Amnesty-Bericht über Südsudan Tausende sind Vergewaltigern und Mördern hilflos ausgeliefert

Regierungstruppen und Milizen terrorisieren die Menschen im Südsudan. Ein Bericht von Amnesty International enthüllt grausame Details: Kinder und Schwangere werden vergewaltigt, hilflose Alte im Krankenhaus erschossen.

DPA

Juba - Die Bürger des Südsudans sind nirgends sicher. Selbst wer vor der Gewalt im Land in Kirchen oder Moscheen flüchtet, wer auf Uno-Gelände Schutz sucht - selbst der wird Opfer von Gewalt.

Mitarbeiter von Amnesty International dokumentieren in einem aktuellen Bericht die Grausamkeiten, denen Zivilisten ausgesetzt sind - Vertreibung und Hunger, aber auch Massenvergewaltigungen und sogar Mord. Die Täter: sowohl Regierungstruppen als auch Milizen, die gegen sie kämpfen.

"Kinder und schwangere Frauen wurden vergewaltigt und alte, hilflose Menschen in ihren Krankenhausbetten erschossen", heißt es in dem Report. Im Südsudan ereigneten sich unfassbar brutale Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

"Unvorstellbares Leid"

Amnesty-Mitarbeiter haben mit zahlreichen direkt von der Gewalt betroffenen Zivilisten über deren Erlebnisse gesprochen. Sie besuchten unter anderem die seit Monaten umkämpften Städte Bor, Bentiu und Malakal. Regierungstruppen und Milizen der Opposition wollen sich dort die Kontrolle über die Ölfelder sichern. "Unsere Experten haben an manchen dieser Orte Skelette und verwesende Leichen gefunden, die von Hunden gefressen wurden." Zudem seien Massengräber mit Hunderten Toten entdeckt worden.

Eine Frau erzählte den Amnesty-Mitarbeitern, sie sei mit 17 weiteren Frauen von Regierungssoldaten vergewaltigt worden. "Ich war im dritten Monat schwanger, aber weil so viele Männer in mich eindrangen, habe ich das Kind verloren." Sie fügte hinzu, sie sei von neun Männern missbraucht worden. "Sieben Frauen, die sich weigerten, vergewaltigt zu werden, führten die Soldaten große Holzstäbe in die Vagina ein. Sie sind alle gestorben."

Vielen bleibt nur die Flucht, in der Heimat sind sie nicht sicher - dass die Vereinten Nationen vor Ort sind, hilft ihnen nicht. Im April griffen Bewaffnete einen Uno-Stützpunkt an. Sie töteten fast 50 Zivilisten, darunter Kinder und Frauen.

Die Amnesty-Vizedirektorin für Afrika, Michelle Kagari, spricht von "unvorstellbarem Leid" der Menschen in dem erst 2011 nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg unabhängig gewordenen Land. Beide Seiten hätten die grundlegendsten Prinzipien internationalen Menschenrechts völlig missachtet.

Mehr als eine Million Menschen vertrieben

In dem ostafrikanischen Land tobt seit Mitte Dezember ein blutiger Konflikt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt sogar vor einem Völkermord "wie in Ruanda".

Auslöser war ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem ehemaligen Stellvertreter Riek Machar. Die Politiker gehören verschiedenen Volksgruppen an. Obwohl beide zugestimmt haben, in den kommenden Tagen zu direkten Friedensgesprächen in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba zu reisen, geht die Gewalt unvermindert weiter.

Amnesty International forderte, dass sich die Blauhelmsoldaten der Uno-Mission Unmiss mehr auf den Schutz von Zivilisten und Ermittlungen gegen die Verantwortlichen der Massaker konzentrieren sollten. Zudem müsse der Zugang zu humanitärer Hilfe für die Notleidenden gesichert werden.

Im Südsudan wurden bisher mehr als eine Million Menschen vertrieben. Viele haben durch die Gewalt alles verloren.

kgp/dpa

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insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
butternut 08.05.2014
1. Armutszeugnis
Zitat von sysopREUTERSRegierungstruppen und Milizen terrorisieren die Menschen im Südsudan. Ein Bericht von Amnesty International enthüllt grausame Details: Kinder und Schwangere werden vergewaltigt, hilflose Alte im Krankenhaus erschossen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/suedsudan-amnesty-berichtet-ueber-folter-und-mord-an-frauen-und-kindern-a-968161.html
Mit keinem Wort wird erwähnt, dass die Gewalt von Islamisten ausgeht.
ketzer2000 08.05.2014
2. Kein Diskussionsthema
Zitat von sysopREUTERSRegierungstruppen und Milizen terrorisieren die Menschen im Südsudan. Ein Bericht von Amnesty International enthüllt grausame Details: Kinder und Schwangere werden vergewaltigt, hilflose Alte im Krankenhaus erschossen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/suedsudan-amnesty-berichtet-ueber-folter-und-mord-an-frauen-und-kindern-a-968161.html
Nicht ein Tag vergeht, ohne dass aus irgendeinem Land in Afrika über Gewalt besonders gegen Frauen, Alte und Kinder berichtet wird. Ob es nun die Regierungstruppen, Opposition, Terroristen, Milizen oder Verbrecher wie Boko Haram sind, die diese Taten verüben, die Weltgemeinschaft kann nur zuschauen. Afrika ist der wirklich vergessene Kontinent, denn er ist nicht in der Lage, seine Probleme selbst zu regeln. Wir, aus der sogenannten zivilisierten demokratischen Welt, sind nicht in der Lage diesen Menschen zu helfen. Erfolge gibt es nur punktuell und auch diese hängen am seidenen Faden. Es ist leichter in Ländern wie Libyen, Tunesien, Agypten, Syrien, Afghanistan, Irak und Ukraine Demonstrationen und Aufstände gegen Dikatatoren zu befeueren, als in Afrika mit dem gesammelten Engagement für ein halbwegs körperlich unversehrtes Leben für die Schwächsten der Gesellschaft zu sorgen. Wo ist den jetzt das Engagement der EU und der USA, dort mit UN-Mandat für Ruhe zu sorgen. Wo sind denn die Wirtschaftsprogramme, die mit Milliarden einem Land auf die Beine helfen. Stattdessen exportieren wir Altkleider, Elektronik-Schrott und Fleischreste, die nicht nur die afrikanische Wirtschaft schädigen, sondern auch noch die Umwelt vergiften. Stattdessen schließen wir ein Freihandelsabkommen mit den USA, dass eine gemeinsame Wirtschaftszone und Wirtschaftsbarriere bildet. Afrika wir uns an der Südgrenze eher früher als später die Folgen unserer Europa zentrierten Politik zeigen.
renier101 08.05.2014
3. Die Kausalkette...
..., die zu diesen Grausamkeiten führt, kann ich nicht ad hoc konstruieren - aber wahrscheinlich ist "der Westen" dran schuld. Wie immer.
balticfishbone 08.05.2014
4. Wo sind die fleissigen Meinungsschreiber,
wenn es um solche unfassbaren Zustände geht? Sudan ist schön weit weg und bietet keine Gelegenheit, sich mit USA- oder SU-feindlichem Geschwätz oder Einschlagen auf Merkel und Co zu profilieren. Zumindest Entsetzen oder Kritik an dem mangelhaften Einsatz der UNO, was den Schutz der Schwächsten angeht, oder einfach nur Mitleid...
Pegasuska 08.05.2014
5. Heuchelei
Die ganze Heuchelei der Staaten, insbesondere des Westens, bei der "Ukrainekrise" zeigt sich doch, das Menschen, die wirklich unsere Hilfe, humanitär und militärisch, brauchen, im Stich gelassen werden. Sei es im Südsudan oder in Nigeria. Gegen das unbeschreibliche Leid der Menschen dort ist das, was in der Ukraine passiert, nicht mehr als ein aufgeschürtes Knie. Und da wundern sich die Politiker noch, dass viele Menschen ihre Falschheit und Heuchelei zum Erbrechen finden?
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