Seoul - Südkorea hat Teile der nordkoreanischen Rakete aus dem Meer geborgen, die am Mittwoch gezündet wurde. Es will nun die Trümmer untersuchen, um den Fortschritt der nordkoreanischen Technik zu beurteilen. Die erste Stufe des Flugkörpers landete westlich der koreanischen Halbinsel. Die südkoreanische Marine barg sie bereits kurz nach dem Start der Rakete. Die zweite Stufe ging östlich der Philippinen nieder.
Laut der Nachrichtenagentur Yonhap hieß es aus dem Verteidigungsministerium, dass die geborgenen Teile nun zur zweiten Kommandoflotte nach Pyeongtaek gebracht würden. Es sei nützliches Material, wurde ein Sprecher des Ministeriums zitiert. Offenbar handelt es sich um einen Treibstofftank, der den Namen des Raketentyps "Unha-3" trägt. An der Untersuchung sind zivile und militärische Experten aus Südkorea sowie US-Spezialisten beteiligt.
Es war der erste erfolgreiche Versuch des nordkoreanischen Regimes, mittels einer dreistufigen Rakete einen Satelliten in den Orbit zu bringen. Das Land kündigte am Freitag weitere Starts an. Laut der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA bat Kim Jong Un darum. Sie zitierte ihn mit den Worten, Nordkorea habe zu Hause und weltweit seinen unerschütterlichen Standpunkt gezeigt, das legitime Recht darauf zu haben, den Weltraum friedlich zu nutzen.
Menschenmassen in den Straßen
Am Freitag feierten Hunderttausende Soldaten und Zivilisten im Zentrum von Pjöngjang den Raketentest. Die Menge auf dem Kim-Il-Sung-Platz bejubelte Reden von ranghohen Militärs sowie Regierungs- und Parteivertretern, die den Erfolg des Tests feierten, wie das Staatsfernsehen zeigte. Der Raketentest sei ein Verdienst der "endlosen Loyalität, des Muts und der Weisheit" von Machthaber Kim Jong Un, sagte der Präsident der Akademie der Wissenschaften, Jang Chol.
Trotz aller internationaler Warnungen hatte Nordkorea am Mittwoch von der Westküste zum zweiten Mal in diesem Jahr eine dreistufige Rakete des Typs Unha-3 gestartet. Das Land sprach vom Raumtransport eines Satelliten zu Forschungszwecken. Die USA, Südkorea und andere Staaten sehen darin einen verschleierten Test zur Entwicklung von Interkontinentalraketen für Atomsprengköpfe. Eine Unha-3-Rakete war im April kurz nach dem Abheben explodiert.
Die Funktion des Satelliten sei noch unklar, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul, Kim Min Seok. Auch könne normalerweise erst nach zwei Wochen gesagt werden, ob der Satellit fehlerfrei arbeite. Aber "im Moment arbeitet er normal". Die Umlaufzeit auf einer elliptischen Bahn betrage 95,4 Minuten. Dagegen berichtete der US-Sender NBC auf seiner Website, das von der Unha-3 ausgesetzte Objekt scheine "außer Kontrolle zu geraten".
ler/dpa/AFP
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