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Uno-Bericht: Südsudan betreibt brutale Politik "verbrannter Erde"

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REUTERS

Kämpfer im Südsudan

Die Uno erhebt schwerste Vorwürfe gegen die Regierung des Südsudan. Deren Truppen ermordeten oppositionelle Zivilisten, selbst Kinder, auf bestialische Weise.

Die Auflistung der einzelnen Verbrechen ist kaum zu ertragen: Kinder und Menschen mit Behinderungen werden lebendig verbrannt, Soldaten vergewaltigen systematisch Frauen und töten gezielt Zivilisten. Das ist nur ein Teil von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen im Südsudan, die nun die Vereinten Nationen (Uno) in einem Bericht veröffentlicht haben.

Das Urteil des Uno-Menschenrechtskommissars fällt dementsprechend dramatisch aus: Die Menschenrechtsverletzungen seien im Südsudan so entsetzlich wie in kaum einem anderen Land. Said Raad al-Hussein kritisierte zudem, dass die Krise in dem ostafrikanischen Land international kaum Beachtung finde.

Laut dem aktuellen Bericht verfolgten vor allem Regierungstruppen und zur Regierung loyale Milizen im Südsudan eine "Politik der verbrannten Erde". Die Autoren beziehen sich auf Ereignisse zwischen April und September 2015, die sie in den vier Monaten danach untersuchten. Von Zeugen im Land und aus glaubwürdiger Quelle habe man erfahren, dass regierungstreuen Rebellengruppen Vergewaltigungen "als Bezahlung" erlaubt worden seien. Ebenso hätten aber auch oppositionelle Rebellen Jagd auf Frauen und Mädchen gemacht.

Lediglich kleiner Teil der Grausamkeiten bekannt

Allein für den nördlichen Bundesstaat Unity listen die Autoren für den untersuchten Zeitraum 1300 Vergewaltigungen auf. In einem Fall sollen Soldaten darüber gestritten haben, was sie mit einer Sechsjährigen anstellen sollen - am Ende erschossen die Männer das Mädchen, berichtete die Mutter den Ermittlern. Auch Frauen, die in den Uno-Camps leben, sind demnach nicht sicher: Verlassen sie die Lager, um zum Beispiel Holz zu holen, seien sie in Gefahr.

"Ausmaß und Art der sexuellen Gewalt - insbesondere durch SPLA-Truppen der Regierung und angeschlossene Milizen - wurden in schmerzhaftem, erschütterndem Ausmaß beschrieben", sagte Uno-Menschenrechtskommissar Said. Ebenso erschreckend sei das "beinahe beiläufige, jedoch kühl berechnende, Töten von Zivilisten, sowie die Zerstörung von Eigentum und Lebensgrundlagen", so Said. Er machte deutlich, dass die im Bericht genannte Zahl der Vorfälle nur "ein keiner Ausschnitt" der tatsächlich vorgefallenen Grausamkeiten sein könne.

Verbrannt, erschlagen, gehängt

Der Großteil der getöteten Zivilisten ist laut Uno nicht bei Kampfhandlungen, sondern durch gezieltes Morden ums Leben gekommen. Einige der schwerwiegendsten Grausamkeiten trugen sich bereits im Frühjahr 2014 zu und werden den oppositionellen Rebellen angelastet. Sie töten laut Uno-Menschenrechtskommissariat "Hunderte Menschen, die in Kirchen, Moscheen und Krankenhäusern" Zuflucht gesucht hatten.

Im Gegenzug fielen 2015 in den von oppositionellen Truppen verlassenen Gebieten Zivilisten den Regierungstruppen zum Opfer. Sie wurden teils bei lebendigem Leib verbrannt, mit Macheten erschlagen, in Containern erstickt, gehängt oder erschossen, heißt es in dem Bericht.

Neben systematischen Vergewaltigung gehörte auch die gezielte Zerstörung der Lebensgrundlage zur Strategie von Regierungs- und Oppositionskräften. In der Stadt Malakal, der Hauptstadt des Bundesstaats Upper Nile, wurden fast 10.000 Häuser und damit ein Viertel der Stadt zerstört, was der Uno zufolge Satellitenaufnahmen belegen.

2,2 Millionen Vertriebene

Südsudan besteht als Staat erst seit fünf Jahren. Seit Dezember 2013 tobt dort jedoch ein Machtkampf zwischen Präsident Kiir und dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar, dem Anführer oppositioneller Rebellen. Dabei spielen auch ethnische Hintergründe eine Rolle: Kiir gehört zur größten Volksgruppe im Land, den Dinka, Machar dagegen ist ein Nuer.

Die Bericht über Menschenrechtsverletzungen sind nicht neu. Bereits im Oktober hatte die Afrikanische Union eine Liste der Grausamkeiten veröffentlicht, die Konfliktparteien untereinander und an Zivilisten verübt haben sollen. Als Folge der Gewalt starben im jüngsten Staat Afrikas Zehntausende Menschen, mehr als 2,2 Millionen wurden vertrieben. Mehr als 860.000 Menschen - das sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung - hungern nach Angaben von Hilfsorganisationen.

brk/cht/Reuters/AP

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