Seoul - Zwei Tage nach einem Atomtest in Nordkorea hat Südkorea mit eigenen Drohungen reagiert. Das Verteidigungsministerium führte am Donnerstag ein Video mit neu stationierten, seegestützten Marschflugkörpern vor. Die Reichweiten betrügen mehr als tausend Kilometer.
"Mit diesen Waffen können wir jede Anlage, Ausrüstung und jedes individuelle Ziel im Norden treffen, wo wir sollen und wann wir wollen," erklärte Generalmajor Ryu Young Jeo bei der Vorführung. Ein Sprecher ergänzte, die Flugkörper seien so präzise steuerbar, dass ein bestimmtes Fenster in einem Gebäude getroffen werden könne. Damit könnten im Kriegsfall "die Aktivitäten in den feindlichen Kommandostellen behindert werden".
Bereits am Mittwoch hatte Seoul angekündigt, die Entwicklung einer Langstreckenrakete, die Ziele im gesamten Norden erreichen könne, werde beschleunigt. Schon im Oktober hatte Südkorea mit den verbündeten USA vereinbart, dass die Reichweite der ballistischen Raketen verdreifacht werden soll. Washington hat rund 29.000 Soldaten in dem Land stationiert und droht bei einem Atomangriff aus dem Norden mit dem Einsatz eigener Nuklearwaffen. Im Gegenzug akzeptiert Seoul eine Begrenzung seiner Raketensysteme.
Die südkoreanischen Streitkräfte setzten zudem umfassende Übungen zu Wasser, Luft und Land fort. An den Übungen der Luftstreitkräfte hätten sich auch Flugzeuge der USA beteiligt, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Die viertägigen Marineübungen vor der Ost- und Westküste hätten bereits am Mittwoch als Reaktion auf den Nukleartest begonnen. Am Freitag seien auch weitere Artillerie-Schießübungen nahe der Grenze zu Nordkorea geplant.
Seit Pjöngjang einen dritten Atomtest angekündigt hatte, der dann am Dienstag stattfand, gilt im Süden der koreanischen Halbinsel ein erhöhter Alarmzustand. Australien reagierte auf den Test mit der Verschiebung eines für das Wochenende geplanten nordkoreanischen Diplomatenbesuchs zur Wiedereröffnung der nordkoreanischen Botschaft.
Südkoreanische Experten teilten am Donnerstag mit, nach dem Test sei kein radioaktiver Fallout gemessen worden, so dass auch die Erkenntnisse über das im Norden eingesetzte Nuklearmaterial gering bleiben. Unmittelbar nach dem Atomversuch waren Schiffe und Flugzeuge mit hochsensiblen Messgeräten gestartet, um Proben einzusammeln. In acht zu Lande, zu Wasser und in der Luft gesammelten Proben seien aber keinerlei radioaktive Isotopen entdeckt worden, teilte die zuständige südkoreanische Behörde nun mit.
kgp/AFP/dpa
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