Kriegsverbrechen im Südsudan Die Liste des Grauens

Ein Bericht der Afrikanischen Union offenbart das Ausmaß der Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg im Südsudan: Mord, Vergewaltigung - und Kannibalismus.

Flüchtlingslager im südsudanesischen Bentiu (Archiv): Gezielte Gräueltaten gegen Zivilisten
AFP

Flüchtlingslager im südsudanesischen Bentiu (Archiv): Gezielte Gräueltaten gegen Zivilisten


Die Konfliktparteien des Bürgerkriegs im Südsudan sollen ihren Opfern grausame Dinge angetan haben. Nüchtern listet ein Bericht der Afrikanischen Union (AU) die Aussagen von Augenzeugen auf: Sie berichten von Mord, Folter, Vergewaltigungen, von niedergebrannten Dörfern und erzwungenem Kannibalismus. Überlebende von Massakern in der Hauptstadt Juba gaben an, dort seien Zivilisten gezwungen worden, Blut von getöteten Opfern zu trinken oder gebratenes Menschenfleisch zu essen.

Eine Ermittlergruppe der AU unter Leitung des früheren nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo hatte den Konflikt untersucht. Sie dokumentieren Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen, die, so der Bericht, von beiden Konfliktparteien begangen wurden. Aus dem nördlichen Ort Bentiu gab es Schilderungen von Vergewaltigungen, die mit zerschmetterten oder abgeschnittenen Gliedern einhergingen. An verschiedenen Orten wurden Massengräber gefunden. Die Ermittlergruppe der AU listete zudem Fälle von Verschleppung, brutalen Schlägen und anderen Misshandlungen auf.

Der Machtkampf zwischen dem südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir und seinem langjährigen Rivalen und früheren Stellvertreter Riek Machar war im Dezember 2013 eskaliert. Verschärft wurde der Konflikt dadurch, dass die Politiker unterschiedlichen Volksgruppen angehören. Auch wenn die Auseinandersetzungen zum Teil ethnisch motiviert gewesen seien, fand die Ermittlergruppe jedoch keine Beweise für einen Genozid.

Der Bürgerkrieg hat zu einer katastrophalen humanitären Lage in dem erst seit 2011 unabhängigen Land geführt. In Folge des Konflikts wurden Zehntausende Menschen getötet, rund 2,2 Millionen Einwohner flohen vor der Gewalt. Ein Großteil der Bevölkerung ist von Hunger bedroht. Ein im August unterzeichnetes Friedensabkommen steht vor der Umsetzung, wurde in der Vergangenheit aber immer wieder gebrochen.

Es ist vermutlich kein Zufall, dass die AU ihren brisanten Bericht, der bereits 2014 erstellt wurde, erst nach dem Unterzeichnen des Friedensabkommens veröffentlicht hat. Denn der Bericht äußert sich auch zu den Ursachen des Konflikts - und widerspricht der von Präsident Kiir vertretenen Annahme, dass ein Putschversuch des Rebellen Machar der Auslöser war. Stattdessen schildert der Bericht einen Prozess zunehmend gewaltsamer politischer Spannungen zwischen den rivalisierenden Lagern, der sich über Monate hinzog.

"Die politische Lage im Südsudan ist noch immer kompliziert", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer. Daher wird der Bundeswehreinsatz im Südsudan um ein Jahr verlängert werden. Das hat das Bundeskabinett beschlossen. Am Unmiss-Einsatz im Südsudan beteiligen sich derzeit 15 Angehörige der Bundeswehr.

kop/dpa

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Atheist_Crusader 28.10.2015
1.
Nichts, aber auch gar nichts davon ist irgendwie überraschend. Wer sich ein bisschen mit den letzten Jahrzehnten afrikanischer Geschichte auseinandergesetzt hat, der erwartet solche Meldungen schon. Speziell bei einem Land, das mal Teil des Sudans war. Aber schön zu sehen, dass die Afrikanische Union ihrer Pflicht nachkommt, über all das schön Bericht zu führen - und bloß nicht einzugreifen. In puncto Wertlosigkeit rangieren sie damit knapp hinter der UN. Aber keine Sorge: es werden sich bestimmt Gründe finden, warum das Alles irgendwie die Schuld des Westens ist. Und dann ist wieder alles gut. Zwar keine Probleme gelöst, aber wenigstens den Afrikanern nicht vorgehworfen, an ihrer eigenen Misere schuld zu sein.
bertholdrosswag 28.10.2015
2. Kaum zu erwarten
Das ist eine Angelegenheit des afrikanischen Völkerbundes, sich darum zu sorgen dass diese Zustände beendet werden. Die UNO könnte und sollte das Unterstützen. Europa und die USA sind mit dem IS und unter sich selbst im Konflikt. Ob es da noch ein Wollen gibt, afrikanische Halsabschneider zu beseitigen ist kaum zu erwarten.
thoerchen 28.10.2015
3. TIA - This Is Africa!
Ganz genau! Wer sich ein bisschen mit jüngerer afrikanischer Geschichte auskennt sollte wissen, dass es seit über 60 Jahren nur um eines geht - sich mit Unterstützung der eigenen Ethnie eine Machtbasis zu schaffen, um sich die Taschen voll zu machen! Insofern ist das NICHT-Erkennen eines ethnisch bedingten Genozids Methode. Ruanda, Biafra, Katanga, um nur einige zu nennen... Aber solange sich die AU genauso gewissenhaft kümmert wie die UNO - alles wird gut! Irgendwann... Bis dahin machen wir einfach weiter wie bisher - Augen zu & daran verdienen! Natürlich unter dem Deckmäntelchen der Anteilnahme, immerhin hat man ja das grosszügige Mandat über 15! BW-Angehörige verlängert. Tatsächlich macht sich bei mir die Erkenntnis breit, das wir unsere Vorstellungen von Ethik & Moral einfach wieder einpacken und in den Schrank hängen sollten. Afrika & der Nahe Osten brauchen einfach noch ein paar hundert Jahre bis sich die durch Kolonisation künstlich entstandenen Strukturen zu tragfähigen Gesellschaften entwickelt haben.
erdmann.rs 28.10.2015
4. Afrikanische Misere
Wenn man diesen Artikel über die unvorstellbaren Gräuel im Südsudan liest, ergreift einen kaltes Grausen. Was aber sollte die Afrikanische Union, die UN oder gar "der Westen" tun? Die Erfahrung vieler Jahrzehnte hat doch leider gezeigt, dass es nicht möglich ist, ein Land von außen her zu befrieden, ihm sozusagen Demokratie "beizubringen". Das hat in aller Regel nicht mit viel Geld (Wirtschaftshilfe) funktioniert, weil dieses Geld nicht sinnvoll eingesetzt wurde, sondern meist in den Taschen der Herrschenden verschwunden ist. Noch viel weniger hat es allerdings funktioniert, wenn es mit militärischen Mitteln versucht wurde. Zudem waren danach die Länder anschließend mehr oder weniger zerstört, ohne dass ein erwünschtes Ergebnis erzielt worden ist. Es würde den Rahmen sprengen, wollte man hier alle Beispiele nennen, sie müssten ja eigentlich auch jedem bekannt sein. Auch wenn es in diesem Artikel nicht um die Flüchtlings- Frage geht, möchte ich doch einen Gedanken in diesem Zusammenhang äußern, der sich mir förmlich aufdrängt. Wenn ich Videos sehe, in denen Flüchtlinge/Zuwanderer aus dem Nahen Osten, vor allem aber auch aus den afrikanischen Ländern ihrem Unmut über "irgendetwas" Luft machen, dann erkenne ich da eine unglaubliche Aggressivität und Brutalität, die erschreckend ist. Diese Aggressivität richtet sich gegen Sachen, aber auch gegen Menschen, sowohl gegen Leidensgenossen, als auch gegen Polizei und andere Behörden. Besonders schlimm sind die Angriffe auf Menschen anderer Religion. Wer könnte dafür "garantieren", dass alle diese Männer, die als "Flüchtlinge" hierher kommen, auch wirklich welche sind? Ebenso könnten auch Täter unter ihnen sein, die an den beschriebenen Gräueltaten selbst beteiligt waren und jetzt die Rache der anderen fürchten. Es könnten auch ganz normale Kriminelle darunter sein, die in ihrem Heimatland von der Polizei gesucht werden. Irgendwann, in ein paar Jahren, wissen wir mehr dazu.
chjuma 28.10.2015
5. und was
doch gleich sollen 15 Mann der Bundeswehr dort tun? Das hab ich nicht ganz begriffen...
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