Südkoreas Ex-Präsidentin "Park muss hart bestraft werden"

Die juristische Aufarbeitung des Korruptionsskandals um Südkoreas Ex-Präsidentin hat begonnen. Zum Prozessauftakt wies Park Geun Hye die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft von sich. Ihr droht lebenslange Haft.

Park Geun Hye auf dem Weg zum Gericht
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Park Geun Hye auf dem Weg zum Gericht

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503: Die Nummer prangte an dem dunkelblauen Hosenanzug, in dem Südkoreas Ex-Präsidentin Park Geun Hye am Dienstag (Ortszeit) das Gerichtsgebäude in Seoul betrat. Es ist ihre Häftlingsnummer.

Park ist das dritte Staatsoberhaupt in der Geschichte des asiatischen Landes, das sich juristisch verantworten muss. Über Monate hatte der Skandal um die Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung Hee das Land erschüttert - und politisch gelähmt. Seit Dezember konnte die Präsidentin ihr Amt wegen der Korruptionsvorwürfe nicht mehr ausüben. Gleichzeitig eskalierte der Konflikt mit dem Nachbarn im Norden.

Mittlerweile ist Park offiziell ihres Amtes enthoben, die Südkoreaner wählten Anfang des Monats den Linksliberalen Moon Jae zu ihrem Nachfolger. Er steht nun vor gewaltigen Aufgaben. Das Gericht, das sich nun der rechtlichen Aufarbeitung der jüngsten Geschichte Südkoreas widmen muss, ebenso.

Die Staatsanwaltschaft wirft Park Bestechlichkeit, Nötigung, Amtsmissbrauch und Verletzung von Staatsgeheimnissen vor, insgesamt umfasst die Anklage 18 Punkte. So soll Park südkoreanische Unternehmen wie Hyundai und Posco unter Druck gesetzt haben, insgesamt 77,4 Milliarden Won (etwa 64 Millionen Euro) an zwei Stiftungen ihrer Jugendfreundin, Choi Soon Si, zu spenden, die sich damit vor allem persönlich bereichert haben soll.

Beim Prozessauftakt wiesen beide Frauen, gegen die gemeinsam verhandelt wird, die Vorwürfe von sich. Park schloss sich den Ausführungen ihres Anwalts, wonach sie sich keiner Straftat schuldig gemacht habe, auf Nachfrage der Richter an. "Ich teile die Position meiner Anwälte" sagte sie. Zu einem späteren Zeitpunkt wolle sie mehr dazu sagen. Ihre langjährige Vertraute Choi sagte nach Angaben von lokalen Medien unter Tränen: "Ich hoffe, dass dieser Prozess Präsidentin Park von allen Anschuldigungen befreit und sie als Staatsoberhaupt in Erinnerung bleibt, die ihr Leben vollständig ihrem Land gewidmet hat. "

Dieser Wunsch dürfte, unabhängig vom Urteil der Richter, nicht erfüllt werden. Millionen Menschen demonstrierten seit Aufkommen der Korruptionsvorwürfe gegen Park in der südkoreanischen Hauptstadt. Die Bilder der Proteste gingen um die Welt, ebenso die halbherzigen Entschuldigungen der Staatschefin. Der Skandal führte zu Dutzenden Festnahmen, darunter Minister und Berater der Präsidentin, aber auch der Samsung-Erbe Lee Jae Yong. Er soll Park und Choi für unternehmerische Vorteile geschmiert haben und steht in einem separaten Verfahren ebenfalls vor Gericht.

"Ich habe keinen Beruf"

Noch immer berichten die lokalen Medien intensiv über den Fall, doch Park soll es seit ihrer Festnahme im März vermeiden, Nachrichten im Fernsehen zu sehen oder Zeitung zu lesen. Stattdessen studiert sie laut lokalen Medien in ihrer Zelle ein englisches Wörterbuch. Auf die Frage des Richters, welchen Beruf die Angeklagte ausübe, sagte Park am Dienstag: "Ich habe keinen Beruf."

Die wenigen Plätze in dem Gerichtssaal waren zuvor verlost worden, so groß war der Andrang darum. "Ich bin hier, um einem neuen Kapitel unserer Geschichte beizuwohnen", sagte ein Zuschauer laut der Nachrichtenagentur AP. "Ich denke, Park muss hart bestraft werden, damit so etwas nie wieder passiert." Korruption kann in Südkorea mit einer lebenslangen Haftstrafe geahndet werden.

Vor dem Gebäude versammelten sich hingegen etwa 150 Anhänger der Ex-Präsidentin, die ihren Freispruch forderten. Die erste Sitzung endete den Berichten zufolge nach etwa drei Stunden, der nächste Gerichtstermin wurde für diesen Donnerstag anberaumt. Der Prozess dürfte sich über mehrere Monate hinziehen.

Mit Material von AP

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Miere 24.05.2017
1. Ich gehe mal davon aus, dass an den Vorwürfen was dran ist.
Aber davon unabhängig und im direkten Vergleich auch mit Frau Roussef in Brasilien frage ich mich doch, ob die Wellen genauso hoch schlagen würden, wenn ein Mann das gleiche gemacht hätte.
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