Vor Gipfeltreffen mit Nordkorea Japan und Südkorea streiten - über ein Dessert

Japan und Südkorea vertreten gegenüber Nordkorea eine gemeinsame Linie. Vor dem gesamtkoreanischen Gipfeltreffen gibt es aber Streit: Tokio beschwert sich über den geplanten Nachtisch.

Japans Premierminister Shinzo Abe
AP

Japans Premierminister Shinzo Abe


Es wird ein historischer Moment sein, wenn sich Kim Jong Un und Moon Jae In am Freitag zum dritten gesamtkoreanischen Gipfeltreffen seit Ende des Koreakrieges (1950-1953) treffen. Im Konflikt um das Nuklearprogramm Nordkoreas wird die Welt aufmerksam auf den koreanischen Grenzort Panmunjom schauen. Japan äußert sich schon im Vorfeld des Treffens - und fordert eine Änderung des geplanten Desserts.

Nach dem gemeinsamen Abendessen will Südkorea ein Mangomus servieren. Darauf ist eine Karte der koreanischen Halbinsel abgebildet, inklusive einiger Inseln, die sowohl Korea als auch Japan für sich beanspruchen. Es ist ein wiederkehrendes Streitthema zwischen den Nationen.

Die Inseln sind in Japan als Takeshima bekannt, in Korea als Dokdo. Sie liegen etwa auf der Hälfte der Strecke zwischen den ostasiatischen Nachbarn. "Es ist extrem bedauernswert", sagte eine Sprecherin des japanischen Außenministeriums zu der Auswahl des Designs: "Wir haben gefordert, dass der Nachtisch nicht serviert wird."

Zuletzt war es in diesem Jahr rund um die Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang bei dem Thema zum Streit gekommen. Japan hatte sich damals über eine Flagge beschwert, die Fans bei einem Spiel der gesamtkoreanischen Eishockeymannschaft der Damen schwenkten. Diese hatte ein ähnliches Design gezeigt wie nun der Nachtisch.

Einigkeit in der Linie gegen Nordkorea

Die Beziehungen zwischen den beiden Koreas und Japan sind schon lange geprägt von territorialen Auseinandersetzungen - und vom Groll über die japanische Kolonialisierung der koreanischen Halbinsel in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.

In der Vergangenheit hat sich Japan auch über Statuen beschwert, die koreanischen Frauen und Mädchen gedachten, die während des Zweiten Weltkrieges gezwungen waren, in japanischen Bordellen zu arbeiten. Laut Seoul steht immer noch eine Entschuldigung Japans für dessen Kriegshandlungen aus.

Im Nordkorea-Konflikt zeigten sich Moon und der japanische Premier Shinzo Abe allerdings geschlossen. Sie wollen gemeinsam Druck auf Kim ausüben, damit Nordkorea sein Nuklearwaffenprogramm vollständig beendet. Aktuell sind die Atom- und Raketentests ausgesetzt. Dem Treffen zwischen Moon und Kim soll im Mai oder im Juni noch ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator folgen. Auch deshalb sind die Töne aus Washington zuletzt deutlich versöhnlicher geworden.

aev/Reuters



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