Einladung von Kim Jong Un Südkoreas Präsident sieht Zeit nicht reif für Gipfel mit Nordkorea

Eine Woche lang wurde spekuliert, wie Südkoreas Präsident Moon mit der Einladung nach Pjöngjang umgehen wird. Jetzt macht er klar: Erst muss Nordkorea mit den USA ins Gespräch kommen.

Südkoreas Präsident Moon Jae In
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Südkoreas Präsident Moon Jae In


Südkoreas Präsident Moon Jae In sieht die Zeit noch nicht reif für ein Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Erst müsse es Gespräche zwischen den USA und Nordkorea geben, sagte Moon nach Angaben des Präsidialamts bei einem Besuch im Medienzentrum für die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang. Nordkorea zeigt aber kein Interesse, bald mit den USA in einen Dialog einzutreten.

Bei ihrem historischen Besuch zu Beginn der Spiele vor einer Woche hatte Kim Yo Jong, die einflussreiche Schwester von Kim Jong Un, die Einladung überbracht. Bei seinen Gesprächen mit der ranghohen Olympia-Delegation aus Pjöngjang hatte Südkoreas Präsident aber schon darauf verwiesen, dass für einen solchen Besuch die richtigen Bedingungen geschaffen werden müssten.

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Es sei zu früh, um darüber zu diskutieren, ob und wann er die Einladung in die nordkoreanische Hauptstadt annehmen werde, sagte Moon auf Fragen von Journalisten. "Wir warten darauf, dass der anhaltende Dialog zwischen Südkorea und dem Norden zu Gesprächen zwischen den USA und Nordkorea sowie zur Denuklearisierung führt." Washington und Pjöngjang könnten auch anfangen, die Notwendigkeit für Gespräche zu sehen.

Nordkorea ist nach einem Kommentar des Parteiorgans "Rodong Sinmun" aber "nicht erpicht" darauf, Gespräche mit den USA aufzunehmen. Hingegen könnten die USA "mit der Zeit ungeduldig werden". Der Autor kritisierte nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap auch den amerikanischen Vizepräsidenten Mike Pence, sich abweisend gegenüber der Delegation mit der Kim-Schwester und dem protokollarischen Staatsoberhaupt Kim Jong Nam verhalten zu haben.

Pjöngjangs Verärgerung über Pence

Pence war am Eröffnungstag einem Abendessen an einem Tisch mit den nordkoreanischen Gästen und Gastgeber Moon demonstrativ ferngeblieben und hatte auch sonst jeden Kontakt gemieden. Der US-Vizepräsident "hat sich nicht getraut, unsere ranghohe Delegation anzuschauen", schrieb jetzt der Kommentator des Parteiblatts. Allerdings hatte Nordkorea auch schon vorher betont, nicht zu Gesprächen mit der amerikanischen Seite am Rande der Spiele bereit zu sein.

Nach der Abreise hatte Pence erklärt, die USA seien zu direkten Gesprächen mit Nordkorea bereit. Er stellte keine Vorbedingungen, schloss aber eine Abmilderung der Sanktionen für eine Aufnahme der Gespräche aus. Mit Südkoreas Präsidenten hatte er sich nach eigenen Angaben in Seoul darauf geeinigt, eine Strategie des "maximalen Drucks und des Dialogs zur gleichen Zeit" zu verfolgen.

Nordkorea hatte am ersten Wochenende der Winterspiele mit einer Charmeoffensive Zeichen der Versöhnung gesetzt. Zusätzlich hatte Kim Jong Un eine Truppe von 229 Cheerleadern zu den Winterspielen geschickt und das 137-köpfige Samjiyon-Orchester, das in der Nähe Pyeongchangs und in Seoul auftreten durfte. Hinzu kommen ein Taekwondo-Demonstrationsteam mit 32 Teilnehmern und weitere Künstler - zusammen mit den Sportlern, Journalisten und Mitarbeitern kamen damit 569 Vertreter des Regimes nach Südkorea, Politiker nicht eingerechnet.

oka/dpa

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