Südsudan Rebellen rekrutieren Hunderte Kindersoldaten

Militärbeobachter berichten Grausames: Eine Miliz im Südsudan hat anscheinend bis zu tausend Jugendliche verschleppt. Sie sollen als Kindersoldaten in Kämpfe getrieben werden.

Kindersoldaten im Südsudan (Archivbild): Wahllos gegriffen und verschleppt
AFP

Kindersoldaten im Südsudan (Archivbild): Wahllos gegriffen und verschleppt


An zwei Tagen im Juni sollen Rebellen im Südsudan durch die Dörfer gezogen und bis zu tausend Kinder und Jugendliche entführt haben. Das schreiben Militärbeobachter in einem Report, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Der Bericht stammt von der Entwicklungseinrichtung des ostafrikanischen Staatenbunds Igad.

Die Experten beschreiben grausame Details: Kämpfer der Schilluk-Miliz gingen demnach in den Orten Kodok und Wau Schilluk im Nordosten des Landes von Tür zu Tür. Sie fassten wahllos Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren und verschleppten sie in ein militärisches Ausbildungslager. Die brutale Aktion soll sich Anfang des vergangenen Monats ereignet haben.

Vergewaltigt, kastriert, getötet

Als Drahtzieher sieht das Staatenbündnis den örtlichen Milizenkommandeur Johnson Olony. Der ehemalige Armeegeneral wechselte im Mai ins Lager der Rebellen und ist dafür berüchtigt, in der Vergangenheit Kindersoldaten rekrutiert zu haben.

Die Vereinten Nationen hatten die Zahl der Kindersoldaten im Südsudan vergangene Woche auf mindestens 13.000 geschätzt. Das Uno-Kinderhilfswerk Unicef sprach außerdem von schlimmen Verbrechen auf beiden Seiten. Kinder wurden demnach vergewaltigt, kastriert und getötet, ihnen wurde die Kehle durchgeschnitten, und sie wurden in brennende Häuser geworfen.

Im Südsudan war im Dezember 2013 der Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem langjährigen Rivalen und früheren Stellvertreter Riek Machar eskaliert. Seitdem ist der junge, schwach entwickelte Staat in einer Spirale der Gewalt versunken.

Verschärft wurde der Konflikt dadurch, dass die Politiker unterschiedlichen Volksgruppen angehören. Schätzungen zufolge wurden Zehntausende Menschen in dem Konflikt getötet, zwei Drittel der zwölf Millionen Einwohner sind nach Uno-Angaben auf Hilfe angewiesen, 4,5 Millionen leiden unter extremem Hunger. Zwei Millionen Menschen sollen bereits geflohen sein. Mehr über globale Flüchtlingsbewegungen, ihre Gründe und Auswirkungen, lesen Sie hier.

amz/AFP/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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Georg_Alexander 25.06.2015
1. Der allererste Schritt
gegen dies Elend dort wäre: Keine Waffen zu exportieren! Außerdem alle Länder, die dies Elend weiterhin durch ihren Waffenhandel unterstützen, konsequent anprangern und sanktionieren. Aber das kann man natürlich nur dann glaubwürdig vertreten, wenn man nicht gerade wieder ein Rekordjahr des Waffenexports (s. Meldung gestern) hinter sich hat :-((
Herr B 25.06.2015
2.
Zitat von Georg_Alexandergegen dies Elend dort wäre: Keine Waffen zu exportieren! Außerdem alle Länder, die dies Elend weiterhin durch ihren Waffenhandel unterstützen, konsequent anprangern und sanktionieren. Aber das kann man natürlich nur dann glaubwürdig vertreten, wenn man nicht gerade wieder ein Rekordjahr des Waffenexports (s. Meldung gestern) hinter sich hat :-((
Waffenlieferungen ändern nichts an Konflikten. Der Völkermord in Ruanda wurde mit Macheten, also dem gewöhnlichem Werkzeug eines Bauern, durchgeführt. Es ist illusorisch zu glauben, dass sich hochkomplexe Zusammenhänge auf so simple Formeln reduzieren lassen.
Georg_Alexander 25.06.2015
3. Hochkomplex?
Zitat von Herr BWaffenlieferungen ändern nichts an Konflikten. Der Völkermord in Ruanda wurde mit Macheten, also dem gewöhnlichem Werkzeug eines Bauern, durchgeführt. Es ist illusorisch zu glauben, dass sich hochkomplexe Zusammenhänge auf so simple Formeln reduzieren lassen.
Verstehe, dann wenigstens dran verdienen. Wo bleibt die Moral? Im Übrigen ist ein Aufeinandereinschlagen mit Hacken und Macheten deutlich fairer als automatsiche Kriegswaffen, die dort ganz sicher nicht hergestellt werden, gegen Mistgabeln.
vox veritas 25.06.2015
4.
Wo sind die Lichterketten und Solidaritätsbekundungen? Ernsthaft: Warum rührt das niemanden hierzulande und warum fordert keiner ein Eingreifen?
sebastian.teichert 25.06.2015
5. Lächerlich
Zu behaupten es liege an den Waffen. Die sind eben so primitiv, die würden sich mit Fäusten tot schlagen! Da hilft nur intervenieren und die Treiber dieser Konflikte zu hängen, oder ne Mauer drum bauen und warten bis einer gewonnen hat. Momentan sieht es nach letzterem aus...
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