Krieg im Südsudan Die Villen der Warlords

Im Südsudan tobt ein Dauerkrieg, die Spitzen des Staates füllen sich die Taschen mithilfe ausländischer Firmen. Ein Bericht, finanziert von George Clooney, enthüllt, wie skrupellos die Profiteure vorgehen.

Sentry Report

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Der Bürgerkrieg im Südsudan ist an Grausamkeit kaum zu überbieten: Menschen werden in Frachtcontainer gesperrt und zum Sterben in die sengende Sonne gestellt. Plünderungen, Vergewaltigungen und Vernichtung von Wohnhäusern sind Mittel des Krieges. Und für 5,2 Millionen Menschen - also für jeden zweiten Südsudanesen - ist Hunger eine lebensbedrohliche Gefahr, warnt die Uno.

Verantwortlich für die Gewalt sind Warlords, die es bis in höchste Staatsämter geschafft haben. Präsident Salva Kiir und seine Clique, aber auch Kiirs Widersacher Riek Machar befeuern den Konflikt in ihrem Land nicht nur - sie bereichern sich daran, wie ein aktueller Report enthüllt.

Er zeigt, wie gut die mutmaßlichen Kriegsverbrecher offenbar an dem fortwährenden Chaos im Land verdienen. Und er belegt, dass mit dem Beginn des Krieges 2013 wirtschaftlich fette Jahre für die Herrscherclique aus Politikern und Militärs begannen.

Beruf? "Präsidentensohn"

Der Bericht "Kriegsverbrechen sollten sich nicht lohnen" (hier als PDF, englisch) stammt von dem Sentry-Projekt, das vom Hollywoodschauspieler George Clooney und dem Menschenrechtsaktivisten John Prendergast finanziert wurde. Zwei Jahre schrieb ein Autorenteam, das aus Sicherheitsgründen anonym bleibt, daran. Es listet auf, wo die Mächtigen ihre mondänen Häuser im Ausland haben und wie sie und ihre Angehörigen das Land ausplündern.

AP

Im Zentrum des 65-seitigen Berichts steht der Präsident. Salva Kiir war früher Warlord im sudanesischen Bürgerkrieg, seit der Unabhängigkeit des Südsudan 2011 ist er Staatschef. In der spärlich bewachsenen Savanne westlich der Hauptstadt Juba hat Kiir eine noble Ranch. 2013, als der Bürgerkrieg mit der Entlassung des Vize-Präsidenten Machar begann, standen dort ein paar Hütten. Heute ist hier ein umzäuntes Anwesen, erbaut in einer Zeit, in der im ganzen Land Häuser systematisch von Kiirs Truppen geplündert und niedergebrannt wurden.

Laut Sentry-Bericht ist die gesamte Kiir-Familie wirtschaftlich sehr aktiv: First Lady Mary Ayen Mayardit hält Anteile an einer südsudanesischen Baufirma und sitzt im Vorstand eines Mobilfunkunternehmens. Drei Söhne Kiirs, der jüngste gerade zwölf Jahre alt, halten oder hielten Anteile in der Ölindustrie, in Logistik- und Baufirmen. In den Firmenunterlagen hinterlegt sind auch die Pässe der Kiir-Sprößlinge. Die Eintragung im Feld "Beruf" lautet "Präsidentensohn".

Kiirs Familie lebt laut Sentry-Bericht in einer der teuersten Wohngegenden Ostafrikas: Die Rechercheure besuchten das Nobelviertel Lavington in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, wo die Familie eine Villa bewohnt. Mehrere Gesprächspartner gaben an, dass das Anwesen Kiir gehört. Ein Register der Häuser in der Gegend weist das Grundstück als "Sudan House" aus. Mehrere Kinder und Enkelkinder Kiirs besuchen exklusive Privatschulen in Nairobi.

Passkopien der "Präsidentensöhne" Kiir
Sentry Report

Passkopien der "Präsidentensöhne" Kiir

Kiir wies die Korruptionsvorwürfe am Dienstag zurück. Die Anschuldigungen seien "Müll" und "blanker Unsinn", sagte ein Präsidentensprecher der Nachrichtenagentur AFP. Der Bericht sei "politisch motiviert" und solle Kiir schaden.

Doch auch seinem Rivalen geht es wirtschaftlich offenbar bestens. In den weiteren Kapiteln des Berichts steht, das Kiirs Familie und die seines Konkurrenten Machar mittlerweile im gleichen Nobelviertel Nairobis leben, wenige Hundert Meter voneinander entfernt.

Oberkommando für Plünderungen und Kriegsverbrechen

Über einen Neffen Machars berichtet der Sentry-Report, er habe 2014 den südsudanesischen Teil einer kenianischen Sicherheitsfirma gewaltsam übernommen. Der Neffe des mächtigen Machar wurde nie belangt. Die kenianische Firma KK Security, die in ganz Ostafrika aktiv ist, verlor ihr komplettes Südsudangeschäft und wurde dafür nie entschädigt.

Mit General Paul Malong Awan, Oberfehlshaber der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA), und seinem Vize, General Malek Reuben Riak, stehen außerdem zwei mutmaßliche Kriegsverbrecher auf der Sentry-Liste der südsudanesischen Kriegsgewinnler weit oben.

Malong ist einem Uno-Bericht zufolge treibende Kraft im Krieg gegen die eigene Zivilbevölkerung. Und er besitzt - das bestätigten drei unabhängige Quellen den Rechercheuren - eine Villa in Nairobi, welche die Familie Malong mit 1,5 Millionen Dollar in bar gekauft haben soll. Neben der Nobelvilla, vor der meist mehrere luxuriöse Autos der Malong-Familie stehen, besitzt der General zwei große zweistöckige Häuser in Uganda - fertiggestellt 2012 und 2014, mit zusammen mehr als tausend Quadratmeter Wohnfläche.

1,5 Millionen Dollar in bar: Malong-Villa in Nyari Estate, Nairobi
Sentry Report

1,5 Millionen Dollar in bar: Malong-Villa in Nyari Estate, Nairobi

General Reuben, den die Uno ebenfalls für Kriegsverbrechen verantwortlich macht, ist in der Armee des Südsudan zuständig für Waffenkäufe und militärische Planung. Über sein privates Konto bei der kenianischen Kenia Commercial Bank flossen Sentry-Recherchen zufolge rund drei Millionen Dollar in den vergangenen vier Jahren. Absender mehrerer sechsstelliger Überweisungen auf Malongs Privatkonto waren chinesische und libanesische Baufirmen, die im Südsudan Projekte durchführen. Wofür das Geld floss, konnten die Rechercheure nicht feststellen.

Analysten rätseln oft, warum der Südsudan nicht zur Ruhe kommt - und warum bisher ausgehandelte Friedensschlüsse kaum wirken und nicht lange halten. Die Antwort der Autoren: Gewalt und massenhafte Grausamkeiten enden nicht, weil die Täter keine Konsequenzen fürchten müssen - und weil internationale Banken, Unternehmen und Regierungen weiterhin den gewalttätigen Raubzug der Warlord-Clique unterstützen.

Darum fordern die Autoren folgende Maßnahmen:

  • Es müsse harsche Sanktionen geben gegen die oberste Führungsebene des Landes. Unerklärlicher Reichtum sei ein guter Indikator für Korruption und Geldwäsche - und genau dort müssten die Firmen und staatliche Stellen genau hinsehen.
  • Anschließend sollten die Immobilien- und Bauunternehmen sowie Banken mit Sanktionen belegt werden, die nicht gründlich prüfen, mit wem sie da Geschäfte machen.
  • Die prominenten Namen des Berichts haben alle Blut an ihren Händen. Wenn sie nicht mehr so sorglos Geschäfte machen könnten, wäre es für sie auch weniger attraktiv, endlos Krieg zu führen.


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insgesamt 115 Beiträge
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spontanistin 15.09.2016
1. Prioritäten der Hilfsbereiten?
Helfen wir nun besser denen, die mit Hilfe von skrupellosen Schleusern zu uns fliehen (können) oder denen, die dank skrupelloser Banden zu krepieren drohen? Wie war das nochmal mit dem Beseitigen der Fluchtursachen? Fluchtursachen Elend, Krieg und Aussicht auf besseres Leben! Wir schaffen das - nur wenn alle anderen Länder/Staaten mitmachen!
maramarie 15.09.2016
2. WAS können wir tun?
Diese Zusammenhänge sind doch schon lange bekannt...Da aber auch unsere Waffenindustrie kräftig an diesen Konflikten mitverdient, werden Publikationen dieser Art blockiert. Der bekannte Name von George Clooney hilft natürlich...Aber was können wir tun, um das Leid & Elend zu beenden und dafür Sorge tragen, dass diese Ausbeuter zur Rechenschaft gezogen werden ???
wpeitze 15.09.2016
3. Kommentar?
Da kommt ein Hass hoch auf ALLE Akteure (Profiteure,Mittäter usw.), dass es mir die Sprache verschlägt; was mir noch einfällt, kann man nicht schreiben.
kuschl 15.09.2016
4. Die Wahrheit
DAS ist das Problem Afrikas. Die Potentaten und ihre Familienclans halten ihre Bevölkerung im Dreck. Ihre eigenen Sprösslinge gehen auf Privatinternate, während sich der Rest der Bevölkerung das Schulgeld nicht leisten kann. Die "Präsidentengattin" fliegt nach Europa zum Shoppen, während das Volk hungert. Die Ressourcen der Länder Afrikas werden durch diese Clans an Investoren, vorwiegend aus China, verscherbelt und das Volk hungert. Einige verwirrte "Asche auf unser Haupt Streuer" meinen immer noch, die ehemaligen Kolonialherren seien schuld. Weit gefehlt. Der Bevölkerung ging es zur Kolonialzeit besser als heute mit den eigenen Unterdrückern. Wenn die Welt hier nicht endlich eingreift und Leute, wie die, die hier beschrieben werden oder Leute, wie Mugabe zum Teufel jagt, werden wir aus diesem Kontinent eine Armutsmigration erleben, gegen die 2015 nichts war aber unsere Verantwortlichen schlafen weiter, speziell die in Brüssel.
Airkraft 15.09.2016
5. Die Hoffnung stirb zwar zuletzt,...
Die Hoffnung stirb zwar zuletzt, ich aber hoffe noch, dass sich diese ganze "Mischpoke" möglichst bald zumindest vor dem Internationalen Gerichtshof wiederfindet !
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