Quetta - Die Zahl der Toten bei der verheerenden Anschlagserie in Pakistan ist nach Angaben der Polizei vom Freitag auf mindestens 114 gestiegen. Insgesamt wurden etwa 230 Menschen bei den Attentaten am Donnerstag in der Stadt Quetta im Südwesten und der Stadt Mingora im Nordwesten des Landes verletzt.
Allein mindestens 82 Tote forderte der Doppelanschlag in einer Billardhalle in einem Schiiten-Viertel der Provinzhauptstadt Quetta. Nach Behördenangaben starben auch neun Polizisten, drei Journalisten und mehrere Rettungskräfte. Zu der Tat bekannte sich nun die sunnitische Extremistengruppe Lashkar-i-Jhangvi. Sie unterhält Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida und den radikalislamischen Taliban und war an der Entführung und Enthauptung des US-Reporters Daniel Pearl im Jahr 2002 beteiligt.
Inzwischen gab die Polizei Einzelheiten zu dem Angriff bekannt. Demnach sprengte sich zunächst ein Attentäter in dem Lokal in die Luft. Als Helfer und Journalisten eintrafen, zündete ein zweiter Attentäter in einem vor dem Club geparkten Auto eine Bombe.
Der Anschlag auf den Billardclub in Quetta war der schwerste seit fast zwei Jahren. Im Mai 2011 hatten zwei Selbstmordattentäter in der nordwestlichen Stadt Shabqadar 98 Menschen mit in den Tod gerissen. Zudem war es der blutigste Anschlag auf die schiitische Minderheit in Pakistan überhaupt. Nur etwa 20 Prozent der mehr als 180 Millionen Einwohner gehören dieser Glaubensrichtung an. Die meisten Muslime sind Sunniten.
Noch kein Bekenntnis zu Anschlag im Swat-Tal
Inzwischen haben führende Vertreter der pakistanischen Schiiten gefordert, das Militär solle zu ihrem Schutz die Kontrolle über Quetta übernehmen. Der Nachrichtenagentur Reuters sagten sie, sie würden die Beisetzung der Toten des Anschlags so lange verhindern, bis ihre Forderung erfüllt sei.
Wenige Stunden vor den Selbstmordanschlägen in dem Billardcafé hatte es einen weiteren Anschlag in Quetta gegeben: eine Bombenexplosion auf einem Markt bei der elf Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. Zu dieser Tat bekannte sich eine andere Gruppierung: die United Baloch Army, die für die Unabhängigkeit der Provinz Belutschistan kämpft.
Zudem wurde auch in der Stadt Mingora am Donnerstag ein Anschlag verübt. Dabei starben 22 Menschen während einer religiösen Versammlung, mehr als 80 weitere wurden verletzt. Die Behörden teilten mit, dafür seien rund fünf Kilogramm Sprengstoff verwendet worden. Zunächst war von der Explosion eines Gasbehälters gesprochen worden. Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Mingora ist die größte Stadt des Swat-Tals im Nordwesten Pakistans. Die Bergregion wird seit der Vertreibung der radikalislamischen Taliban im Jahr 2009 von der Armee verwaltet. Ein Taliban-Sprecher erklärte, seine Organisation habe nichts mit dem Anschlag zu tun.
fdi/dpa/AFP/Reuters
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