Südlibanon Heftige Schlacht um Hisbollah-Dorf

Neuer Vorstoß der israelischen Armee in den Südlibanon: Seit dem Morgen liefern sich israelische Soldaten und schiitische Kämpfer heftige Feuergefechte in der Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil. Erstmals nahm die Armee Kämpfer der Miliz gefangen.


Jerusalem - Die Kämpfe zwischen israelischen Soldaten und Hisbollah-Kämpfern fanden vor allem in der Umgebung der Ortschaft Bint Dschbeil statt, verlautete aus Militärkreisen. Der Ort gilt als Hisbollah-Hochburg. Laut israelischen TV-Berichten wurden bereits neun Soldaten verletzt. Der Onlinedienst von "Haaretz" meldete, bei den Gefechten seien neun Soldaten verwundet worden.

Auf der israelischen Seite der Grenze standen in Avivim mehrere Krankenwagen zur Versorgung von Kampfopfern bereit, berichtete ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur. Die israelische Artillerie belegte das Kampfgebiet mit anhaltendem Feuer.

Die Soldaten werden von Jets und Hubschraubern aus der Luft unterstützt. Nach Einnahme des nahe gelegenen, strategisch wichtigen Orts Marun al-Ras am Wochenende rückte die Armee weiter vor.

Den Angaben zufolge gelang es der israelischen Armee, neun Abschussrampen der Hisbollah zu zerstören. Eine davon sei auf Haifa ausgerichtet gewesen. Die israelische Hafenstadt hatte seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen die schwersten Raketenangriffe erlitten.

In der Nacht und am frühen Morgen flog die israelische Luftwaffe zudem rund 40 Angriffe im Libanon, hieß es weiter. 9 der Luftangriffe hätten auf Raketenwerfer der Hisbollah gezielt. Zudem wurden weitere Bodentruppen nach Libanon entsandt.

Jetzt will die israelische Armee die Raketenangriffe auf Haifa mit der Zerstörung von mehrstöckigen Gebäuden in den Hisbollah-Hochburgen im Süden Beiruts vergelten. "Generalstabschef Dan Halutz hat der Luftwaffe die Anweisung erteilt, als Antwort auf jeden Raketenangriff auf Haifa zehn mehrstöckige Gebäude in den südlichen Vororten zu zerstören", sagte ein ranghoher Luftwaffenoffizier heute im israelischen Militärradio.

Nasrallah zeigt sich unbeeindruckt

Zuvor hatte die Armee in dem südlibanesischen Grenzdorf Marun al-Ras zwei Hisbollah-Kämpfer gefangen genommen. Wie die "Jerusalem Post" unter Berufung auf das Armee-Radio berichtete, handelt es sich um die ersten Gefangenen seit Beginn der Kampfhandlungen vor zwölf Tagen. Die Männer seien nach Israel gebracht worden. Israelische Truppen hatten den als strategisch wichtig geltenden Ort am Samstag nach schweren Kämpfen mit der Hisbollah-Miliz unter ihre Kontrolle gebracht.

Auch eine Invasion mit Bodentruppen wird Israel nach Worten von Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah nicht vor Raketenangriffen auf sein Territorium bewahren. Israel werde dieses Ziel nicht erreichen, sagte Nasrallah der Zeitung "As Safir". Zu den Berichten über diplomatische Bemühungen um ein Ende der Kämpfe sagte Nasrallah, Priorität müsse das Ende der israelischen Angriffe auf Libanon haben. Er sei bereit, über Initiativen zu diskutieren.

Nasrallah hält nach eigenen Worten eine deutsche Vermittlung im Konflikt zwischen seiner Miliz und Israel für möglich. In der Frage eines Austausch der zwei entführten israelischen Soldaten gegen inhaftierte Hisbollah-Kämpfer bleibe "der deutsche Kanal gültig", sagte Nasrallah weiter. Es gebe allerdings noch keine Kontakte zur deutschen Regierung, fügte er hinzu. Nasrallah erklärte sich einverstanden damit, dass die libanesische Regierung bei einer Herausgabe der Gefangenen die Verantwortung übernehme.

Die israelische Armee rechnet inzwischen nicht mit einem baldigen Ende ihres Einsatzes im Libanon. Die Offensive gegen die radikalislamische Hisbollah werde noch mehrere Wochen weitergehen, sagte der für Nordisrael zuständige General Udi Adam gestern Abend im Rundfunk. Ziel der Armee sei der "Sieg" gegen die Hisbollah. "Sieg bedeutet, dass die Hisbollah nicht mehr an der Grenze präsent ist und keine Raketen mehr abfeuern kann", sagte der General. "Wie lange das dauert? Ich denke, mehrere Wochen", fügte er hinzu.

In den Notaufnahmelagern auf Zypern wird es inzwischen jedoch eng. Am Morgen erreichten mehr als tausend Kanadier auf ihrer Flucht aus dem Libanon die Mittelmeerinsel. Im Laufe des Tages wird mit der Ankunft von 15 Schiffen mit zahlreichen weiteren Flüchtlingen gerechnet. Insgesamt gelangten bislang mehr als 30.000 Menschen aus dem Libanon nach Zypern. Ein Ende des Flüchtlingsstroms ist noch nicht abzusehen, auch wenn die USA und Großbritannien angekündigt haben, ihre Rettungsmaßnahmen herunterzufahren. Die Behörden Zyperns rechnen mit mindestens 40.000 weiteren Menschen, die auf der Insel Zuflucht suchen werden. Viele der Kanadier, die heute ankamen, bestätigten, dass immer noch zahlreiche Menschen im Libanon festsitzen.

lan/dpa/Reuters/AP

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