Donald Trump und der Super Tuesday Angst um Amerika

Vor dem Super-Wahldienstag erkennen viele Amerikaner mit Schrecken, dass ein Präsident Trump kein ganz absurdes Szenario mehr ist. Jetzt startet die Gegenwehr.

REUTERS

Von , Washington


Trent Franks sitzt seit 13 Jahren im Repräsentantenhaus in Washington. In dieser Zeit hat sich der Abgeordnete aus Arizona den Ruf erarbeitet, einer der konservativsten Politiker des Landes zu sein. Abtreibung hält er in jeglichen Fällen für eine Sünde. Die Gesundheitsreform Barack Obamas sieht er als Verbrechen. Doch derzeit macht ihm nur eine Sache Angst:

Ein Präsident namens Donald Trump.

Franks hat dieser Tage einen Brief geschrieben an seine 245 Fraktionskollegen. Es ist ein flammender Appell, sich entweder hinter Marco Rubio oder Ted Cruz zu versammeln, Trumps stärksten Rivalen. "Es geht um das Schicksal unserer Nation, der konservativen Bewegung und künftiger Generationen", mahnt Franks.

Der Aufschrei des 58-Jährigen passt zur Stimmung vor dem wichtigen Super Tuesday. Ja, es gibt jene, die angesichts der Siegesserie des Demagogen ihren Widerstand aufgegeben haben. Chris Christie zum Beispiel, der Gouverneur von New Jersey. Aber in Amerika ist auch das Gegenteil zu sehen: wachsender Ungehorsam bei Trump-Veranstaltungen. Kritischere Medienberichte. Alarmierte Republikaner. Protestierende Künstler. Je größer Trumps Erfolg, desto mehr Unterstützer bekommt er - und desto mehr Gegner. Es ist ein Vorgeschmack darauf, wie polarisiert es im Land zuginge, sollte es Trump in den Hauptwahlkampf schaffen.

Die Zeitungen sind dieser Tage voll mit Kommentaren und Gastbeiträgen, die dazu aufrufen, sich Trump entgegenzustellen. "Sie müssen alles in Ihrer Macht Stehende tun, um Trump zu stoppen", appellierte die "Washington Post" in einem Leitartikel an die Republikaner.

Trump, Stalin, Pol Pot

Die Abrechnung der "Post" mit Trump war heftig. "Er will, dass die Vereinigten Staaten Kriegsverbrechen begehen", schrieb die Zeitung. "Er verehrt Wladimir Putin. Und er würde elf Millionen Menschen deportieren, eine Zwangsumsiedlung von einer Dimension, wie sie seit Stalin oder Pol Pot nicht versucht wurde."

Vielen Amerikanern wird auf einmal mit Entsetzen klar, was ein Kandidat Trump, vielleicht sogar ein Präsident Trump für die USA bedeuten könnte. Es ist keine einheitliche Gegenbewegung, dazu sind die Lager zu unterschiedlich, aber alle haben Angst. Erzkonservative, wie Trent Franks, fürchten unter dem wankelmütigen Trump um ihren reaktionären Wertekanon, pragmatische Republikaner um den Machtanspruch ihrer Partei und die Liberalen um ganz Amerika. Aber nicht nur die.

"Mir fehlen", sagt der republikanische Senator Lindsey Graham, "inzwischen die Adjektive, um zu beschreiben, wie schrecklich Donald Trump aus meiner Sicht für die Partei und das Land wäre."

Ganz neu ist der Widerstand nicht, Trumps Hetzreden gegen Latinos und sein rücksichtsloser Umgang mit all jenen, die nicht seiner Meinung sind, riefen schon vor Monaten Empörung hervor. Aber die Tonlage verändert sich. "Trumps Ignoranz ist charakteristisch, man kennt sie von Halbstarken auf dem Schulhof", schreibt der Autor Mark Salter, der lange für den Republikaner John McCain arbeitete, auf der Polit-Website "RealClearPolitics". "Die Ignoranz ist dumm und brutal, sie ist die Grausamkeit von Leuten, die emotional zu maßlos sind, um die Vernunft über die Leidenschaft zu setzen." Auch Trumps direkte Gegner setzen inzwischen auf Angriff. Als "Clown" und "Hochstapler" beschimpft Marco Rubio den Spitzenreiter. Hillary Clinton, die am Samstag in South Carolina triumphierte, nennt Trump einen Spalter.

Promis gründen Protestgruppe

Auch unter Intellektuellen setzt die Angst ein. "Ich habe mein Leben lang nicht verstanden, was genau Hitler an die Macht bringen konnte. Jetzt verstehe ich es", warnte gerade erste die Harvard-Professorin Danielle Allen. Kürzlich riefen Dutzende Künstler und Prominente eine Protestgruppe ins Leben, die sich "Stop Hate Dump Trump" nennt. Trump, so heißt es im Gründungsaufruf, sei eine "ernste Gefahr für die Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, Gleichberechtigung und das Gemeinwohl". Beteiligt sind Hollywood-Stars wie Jane Fonda, Regisseure wie Michael Moore, Professoren wie Princeton-Mann Cornel West.

Es ist eine wichtige Auseinandersetzung, aber sie könnte zu spät kommen, jedenfalls, was das Rennen um die Kandidatur bei den Republikanern angeht. Zu lange scheinen ihn seine Gegner als schräges Polit-Phänomen belächelt zu haben. Trumps Basis ist inzwischen äußerst stabil, er marschiert durch die Vorwahlen. Je mehr Gegner er hat, desto entschlossener scheinen seine Anhänger, ihn zu wählen. Das ist das Problem. Der Super-Dienstag könnte ihn der Kandidatur ein großes Stück näher bringen.

Aufgegeben haben seine Widersacher noch nicht. "Die Mehrheit der Republikaner, die gegen Trump ist, hat noch Zeit, sich um einen eigenen Kandidaten zu sammeln. Aber nicht mehr viel", warnt Karl Rove, Ex-Berater von Präsident George W. Bush in einem ausführlichen Gastkommentar im "Wall Street Journal". McCain-Mann Mark Salter geht schon einen Schritt weiter und blickt in Richtung Hauptwahlkampf.

"Wenn Sie Ihr Land lieben, müssen Sie gegen Trump stimmen", sagt Salter: "Selbst, wenn das bedeutet, Hillary Clinton zu wählen."

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insgesamt 254 Beiträge
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kasam 29.02.2016
1. Ich glaube nicht, das die Amerikaner nicht schnallen,
wer Trump ist. Das jetzt der konservativste Republikaner einen Appell startet, Trump nicht zu unterstützen ist ja wirklich schon jämmerlich. Wenn die Wahlmänner Trump wählen, dann haben sie den auch verdient----
mielforte 29.02.2016
2. Peer Steinbrück auf amerikanisch...
Als Elefant im Porzellanladen die Aufmerksamkeit auf den/die Gegenkandidaten/in lenken. Gut gemacht, Donald. Dabei wärst du nur das kleinere Übel gewesen.
omop 29.02.2016
3. Was soll die Hysterie?
Ein Vergleich mit Stalin, Pol Pot ist an Absurdität nicht mehr zu überbieten. Der Typ wird die USA nicht schlechter regieren als Reagan. Und ein gutes Verhältnis zu Russland ist genau das richtige Signal..
euro-paradies 29.02.2016
4. Also ich drücke ihm die Daumen - schlimmer
als der Obama kann er auch nicht regieren.
nano-thermit 29.02.2016
5. Naja
Obama, Killary, oder die anderen Bushs. Alles Freunde der Banken und des endlosen Krieges im Namen des Westens. Ganz toll. Was soll an Trump schlimmer sein als bisher? Dass er von Goldman Sachs nicht kontrolliert wird? Er ist ja schön eng verbunden mit AIPAC und JDL. Also eigentlich voll kontrollierbar. Seine Tochter hat konvertiert und er ist ein Freund israels. Was also ist falsch an ihm?
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