Super Tuesday im US-Wahlkampf Jetzt gilt es

Das ist der wichtigste Termin im Vorwahlkalender der USA: Beim Super Tuesday wählen 14 Staaten, die Ergebnisse können sowohl bei Demokraten als auch Republikanern die Vorentscheidung bringen. Der Überblick.

Republikaner Trump mit Wählern in Georgia
AFP

Republikaner Trump mit Wählern in Georgia

Von und , Washington


Das Wichtigste vorweg: die Orte. Gewählt wird am Super Tuesday in mehr als einem Dutzend Staaten. In Alabama, Arkansas, Colorado, Georgia, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont und Virginia wählen beide Parteien. Zudem rufen die Republikaner in Alaska, North Dakota und Wyoming an die Urnen und die Demokraten in American Samoa (kein eigener Bundestaat). SPIEGEL ONLINE berichtet ab 0 Uhr heute Nacht mit Nachrichten, Newsblog und Analysen.

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Besonders bedeutend ist die Südflanke um Texas, Alabama und Tennessee, wo die meisten Delegiertenstimmen vergeben werden. Seit Wochen machen die Kandidaten auf beiden Seiten dort Wahlkampf. Auf Seiten der Republikaner geht Donald Trump als klarer Favorit in die Vorwahlen, bei den Demokraten hofft Hillary Clinton auf einen erfolgreichen Abend.

Die Frage der Trump-Alternative

Gewinnt Trump wie erwartet in den meisten Staaten, macht er einen großen Sprung in Richtung der Präsidentschaftskandidatur. Neben Trump steht besonders Marco Rubio unter Beobachtung. Der Wahltag wird Auskunft darüber geben, ob die Wähler ihn als echte Alternative zu Trump sehen oder nicht. Bisher konnte er keine Vorwahl für sich entscheiden. Rubio, 44, muss am Abend mindestens einen Staat gewinnen - besser mehr. Geht der Senator aus Florida ganz leer aus, dürfte er fortan als Mann gelten, der einfach nicht siegen kann. Wie er mit diesem Etikett Trump dann noch gefährlich werden will, ist fraglich.

Das Republikaner-Chaos

Die Stimmung bei den Republikanern ist unterirdisch. Trumps Höhenflug sorgt für eine regelrechte Spaltung der Partei. Die einen Republikaner scheinen in Trumps Richtung zu kippen, andere sprechen sich inzwischen offen gegen ihn aus und kündigen an, ihn im Falle eine Nominierung nicht wählen zu wollen. Die Atmosphäre zwischen Trump und Rubio selbstist ebenfalls vergiftet. Egal wie der Dienstag ausgehen wird - es ist nicht davon auszugehen, dass Rubio aussteigt. Er setzt voll auf einen Sieg in seinem Heimatstaat Florida am 15. März. Die Zeit in den zwei Wochen bis zur Florida-Wahl dürfte von einer Aggressivität geprägt sein, wie es die Partei selten erlebt hat.

Videoanalyse: Der Wahlkampf der Republikaner wird schmutzig

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Das Delegiertenproblem

Ab jetzt geht es im Rennen nicht mehr nur um Popularität und Drama, sondern darum, wer die meisten Parteitagsdelegierten anhäuft - und da gelten andere Regeln. Bisher wurden erst vier Prozent der Delegierten verteilt, an diesem Dienstag geht es um fast ein Viertel, bis Mitte März wird schließlich gut die Hälfte vergeben sein. Der Spitzenreiter wird danach nur noch schwer einzuholen sein, ob Trump oder Hillary Clinton - zumal sich dann vor allem bei den Demokraten die flexiblen Superdelegierten hinter die beste Siegerfigur stellen dürften. Trotzdem gibt es für Marco Rubio oder Ted Cruz noch eine kleine Chance, Trump auszuschalten - falls einer von beiden aussteigt und der andere die Anti-Trump-Front vereinen kann. Gut aus ihrer Sicht auch: Die Delegierten werden proportional vergeben. Auch ein zweiter Platz kann so eine große Zahl an Wahlmännern sichern.

Hillarys große Chance

Bill Clinton trommelt in Massachusetts, Chelsea Clinton tingelt durch Nebraska: Obwohl sie einen klaren Vorsprung vor Bernie Sanders hat, überlässt Hillary Clinton nichts dem Zufall. Die Demokratin weiß, dass sie das Rennen am Super Tuesday für sich entscheiden oder Sanders zumindest die letzten Chancen verbauen kann.

Demokratin Clinton in Virginia
AP

Demokratin Clinton in Virginia

Dessen gewaltige Niederlage in South Carolina, wo ihm vor allem Afroamerikaner den Rücken kehrten, lässt für ihn nichts Gutes hoffen: Auch in den weiteren Südstaaten, die an diesem Dienstag dran sind, werden wieder viele Schwarzen und Minderheiten wählen. Sanders dürfte zwar in den mehrheitlich weißen Staaten punkten - Colorado, Massachusetts, Minnesota, Oklahoma und vor allen in seinem Heimatstaat Vermont. Doch dort gibt es nur ein Drittel aller Delegierten zu holen.

Und dann geht's gleich um Florida

An diesem Dienstagabend werden Trump und Clinton ihre Wahlpartys nicht in einem Super-Tuesday-Staat feiern - sondern in Florida. Beide wissen: Der Sunshine State, in dem zwei Wochen später gewählt wird, könnte ihnen den letzten erforderlichen Schwung geben. Allein die Republikaner vergeben dort 99 Delegierte - ein Trump-Sieg im Heimatstaat seines Erzrivalen Rubio, wie es die Umfragen prophezeien, könnte diesem das K.o. versetzen.

Auch Clinton liegt in den Umfragen vorne. Sollte sie Sanders unter 15 Prozent drücken können, würden alle 246 Delegierten Floridas auf sie entfallen. Zugleich ist Florida eine Generalprobe für die November-Wahlen: Ohne in Florida zu gewinnen, ist es fast unmöglich, US-Präsident zu werden.

Ergebnisse der US-Vorwahlen

US-Vorwahlen

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
tomxxx 01.03.2016
1. Was meiner Einschätzung nach nicht thematisiert wird...
ist die Anti-Establishment-Stimmung in den USA. Trump ist deshalb so erfolgreich, weil er komplett auf Konfrontation zur Wall-Street geht. Der amerikanische Mittelstand wurde in den letzten Jahren ausradiert (trotz Geld-Druck-Orgien, von denen nur die Wall-Street profitiert). Bei den Demokraten ist das genauso, Sanders, der sich als Sozialist bezeichnet (sonst in USA ein Schimpfwort) kann ernsthaft gegen Clinton Wahlkampf führen (und das in dem Alter) als Anti-Wallstreet-Kandidat, der keine Spenden von denen annimmt. Was jetzt bei einem Wahlkampf Cinton-Trump noch passieren kann, ist dass die Sanders-Anhänger zu Trump überlaufen (weil nicht das Links-Rechts-Denken sich durchsetzt, sondern Establishment gegen Anti-Wallstreet.
Pitto50 01.03.2016
2. Mal eine Bemerkung am Rande:
Sicher hat der amerikanische Wahlkampf seinen eigenen Stil. Aber langsam gehen mir diese super gut gelaunten Kandidaten mit ihren (vgl. Artikelfoto) gerne weit aufgerissenen Lachmäulern auf die Nerven! Die Weltpolitik ist weniger lustig! Warum dann so tun! Das gilt auch ein wenig für Deutschland: nach den Landtagswahlen bitte nicht groß winken und Bützchen verteilen, sondern einen gediegenen Eindruck durch klare Ansagen machen. Warten wir´s ab.
Atheist_Crusader 01.03.2016
3.
Zitat von tomxxxist die Anti-Establishment-Stimmung in den USA. Trump ist deshalb so erfolgreich, weil er komplett auf Konfrontation zur Wall-Street geht. Der amerikanische Mittelstand wurde in den letzten Jahren ausradiert (trotz Geld-Druck-Orgien, von denen nur die Wall-Street profitiert). Bei den Demokraten ist das genauso, Sanders, der sich als Sozialist bezeichnet (sonst in USA ein Schimpfwort) kann ernsthaft gegen Clinton Wahlkampf führen (und das in dem Alter) als Anti-Wallstreet-Kandidat, der keine Spenden von denen annimmt. Was jetzt bei einem Wahlkampf Cinton-Trump noch passieren kann, ist dass die Sanders-Anhänger zu Trump überlaufen (weil nicht das Links-Rechts-Denken sich durchsetzt, sondern Establishment gegen Anti-Wallstreet.
Trump ist weder Anti-Establishment noch Anti Wall Street. Dass er keine Großspender braucht, heißt noch lange nicht, dass er gegen die 1% vorgehen wird. Er ist selbst ein Teil davon. Und wenn der Mann eines sicher ist, dann ein kompletter Egoist. Er folgt nur dem schizophrenen "small gouvernment"-Gedanken der Republikaner. Der irgendwie eine kleinere Regierung will, aber niemals am Militär sparen würde. Und sich aus dem Privatleben der Bürger raushalten will - es sei denn, sie wollen eine Abtreibung. Aber es ist schwer, etwas Definitives zu Trumps Ansichten zu sagen, weil er sie gerne mal sehr schnell ändert. Würde er gewählt, müsste er sich zumindest zu einem Gutteil an die republikanische Parteilinie halten, will er deren Unterstützung in den anderen Gremien. Aber wie das genau aussähe... sehr fraglich.
kuac 01.03.2016
4.
Zitat von tomxxxist die Anti-Establishment-Stimmung in den USA. Trump ist deshalb so erfolgreich, weil er komplett auf Konfrontation zur Wall-Street geht. Der amerikanische Mittelstand wurde in den letzten Jahren ausradiert (trotz Geld-Druck-Orgien, von denen nur die Wall-Street profitiert). Bei den Demokraten ist das genauso, Sanders, der sich als Sozialist bezeichnet (sonst in USA ein Schimpfwort) kann ernsthaft gegen Clinton Wahlkampf führen (und das in dem Alter) als Anti-Wallstreet-Kandidat, der keine Spenden von denen annimmt. Was jetzt bei einem Wahlkampf Cinton-Trump noch passieren kann, ist dass die Sanders-Anhänger zu Trump überlaufen (weil nicht das Links-Rechts-Denken sich durchsetzt, sondern Establishment gegen Anti-Wallstreet.
Konfrontation zur Wallstreet? Will Trump Börsenumsatzsteuer und Reichesteuer einführen?
viktor koss 01.03.2016
5. Kaum möglich...
Zitat von tomxxxist die Anti-Establishment-Stimmung in den USA. Trump ist deshalb so erfolgreich, weil er komplett auf Konfrontation zur Wall-Street geht. Der amerikanische Mittelstand wurde in den letzten Jahren ausradiert (trotz Geld-Druck-Orgien, von denen nur die Wall-Street profitiert). Bei den Demokraten ist das genauso, Sanders, der sich als Sozialist bezeichnet (sonst in USA ein Schimpfwort) kann ernsthaft gegen Clinton Wahlkampf führen (und das in dem Alter) als Anti-Wallstreet-Kandidat, der keine Spenden von denen annimmt. Was jetzt bei einem Wahlkampf Cinton-Trump noch passieren kann, ist dass die Sanders-Anhänger zu Trump überlaufen (weil nicht das Links-Rechts-Denken sich durchsetzt, sondern Establishment gegen Anti-Wallstreet.
...aber, einer offenen Debatte über die Ursachen der Krisen wie ihren weiteren Nachwirkungen wird sich jeder für sich und alle zusammen stellen müssen. Die Geldpolitik stoßt auch bei ganz rationalen Analysen auf ihre Grenzen, viel mehr hinterlässt die Rissen die sich nicht nur durch Gotteswillen erklären lassen. Es sollte keine ideologische Debatte werden, viel mehr ein vernünftige Einschränkung der negativen Folgen eines Übergewichts an macht die die Finanzindustrie ohne die Politik meistern kann. Und diese Politik müsste endlich demokratisch sein. Scheint zu sein dass Sanders darauf hinweise wollte um eine Bewegung in den Gang zu setzen und konnte dabei schon einen riesigen Erfolg verbuchen. Über diese Grenzen werden die demokratischen Wähler kaum hinausgehen um Trump oder einen anderen Republikaner (Rubio, Cruz) zu wählen.
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