu können. In ihrem Land herrscht seit 2015 Krieg. Dennoch sollen sie nach Möglichkeit wieder dorthin zurück, teilte das Justizministerium in Seoul laut "New York Times" nun mit. Eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis soll es für sie demnach nicht geben.

Stattdessen werde 339 Jemeniten ein "humanitäres Visum" gewährt, das ein Jahr gültig sei. "Wir erlauben ihnen, ein Jahr zu bleiben", hieß es aus dem Justizministerium. "Aber wenn sich die Situation im Jemen genug verbessert, dass sie nach Hause zurückkehren können, werden wir die Aufenthaltserlaubnis entziehen oder nicht wieder verlängern."

Das Visum ist mit vielen Einschränkungen verbunden. So ist es den Flüchtlingen nicht erlaubt, auf das südkoreanische Festland zu reisen. Auch dürfen sie nur wenige Jobs verrichten, etwa als Hilfskraft in Restaurants. 85 weitere Fälle werden laut "NYT" noch untersucht, vier Jemeniten wurde das humanitäre Visum verweigert. Sie können juristisch gegen die Entscheidung vorgehen.

In den vergangenen Monaten hatte es Proteste gegen die Flüchtlinge gegeben. Demonstranten nannten sie "Fake-Flüchtlinge", protestieren mit Sprechchören und Schildern wie: "Sei nicht wie Europa" und "Wir wollen sicher sein" gegen die Fremden. Die Hilfesuchenden wurden dabei als mögliche Terroristen, Vergewaltiger oder Konkurrenz um Arbeitsplätze verunglimpft (mehr zu den Hintergründen erfahren Sie hier).

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Flüchtlinge auf Jeju: Vom Bürgerkrieg ins Urlaubsparadies

Die südkoreanische Gesellschaft ist durch eine extreme Homogenität geprägt. Dorthin gelangen insgesamt nur wenige Flüchtlinge, auch wegen der großen Entfernung zu den Krisenregionen im Nahen Osten und Afrika. Seit 1994 waren es knapp 40.500, die Quote der genehmigten Asylgesuche liegt bei knapp zwei Prozent.

vks



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