Südkoreas Präsidentin: Kims Gegnerin auf Tauchstation

Aus Seoul berichtet Heike Sonnberger

Südkoreas Präsidentin Park: Verschlossene Generalstochter Fotos
AP

Sie will Diktator Kim Jong Un Paroli bieten. Doch fällt Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye das offenbar schwer. Sie hält sich im Hintergrund. Viele zweifeln an der Durchsetzungsfähigkeit der verschlossenen Generalstochter.

Als sie Ende Februar vor 70.000 Menschen in Seoul ihren Amtseid leistete, wählte Park Geun Hye deutliche Worte für Kim Jong Un, ihren Gegenspieler in Nordkorea. "Ich werde keine Aktionen tolerieren, die das Leben unseres Volkes oder die Sicherheit unserer Nation bedrohen", versprach die 61-Jährige, die die erste Staatschefin von Südkorea ist. Nordkorea solle endlich aufhören, seine Energie an Raketen und Atomwaffen zu verschwenden. Das Land werde sonst das erste Opfer seiner eigenen verfehlten Politik.

Danach tauchte die Präsidentin jedoch wieder ab, wie sie es öfter schon getan hat in ihrer politischen Laufbahn. Lediglich in der vergangenen Woche bot sie Kim erneut Paroli: Sie kündigte eine rasche militärische Aktion an, falls Nordkorea seine Provokationen fortsetze.

"Es fühlt sich an, als würde sie sich verstecken", sagt Oh Ji Eun, 25, Personalberaterin in einer schwedischen Firma in Seoul, über Park. Sie ist enttäuscht von der Politikerin der konservativen Saenuri-Partei (Neue-Welt-Partei), die sich bei den letzten Wahlen nur knapp gegen ihren liberalen Rivalen durchsetzte. "Ich weiß nicht, was sie seither schon angepackt hat", sagt Oh.

Der Name des Vaters ist Segen und Fluch

Park habe seit ihrer Antrittsrede erst eine offizielle Abendveranstaltung besucht, krittelte die "Korean Times" am Wochenende. Es zieme sich nicht für eine Regierungschefin, die meiste Zeit allein im Präsidentenpalast zu sitzen. "Eine Präsidentin muss Menschen treffen, um herauszufinden, was sie denken", zitiert das Blatt den Politikprofessor Shin Yul aus Seoul. Wenn sie weiterhin Chancen vergebe, mit Leuten zu sprechen, bekomme sie nicht mit, was um sie herum geschehe.

Die Präsidentin galt allerdings noch nie als besonders volksnah. Sie wuchs auf im Blauen Haus, der traditionellen Residenz des Staatspräsidenten in Seoul, in der sie auch jetzt wieder lebt und arbeitet. Ihr Vater war Park Chung Hee, er regierte das Land von 1961 bis 1979 - und sein Name ist zugleich ein Segen und ein Fluch für die Tochter. Manche Koreaner verehren Vater Park für sein Charisma und den rasanten Wirtschaftsaufschwung, den er anschob. Anderen ist er als Autokrat verhasst, der sich mit Hilfe des Militärs an die Macht putschte und politische Gegner verfolgte.

"Ich schäme mich dafür, dass nun die Tochter eines Diktators an der Macht ist", sagt Yoo Sang Ho, 37, Reisejournalist aus Seoul. Park führe einfach die Ideologie des Kalten Kriegs weiter, ihr fehle eine eigene Vision. "Sie sitzt seit 15 Jahren im Parlament, und ich habe noch nicht gemerkt, dass sie etwas für unser Land getan hätte."

Alleinstehend und kinderlos

Park beruft sich in ihrer Politik gern auf den positiven Teil ihres väterlichen Erbes. Sie versprach ihrem Volk im Februar mehrmals eindringlich, während ihrer fünfjährigen Amtszeit ein "zweites Wunder vom Han-Fluss" - also einen zweiten Wirtschaftsboom - einzuleiten. Wie das gehen soll, führte sie allerdings nicht konkret aus. Sie wolle eine "kreative Wirtschaft" schaffen, in der "Kultur, Forschung, Technologie und Industrie verschmelzen und die Kreativität erblühen" würden, lautete einer der vielen Floskeln in ihrer ersten Präsidentenrede.

Vielleicht ist Park auch so zurückhaltend, weil die Politik ihr viel Leid gebracht hat. Ein nordkoreanischer Agent ermordete 1974 ihre Mutter. Park erfüllte danach die Aufgaben der Präsidentengattin - bis ihr Vater fünf Jahre später vom eigenen Geheimdienstchef erschossen wurde. Auf der Wange trägt Park eine Narbe, seit ein wütender Staatsbürger sie im Wahlkampf 2006 mit einem Messer angriff.

Dass Park trotzdem so viel Zeit und Kraft in die Politik steckt, bringt ihr in der konservativen koreanischen Gesellschaft nicht unbedingt Bonuspunkte ein. "Sie ist mir etwas suspekt, weil sie nicht verheiratet ist und keine Kinder hat", sagt Personalberaterin Oh. Und Reisejournalist Yoo glaubt: "Sie muss wirklich einsam sein."

Eines von Parks Vorbildern soll die britische Königin Elizabeth I. aus dem 16. Jahrhundert sein - ebenfalls unverheiratet und kinderlos. Wenn deren Nachfolgerin Elizabeth II. allerdings in ihrem Schloss in Windsor residiert, wird ihre Flagge gehisst. Das kann sich Park Geun Hye im Blauen Haus nicht erlauben. "Es ist ein Geheimnis, ob sie zu Hause ist oder nicht", sagt eine junge Polizistin, die mit weiteren Wachleuten vor dem Anwesen mit dem grünblauen, geschwungenen Dach postiert ist. Die Grenze zu Nordkorea liegt nur eine Autostunde entfernt.

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Was wäre die Alternative?
robin-masters 09.04.2013
soll sie etwa genauso mit den Säbeln rasseln wie ihr Nordkoreanischer Konterpart? Ich glaube das würde den Krieg stark fördern, vielleicht ist hier die Merkel Methode richtig und man sagt einfach gar nichts... und macht dann irgendwann die Mehrheitsmeinung zu seiner eigenen. ^^ Realistisch gesehen kann sie nicht viel tun... ausser das was sie schon gesagt hat.
2. Versteckt? Nein, abgetaucht für wichtigere Aufgaben!
monolithos 09.04.2013
Naja, vielleicht versteckt sie sich gar nicht. Angesichts der markigen Worte aus Nordkorea und einem drohenden Atomwaffenkonflikt hält sie es für klüger, sich über die im Süden getroffenen Vorbereitungen für Gegenmaßnahmen auszuschweigen. Soll sie etwa auf Kims Niveau zurückbellen? Nein, Ignorieren und Nichtkommentieren dürfte ihn im Moment am meisten einschüchtern. Zu geeigneter Zeit wird die Welt erfahren, was Frau Park so gemacht hat in diesen Tagen. Oder hoffentlich auch nicht.
3.
publizzard 09.04.2013
Im Gegensatz zu manch anderem Politiker regiert man nicht im Fernsehen ein Land. Und große Töne schlagen wie Nordkorea es tut, hilft sicher auch nicht.
4.
sozialminister 09.04.2013
Wenn man solche Berichte liest könnte man meinen, daß wir im Westen unbedingt wieder Krieg wollen. Ich denke in Südkorea hat man in den letzten 60 Jahren bessere Erfahrungen gesammelt, wie man mit dem Regime im Norden umgeht. Aber wir wissen natürlich wieder alles besser...
5. Manche Leute müssen arbeiten anstatt hole Reden zu halten
DonCarlos 09.04.2013
Sie hat gesagt, was gesagt werden musste. Warum sollte sie bei diesem lächerlichem Spiel mitmachen? Sie würde damit nur zeigen, dass sie Kim jung ernst nimmt. Sie ist die Tochter eines Diktators? Ja, und? Sippenhaft ist doch auch bei uns schon lange abgeschaft worden.
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