Sonnenscheinpolitik Südkorea erhöht Budget für nordkoreanisches Bahnnetz

Für die Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea will Seoul im kommenden Jahr mehr Geld ausgeben. Wie viel, das bleibt unter Vorbehalt. Japan wiederum warnt vor Nordkorea.

Straßenbahn in Pjöngjang
AFP

Straßenbahn in Pjöngjang


Für das kommende Jahr erhöht Südkorea sein Budget für innerkoreanische Projekte auf rund 850 Millionen Euro (1,1 Billionen Won). Das entspricht einer Steigerung um 14,3 Prozent. Unter anderem wird das Geld für die Modernisierung des nordkoreanischen Straßen- und Eisenbahnnetzes eingesetzt. Das gab das Vereinigungsministerium in Seoul bekannt.

Weitere Schritte würden jedoch laut Angaben des Ministeriums vom Fortschritt Nordkoreas atomarer Abrüstung sowie den Verhandlungen mit den USA und anderen Uno-Mitgliedsstaaten über die gegen Nordkorea verhängten Sanktionen abhängen. Die Maßnahmen sind Teil der sogenannten Sonnenscheinpolitik, also der südkoreanischen Annäherungspolitik gegenüber dem Norden.

Der Anstieg des Budgets sei dazu gedacht, die Vereinbarungen der sogenannten Panmunjom-Deklaration umzusetzen. Beim ersten innerkoreanischen Gipfeltreffen seit dem Kriegsende vor 65 Jahren am 26. April hatten sich Südkoreas Präsidenten Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un für ein "ausgewogenes Wirtschaftswachstum und gemeinsamen Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel" ausgesprochen.

Japan über Nordkorea: "Ernsthafte und unmittelbare Bedrohung"

Vor gut einer Woche brachen dann Dutzende Südkoreaner vom Küstenort Sokcho in den Norden auf, um dort ihre Verwandte zu treffen. Es war die erste Familienzusammenführung seit 2015. Noch eine Woche zuvor hatten sich die beiden Nationen auf ein weiteres Gipfeltreffen geeinigt. Diesmal soll es Ende September in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang stattfinden.

Der Atomkonflikt um Nordkorea hatte sich zuletzt beruhigt. Auf einem ebenfalls historischen Gipfel mit US-Präsident Donald Trump hatte Kim ein "festes und unerschütterliches Bekenntnis" zu einer umfassenden atomaren Abrüstung verkündet - auch wenn eine erste Bilanz Wochen später eher ernüchternd ausfiel.

US-Außenminister Mike Pompeo
REUTERS

US-Außenminister Mike Pompeo

Erst in der vergangenen Woche hatte US-Präsident Donald Trump eine geplante Reise von Außenminister Mike Pompeo nach Nordkorea abgesagt - zur Verärgerung Pjöngjangs. Zur Begründung hieß es, Trump habe Pompeo gebeten, vorerst nicht nach Pjöngjang zu reisen, weil es "keine ausreichenden Fortschritte bei der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel" gebe. Der japanische Außenminister Taro Kono wiederum kam mit Pompeo zusammen. Aus Sicht Japans stelle Nordkorea nach wie vor eine "ernsthafte und unmittelbare Bedrohung" dar, hieß es.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde Kang Kyung Wha als japanischer Außenminister bezeichnet. Kang ist allerdings der südkoreanische Außenminister. Der Name seines japanischen Amtskollegen lautet Taro Kono.

aev/dpa/AFP

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fra-in-dland 28.08.2018
1. Frage
Ich bin mir in Ihrem Artikel nicht ganz sicher ob der japanische Außenminister tatsächlich den Namen trägt, da mir der Name einmal Koreanisch erscheint und mir eine kurze Internetsuche einen anderen Namen aufzeigt - - - - - Danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. MfG Redaktion Forum
thiak 28.08.2018
2.
Ich mag Japan wirklich, aber wer sich die Geschichte ansieht, wird schnell feststellen, dass Gewalt und Brutalität ungeheuren Ausmasses nur von einer Seite ausging, die das zudem bis heute nicht anerkennt und Wiedergutmachung ablehnt. Ich sehe Japan in Bringepflicht für die Vergangenheit und bin überzeugt, dass sich damit die Zukunft besser gestalten liesse.
pragmat 28.08.2018
3. Imperialmacht Japan
Dass die alte Imperialmacht Japan vor der Annäherung zu Nordkorea warnt, sollte niemanden wundern. Auch in Japan gibt es Extrem-Rechte, die unter dem Herrn Abe schon lange Morgenluft wittern und an ihrem neuen/alten Imperium arbeiten. Diesen Herrschaften ist die Politik der Trump-Administration ein Dorn im Auge, weil sie ihre Vormachtstellung zum Beispiel über Korea gefährdet sehen. Solche Leute haben über Korea unsägliches Leid gebracht und möchten ihre Schandtaten vergessen machen. Wer geglaubt hat, der japanische Imperialismus und Militarismus sei mit der Niederlage im 2. Weltkrieg ausgerottet worden, wird jetzt eines andern belehrt. Die alten Bundsverwandten sind auch schon wieder am Werk und helfen den Unbelehrbaren.
SanchosPanza 28.08.2018
4. Japan
Das japanische Kaiserreich hat sich in Korea und China ungeheurer Grausamkeiten und Zerstörungen schuldig gemacht, für die bis heute keine Entschuldigung und keine Entschädigungen erfolgt sind. Die koreanischen Zwangsprostituierten für die japanische Soldateska sind nur ein besonders abstoßender, aber kleiner Teil dieser Geschichte. Aus möglichen, japanischen Reparationen könnte man Nordkorea modernisieren und wieder aufbauen. Ansonsten gebührt Japan ein wenig Zurückhaltung in dieser aktuell erfreulichen Entwicklung.
Beat Adler 28.08.2018
5. Wieviele japanische Atomwaffen bedrohen die Welt?
Zitat von pragmatDass die alte Imperialmacht Japan vor der Annäherung zu Nordkorea warnt, sollte niemanden wundern. Auch in Japan gibt es Extrem-Rechte, die unter dem Herrn Abe schon lange Morgenluft wittern und an ihrem neuen/alten Imperium arbeiten. Diesen Herrschaften ist die Politik der Trump-Administration ein Dorn im Auge, weil sie ihre Vormachtstellung zum Beispiel über Korea gefährdet sehen. Solche Leute haben über Korea unsägliches Leid gebracht und möchten ihre Schandtaten vergessen machen. Wer geglaubt hat, der japanische Imperialismus und Militarismus sei mit der Niederlage im 2. Weltkrieg ausgerottet worden, wird jetzt eines andern belehrt. Die alten Bundsverwandten sind auch schon wieder am Werk und helfen den Unbelehrbaren.
Wieviele japanische Atomwaffen bedrohen die Welt? Anders gefragt: Warum haben die Einwohner Japans keine Angst vor US-amerikanischen, russischen, chinesischen, indischen, pakistanischen und israelischen Atomwaffen aber vor Nordkoreanischen? Sollte sich Nordkorea dauerhaft mit Atomwaffen ausruesten, dann ruesten Suedkorea und Japan mit eigenen Atomwaffen nach. Das begeistert niemand! Besonders China ist erfreut darueber! :-( Dass Trump gegen China, die Einzigen, die Nordkorea beherrschen, den Handelskrieg vom Zaun bricht, hilft ganz bestimmt im Fall der Atomwaffenabruestung in Nordkorea! Was Suedkorea versteht, ist die Wirkung von softpower. Wer in Nordkorea investiert, bezahlt, befiehlt auch. Dieser Weg ist weiter zu gehen. mfG Beat
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