Südsudan Dutzende Menschen in verschlossenem Container erstickt

Im Norden Südsudans starben im Oktober offenbar rund 50 Zivilisten in einem verschlossenen Überseecontainer. Eine Friedenskommission macht Regierungssoldaten dafür verantwortlich.

Vertriebene in der südsudanesischen Hauptstadt Juba: Kein Frieden in Sicht
AP/dpa

Vertriebene in der südsudanesischen Hauptstadt Juba: Kein Frieden in Sicht


Im Bürgerkriegsland Südsudan ist der im Sommer ausgehandelte Waffenstillstand brüchig - und immer wieder werden Verbrechen der sich bekämpfenden Gruppen bekannt. Eine besonders grausame Tat wurde am Samstag der Afrikanischen Union (AU) mitgeteilt und am Sonntagabend veröffentlicht: Regierungssoldaten sollen rund 50 Menschen in einen Schiffscontainer gesperrt haben, die Gefangenen seien in der glühenden Hitze erstickt.

Zugetragen habe sich das Verbrechen an den Zivilisten bereits im Oktober im Norden des ölreichen Landes, heißt es in einem Bericht der Kommission JMEC. Sie überwacht den brüchigen Friedensschluss vom August im Südsudan. Mögliche Motive für die Handlung der Soldaten nannte der Bericht nicht.

Die Regierung wies die Anschuldigung als "vollkommen lächerlich" zurück. Der Vorfall sei ein Hirngespinst von Regierungsgegnern, sagte Ateny Wek Ateny, der Sprecher des südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir.

Grausamer Machtkampf dauert trotz Waffenstillstand weiter an

Bereits im Oktober hatte die AU eine Liste der Grausamkeiten veröffentlicht, die Konfliktparteien untereinander und an Zivilisten verübt haben sollen: Augenzeugen hatten von Mord, Folter, Vergewaltigungen, von niedergebrannten Dörfern und erzwungenem Kannibalismus berichtet.

In dem ostafrikanischen Staat tobt seit Dezember 2013 ein Machtkampf zwischen Präsident Kiir und dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar, dem Anführer oppositioneller Rebellen. Dabei spielen auch ethnische Hintergründe eine Rolle: Kiir gehört zur größten Volksgruppe im Land, den Dinka, Machar dagegen ist ein Nuer.

Als Folge der Gewalt starben im jüngsten Staat Afrikas Zehntausende Menschen, mehr als 2,2 Millionen wurden vertrieben. Mehr als 860.000 Menschen - das sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung - hungern nach Angaben von Hilfsorganisationen.

cht/dpa

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