Südkoreas Präsident "Es wird keinen Krieg mehr geben"

Südkoreas Präsident Moon Jae In ist zuversichtlich, dass der Konflikt mit Nordkorea diplomatisch beendet werden kann. Auch Donald Trumps Chefstratege Steve Bannon hält eine militärische Lösung für ausgeschlossen.

Moon Jae In
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Es sind versöhnlichere Worte in dem zuletzt stark aufgeladenen Konflikt: Südkorea hat angekündigt, unter Umständen diplomatische Vertreter in das Nachbarland im Norden zu schicken, um Gespräche mit dem Regime in Pjöngjang zu führen. Voraussetzung sei allerdings, dass Nordkorea weitere Provokationen stoppe. Das sagte Südkoreas Präsident Moon Jae In während einer Pressekonferenz.

"Ich kann mit Überzeugung sagen: Es wird auf der koreanischen Halbinsel keinen Krieg mehr geben." Moon sagte, ein Dialog mit Nordkorea sei realistisch, wenn das Regime seine Raketen- und Atomtests einstelle. Sollte es damit jedoch fortfahren, drohten zusätzliche Sanktionen, die das verarmte Land nicht aushalten würde, sagte Moon.

Falls Nordkorea die Entwicklung von Interkontinentalraketen vervollständigen und diese mit Atomsprengköpfen einsatzbereit machen sollte, würde er das als Grenzüberschreitung ansehen, sagte Moon. "Nordkorea nähert sich der roten Linie."

Zuvor hatte Uno-Generalsekretär António Guterres gesagt, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel seien so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht. Es sei wichtig, "die Rhetorik herunterzufahren und die Diplomatie hochzufahren".

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Streit mit Nordkorea: Ein Konflikt - viele mischen mit

Eskaliert war die Situation aufgrund der anhaltenden Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Der Amerikaner drohte mit "Feuer und Wut", der Nordkoreaner prüfte Pläne seines Militärs für einen Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam. Zuletzt hatte der Droh-Ton allerdings etwas nachgelassen.

In einem seltenen Interview äußerte sich nun auch Trumps umstrittener Chefstratege Steve Bannon zu dem Konflikt. Es gebe keine militärische Lösung für den Konflikt mit Nordkorea, sagte er dem "American Prospect", "vergessen Sie es". Zehn Millionen Menschen in Seoul würden in den ersten 30 Minuten nach einem Angriff sterben - und bis jemand diesen Teil der Gleichung aufgelöst habe, gebe es keine militärische Lösung.

Trump selbst hatte am Mittwoch Kim dafür gelobt, dass ein Angriff auf Guam zurzeit nicht geplant ist. Das sei eine "weise Entscheidung".

Moon sagte während der Pressekonferenz, Trump hätte versprochen, vor einem Vorgehen gegen Nordkorea die Zustimmung der Regierung in Seoul einzuholen. Er sei sicher, dass die USA auch mit Südkorea sprechen würden, bevor sie eine Militäraktion außerhalb der koreanischen Halbinsel starteten, die sich auf die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea auswirken könne.

aar/AP/dpa/Reuters

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lotharius 17.08.2017
1. Wer provoziert
Es ist doch nicht Nordkorea, das provoziert, sondern das durch die USA angestiftete Südkorea. Völlig unlogisch, dass ein kleines Land sich die USA zum Feind machen würde. Aber die USA mit ihrem unbändigen Kommunismushass brauchen die "Schurkenstaaten".
YourSoul Yoga 17.08.2017
2. Die Lösung des Problems liegt in Peking
Natürlich ist die Lösung eine diplomatische, bei einem Krieg ( der ja einzig und alleine auf koreanischem Boden stattfinden würde ) hat niemand etwas. Ich kann mir vorstellen wie hinter der Bühne geschachert wird. China ist hier in einer starken Position, und der Preis damit Peking Nordkorea fallen lässt, wird sicherlich hoch sein, z.B. die komplette Kontrolle über das Südchinesische Meer. Eine Wiedervereinigung Nord-Südkorea kann Südkorea finanziell kaum stemmen, die Belastungen wären enorm. Auch hier stünde China sicherlich bereit, das neue Korea durch Investitionen eng an sich zu binden. Am Ende heißt es dann: Spiel, Satz und Sieg: China
round_robin 17.08.2017
3. Wie mag der 3. WK ausbrechen?
Man muss gewappnet sein für den Fall, dass die Amis ihre Übungen wie jedes Jahr abhalten, was Kim ärgert. Kim will zurückärgern und just zu diesem Zeitpunkt einen neuen Raketentest durchführen. Um das Ganze spannender zu machen, soll diese dann über dem Übungsgebiet hinwegfliegen. Entweder schießen die Amis diese Rakete dann ab, was Kim als Provokation und Kriegserklärung auffasst, oder die Rakete soll dort einfach ins Meer fallen und trifft dabei - eher zufällig als gewollt - ein Schiff der USA. Das wird als gezielter Angriff gewertet und Kim kriegt ein paar schöne Grüße von den U-Booten aus diesem Seegebiet. Natürlich ist es gut, jetzt mit vereinten Kräften eine politische Deeskalation und Lösungsfindung einzuleiten. Ich hoffe auch, dass es gelingen möge, rechne aber mit dem Schlimmsten.
grumpy53 17.08.2017
4. im Grundsatz gut zu hören
... doch leider ist gerade der amerikanische Präsident vor allem dafür bekannt, innerhalb 24 Stunden eine völlig gegensätzliche Meinung in die Welt zu blasen. Und nur aufgrund solcher Äußerungen zu glauben, die Welt wäre einen Millimeter weiter von der Sorge über weiteres Säbelrassel entfernt, wäre naiv. Da, wo es um Machtgehabe, Ablenkung von anderen politischen Baustellen, Geldgier, Geltungssucht und mangelnde Moral geht, ist Diplomatie noch schwieriger als als ohnehin. Dass man mal interessiert auf einen Steve Bannon hört, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob man am Rande eines militärischen Einsatzes steht, der der Auslöser für Atomangriffe und einen Weltkonflikt sein könnte, hätte ich mir nie träumen lassen. Bleibt eh nix anderes als abzuwarten, was dieser Bruchpilot Trump morgen wieder anstellt.
warlock2 17.08.2017
5. Gehirnwäsche?
Bis jetzt hat sich Kim nicht einschüchtern lassen. Warum sollte er sich ändern? Hier ist wohl eher der Wunsch der Vater des gesagten, oder die Angst.
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