Südwaziristan Taliban wehren sich erbittert gegen Armee-Offensive

Fast 30.000 Soldaten marschieren gegen die Taliban: Die pakistanische Armee ist zu Beginn ihrer Großoffensive in Südwaziristan auf teils massiven Widerstand gestoßen. Die Behörden fürchten, dass die Zahl der Flüchtlinge sich auf 200.000 verdoppeln könnte.

dpa

Peschawar - In den ersten 24 Stunden ihrer Großoffensive haben pakistanische Bodentruppen in Südwaziristan 60 mutmaßliche Taliban-Kämpfer getötet. Bis zu 28.000 Soldaten drangen in die teilautonome Region vor, zehntausende Zivilisten sind auf der Flucht.

Wie die Armee am Sonntag mitteilte, wurden auch fünf Soldaten getötet und elf weitere Militärangehörige verletzt. Die bergigen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan gelten als Hochburg der extremistischen Tahreek-e-Taliban Pakistan (TTP), die für eine Serie tödlicher Anschläge verantwortlich gemacht werden.

Die Regierungstruppen hätten die Kontrolle über das Dorf Spinkai Raghzai erlangt und einen Kontrollposten an der Straße nach Kotkai errichtet, der Heimatstadt des pakistanischen Taliban-Führers Hakimullah Mehsud. "Wir rücken aber noch vor und haben die Hochburgen der Taliban noch nicht erreicht", sagte ein Verantwortlicher der Streitkräfte.

Nach Angaben der Armee sind mehr als 100.000 Zivilisten vor den Kämpfen in Südwaziristan auf der Flucht. Sie seien in den angrenzenden Bezirken Tank und Dera Ismail Khan untergekommen. Etwa 80.000 Menschen seien bereits in Erwartung der seit dem Sommer angekündigten Offensive geflohen. Mit dem Beginn des Militäreinsatzes hätten rund 22.000 weitere Zivilisten die Flucht ergriffen.

Die pakistanischen Behörden befürchten allerdings, dass die Zahl der Flüchtlinge trotz der über Teile Südwaziristans verhängten Ausgangssperre in den kommenden Tagen auf 200.000 steigen könnte. In Südwaziristan leben rund 600.000 Menschen.

USA drängten zur Offensive

Die Truppen rückten mit Unterstützung aus der Luft gegen die Extremisten vor. Sie stießen nach Berichten von Anwohnern auf heftigen Widerstand.

Die seit langem geplante Offensive folgt einer Serie von blutigen Anschlägen mit mindestens 175 Toten. Vor allem die USA haben Pakistan gedrängt, endlich entschieden gegen die Extremisten in der Grenzregion vorzugehen. Südwaziristan gilt als sicherer Rückzugsort für Taliban- und Qaida-Kämpfer, die auch für Anschläge auf die Nato-Truppen in Afghanistan verantwortlich gemacht werden. In der Region könnte sich auch Qaida-Führer Osama Bin Laden versteckt halten.

Militärsprecher Athar Abbas sagte, die Großoffensive habe zum Ziel, die Taliban zu "entwurzeln". Der Militäreinsatz soll sich Abbas zufolge auf die Gebiete konzentrieren, die von dem im August bei einem Raketenangriff getöteten Anführer der pakistanischen Taliban, Baitullah Mehsud, kontrolliert wurden.

In der nahe der afghanischen Grenze gelegenen Region von rund 3300 Quadratkilometern - was etwa der zehnfachen Fläche der Stadt München entspricht - halten sich schätzungsweise 12.000 Extremisten auf, die von 1500 ausländischen Kämpfern unterstützt werden.

Kein schnelles Ende der Kämpfe

Vorbereitet wurde die Offensive mit Luftangriffen, die bereits vor einigen Monaten begannen. Der Bodeneinsatz könne bis zu zwei Monate dauern, wurde aus Geheimdienstkreisen verlautet. Etliche Flucht- und Nachschubrouten in dem Stammesgebiet wurden nach Militärangaben bereits abgeriegelt.

Die neue Offensive ist bereits der vierte Versuch der Truppen seit 2001, die Taliban aus der Region zu vertreiben. Die drei bisherigen Militäroperationen endeten jeweils mit einem Waffenstillstand, der letztlich den Taliban weiter die Kontrolle in Südwaziristan ließ.

Die Regierung hat erklärt, dass es diesmal keine Verhandlungslösung geben werde. Armeesprecher Abbas sagte, der Einsatz werde solange fortgeführt, bis die Ziele erreicht seien. Die Truppenstärke könne auf bis zu 60.000 Soldaten anwachsen.

hil/AP/AFP/Reuters

Forum - Taliban in Pakistan - was ist die richtige Strategie?
insgesamt 869 Beiträge
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Seite 1
eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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