US-Vorwahlen Fünf Lehren aus dem Super Tuesday

Zwölf US-Staaten haben gewählt, nun sind die Parteistrategen an der Reihe: Die Republikaner stehen vor einer existenziellen Frage, und Hillary Clinton muss umdenken. Die Erkenntnisse aus dem Super Tuesday.

Donald Trump
AP

Donald Trump

Aus Los Angeles berichtet


Die Diskussion gleitet blitzschnell ab. Auf der einen Seite der Demokrat Van Jones, auf der anderen der Republikaner Jeffrey Lord. Beide waren mal Präsidentenberater, nun streiten sie über Donald Trump und den Ku-Klux-Klan (KKK), von dem der sich nur gequält distanziert hat.

Jones, ein Schwarzer, beklagt, dass ihm diese "Schattenseite" Amerikas "große Angst" mache. Lord wiegelt ab: Der KKK sei gar nicht so schlimm gewesen. Von da an geht es abwärts.

Der wilde Wortwechsel, der sich in einem CNN-Studio abspielt, ist bezeichnend: Der Super Tuesday mit seinen Vorwahlen in zwölf US-Staaten ist zwar vorbei, doch der Wahlkampf spaltet die Nation wie lange nicht, das wird auch nach diesem Dienstag so bleiben.

Die Abstimmungen haben das Kandidatenfeld nun faktisch auf zwei Namen reduziert, auch wenn sich ihre Rivalen noch sperren: Es bleiben Donald Trump und Hillary Clinton. Wie geht es nun weiter?

Fünf Lehren aus dem Superwahltag:

1. Donald Trump ist ein brillanter Wahlkämpfer

Trump versteht die Stimmung im Land: Der Aufschwung hat ganze Bevölkerungsschichten vergessen, allen voran arme Weiße. Der gesellschaftliche Wandel, der Minderheiten Macht und Rechte bringt, erschreckt sie. Diese aus Existenzangst genährte Wut zapft Trump an mit seinen Parolen, die immer mehr in Faschismus und Autoritarismus abdriften. Er stellt die Meinungs- und Pressefreiheit in Frage, propagiert Intoleranz gegen Andersdenkende. Die Tiraden fallen auf fruchtbaren Boden: Abermillionen Amerikaner stehen jetzt hinter Trump - eine "Bewegung", wie er gerne prahlt, die ganz Amerika verändern wird und jetzt nicht mehr wegzudenken ist.

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2. Die Republikaner sind jetzt die Partei Trumps

Diese "Bewegung" verändert auch die Partei. Die Republikaner seien nun "die Partei Trumps", schreibt die "New York Times". Keine Revolution - ein Putsch: Trump profitierte von einem zersplitterten Feld aus Kandidaten, die kaum mehr gegen die Delegierten-Mathematik ankommen können, auch wenn sie ein paar Achtungssiege erzielten. Die Partei stellt das vor eine extrem schwierige Wahl: Entweder sagt sie sich von Trump los und riskiert ihre Spaltung. Oder sie solidarisiert sich mit dem Geiselnehmer - und riskiert ihre Unwählbarkeit im November.

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3. Jetzt wirds ernst für Hillary Clinton

Die Demokratin schaut nach vorne: Am Dienstagabend sprach Clinton mehr von Trump als von ihrem Noch-Parteigegner Bernie Sanders. Denn Trump ist nicht nur ihr möglicher November-Rivale. Er ist ein politischer und charakterlicher Kontrastpunkt, der ihrer Kandidatur erst die Dringlichkeit gibt, die sie bisher vermissen ließ: Wählt Clinton, verhindert Trump! Kein eleganter Slogan - aber einer, der die Basis der Demokraten besser mobilisieren könnte als Clintons bisherige Strategie. Trotz jahrzehntelanger Erfahrung bleibt sie eine angreifbare Kandidatin. Zur Wut der Wähler auf die Politik-Kaste hat sie wenig Zugang, dazu ist sie zu sehr selbst Teil dieser Kaste. Ihre Strategie, Trump zu demontieren, wird nicht ausreichen. Clinton muss sich noch einmal neu erfinden.

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4. Danke und tschüss, Bernie

Auch Sanders will bis zum Wahlparteitag im Juli durchhalten: "See you in Philadelphia!", sagte sein Wahlkampfmanager Jeff Weaver am Dienstag. Blindheit? Naivität? Oder das Kalkül, möglichst viele Delegierte zu sammeln, um dann Einfluss nehmen zu können auf das Parteiprogramm? So oder so, Sanders hat die Demokraten - und ihre neue Bannerträgerin Clinton - längst nach links gezwungen. Seine "revolutionären" Ideen, seine unverrückbare Position gegen die Wall Street, sein Festhalten an progressiven Idealen haben Werte wiederbelebt, die im Getümmel der demokratischen Machtspiele beinahe verloren schienen. Sie sollten deshalb auch, mit gebührendem Dank, offiziell verankert werden im Wahlkampf - unter einer Kandidatin Clinton.

5. Florida wird eine große Rolle spielen

So entschieden der US-Vorwahlkampf jetzt auch scheint: Florida wird noch eine große Rolle spielen. Der berüchtigte Wechselwählerstaat, der George W. Bush vor 16 Jahren die Präsidentschaft schenkte, hält seine Vorwahlen am 15. März ab, parallel zu Ohio, Illinois, Missouri und North Carolina. Eine Art Mini-Super-Tuesday also, an dessen Ende gut die Hälfte aller Delegierten vergeben sein wird. Ohne eine breite Basis in Florida wird niemand US-Präsident. Doch durch dessen komplexes Geflecht aus konservativen und progressiven Interessengruppen muss ein Kandidat erst einmal hindurch. Für den Trump-Rivalen Marco Rubio kommt noch eine persönliche Note hinzu: Er stammt aus Miami. In Florida könnte er das Steuer entweder doch noch herumreißen - oder seine letzte, demütigende Niederlage erleiden.

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insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
Tauem 02.03.2016
1. Was für ein Unsinn.
Deutschland kann keine Lehren aus dem US-System der Vorwahlen ziehen, da es die nicht kennt. Offenbar verrutschen den Spiegel-Redakteuren nicht nur die geografischen Koordinaten, sondern auch die eigenen Gedanken.
kellyx 02.03.2016
2. Demokratische Wahlen
Einfach erschreckend welche Wahlmöglichkeiten den US-Bürgern geboten werden.
mercooles 02.03.2016
3. Auch „Demokratie“ muss eben imer wieder aufs Neue „erkämpft“ werden
Und in einem demokratischen Staat tun die Bürger dies vor allem über Wahlen, die Politik, andererseits, kann das nur über die Innenploitik tun. Hier haben die USA, genau wie D versagt. Und da liegt für mich in den USA, wie in Deutschland das Problem. Die wirkliche Auseinandersetzung mit den letzten grossen innenpolitischen Themen, wie z.B,. Auswirkungen der Finanzkrise ( vor allem in den Usa ) ist nicht geschehen. Demokratie ist zu selbstverständlich zu einem Modewort, einer sich nur noch selbst vertretenden Politik geworden, die aussenpolitisch glänzt aber den Blick ins Innnere aufgegeben hat. Die Wut über die innenpolitischen Auswirkungen dieser „einseitigen“ Demokratie findet sich nun, z.B. in der Sprache einens Donald Trumps wieder. Was neben einem mulmigen Gefühl übrig bleibt ist ein tief beschämendes Gefühl, derjeneigen gegenüber, die für diese Demokratie gekämpft haben und sogar dafür gestorben sind.
hundogonzalez 02.03.2016
4.
Zitat von TauemDeutschland kann keine Lehren aus dem US-System der Vorwahlen ziehen, da es die nicht kennt. Offenbar verrutschen den Spiegel-Redakteuren nicht nur die geografischen Koordinaten, sondern auch die eigenen Gedanken.
Was? Ihren Beitrag kann man nicht verstehen. Was genau meinen Sie damit, man kenne die Regeln nicht?? Wem verrutschen hier die Gedanken? Ich vermute, Ihnen.
alkman 02.03.2016
5. republikanische Präsidenten
Es stimmt nicht, daß Deutschland mit republikanischen Präsidenten durchweg schlechte Erfahrungen hatte. George W. Bush war da eher die Ausnahme. Aber mit Eisenhower, Nixon, Ford, Reagan und Bush Senior waren wir gut bedient, während etwa Schmidt mit dem Demokraten Carter überhaupt nicht konnte. Trump paßt aber in kein Klischee. Er hätte bei unserer "political correctness" ohnehin keine Chance. Aber nicht vergessen, auch Hillary hat für den Irakkrieg gestimmt!
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