Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Kandidat Trump: Das hässliche Amerika

Ein Kommentar von , Washington

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump Zur Großansicht
AP

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump

Wenn Donald Trump an diesem Super Tuesday gewinnt, wird er wohl der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Es wird höchste Zeit, dass sich das andere Amerika gegen ihn erhebt.

So hat man sich als Europäer schon lange nicht mehr vor Amerika gefürchtet: Der Demagoge Donald Trump, der gegen Ausländer Stimmung macht und Behinderte veralbert, dürfte bei den Vorwahlen an diesem Super Tuesday in den USA der große Gewinner werden. Alles andere wäre eine Überraschung.

Die Umfragen sagen voraus, dass er in den meisten der Bundesstaaten, in denen er als Kandidat zur Wahl steht, siegen wird. Das wahre Schreckensszenario geht aber so: Trump zieht am Ende sogar ins Weiße Haus ein, wir Europäer wären fortan eingezwängt zwischen dem eiskalten Zyniker Wladimir Putin auf der einen und dem narzisstischen Lautsprecher Trump auf der anderen Seite. Die internationale Politik würde noch komplizierter als sie ohnehin schon ist, Konflikte würden wohl nur noch in Wildwest-Manier ausgetragen.

Von der Wutwelle zur Nominierung getragen

Trump ist aus europäischer Perspektive die Inkarnation des rücksichtslosen, militaristischen amerikanischen Super-Kapitalisten. Tatsächlich ist es eine Wutwelle, die Trump zur Nominierung trägt. Ihn unterstützen vor allem frustrierte Angehörige der weißen Mittelschicht, die sich seit der Finanzkrise auf der Verliererstraße wähnen. Trumps simples Versprechen, die USA "wieder großartig" zu machen, ist für sie eine Verheißung, für den Rest der Welt klingt es wie eine Drohung.

Aber: Mit einer Allianz der Frustrierten allein ist auch in den USA üblicherweise keine Wahl zu gewinnen. Wer bei der "General Election" im November siegen will, muss ganz andere Bündnisse schmieden: Zum Erfolg braucht es die Afroamerikaner, die Latinos, es braucht das moderate Bürgertum, das es entgegen aller deutschen Vorurteile natürlich auch gibt in den USA.

Alle diese Gruppen erreicht Trump nicht, er wirkt auf sie genauso abschreckend wie auf viele Europäer. Ihre Stimmen verteilen sich zurzeit noch auf die vielen unterschiedlichen Kandidaten bei Republikanern und Demokraten. Sie wählen Hillary Clinton, Bernie Sanders, Marco Rubio oder John Kasich.

Man kann den Amerikanern nur wünschen, dass nach diesem Super Tuesday die Zersplitterung der Trump-Gegner bald ein Ende findet. Denn: Trump ist nur stark, solange seine Gegner uneins sind. Auch wenn die Trump-Hysterie derzeit alles übertönt - Trump ist nicht Amerika. Er steht nur für die hässliche Seite Amerikas.

Zum Autor
Roland Nelles
Christian Thiel

Roland Nelles ist Ressortleiter Politik und Mitglied der Chefredaktion.

  • E-Mail: Roland.Nelles@spiegel.de

Mehr Artikel von Roland Nelles

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 112 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Hoffentlich ...
schmuella 01.03.2016
wird es Trump. Die Fäden ziehen sowieso andere im Hintergrund. Aber mit Trump gewinnt die ganze Sache an Unterhaltungswert.
2.
Jor_El 01.03.2016
Es wird nicht lange dauern bis hier im Forum jenes hässliche Amerika vom hässlichen Deutschland unterstützt wird.
3. Trump
Hank Hill 01.03.2016
ist ein Demagoge. Wenn die Menschen ihn aber wollen kann er ohne Weiteres gewählt werden. So funktioniert Demokratie. Ich kann mich noch an das Geschrei erinnern als Reagan gewählt wurde. Ein Schauspieler, wie kann das sein. Aber was haben mich meine amerikanischen Kollegen damals verarscht als auf den eloquenten Schmidt Kohl folgte. Das Land der Dichter und Denker, und dann einen Simpel wie Kohl. Übrigens ist Schauspieler ein ehrenwerter Beruf. Es gibt genug Politiker bei uns, die keinen Tag in einem Job gearbeitet haben sondern von den Jugendorganisationen ihrer Partei in Amt und Würde gehoben worden sind. Und die wissen selten wie das wahre Leben "draußen" funktioniert. Daher ihre weltfremden Entscheidungen.
4. Es sagt viel über den Stand ...
Listkaefer 01.03.2016
... von politischer Bildunv in den USA, dass ein Mann wie Trump Millionen Unterstützer hat. Noch schlimmer ist das für die Republikanische Partei, die mit solchen Figuren für Europäer nur noch abschreckend ist. Ein stupider G.W. Bush war genug dafür, die Welt in Flammen zu setzen. Noch so ein Präsident für die Weltmacht wäre ein globales Desaster.
5. Schwacher Artikel...
radioactiveman80 01.03.2016
"Hey, Trump ist voll böse, und wir Europäer sind dann ganz arm dran, aber man mag es kaum glauben: es soll auch normale Amerikaner geben! Hoffentlich wählen die für uns gegen den doofen Trump!" Ist das wirklich alles? Spannender wäre die Frage: warum hat Trump die bisherigen Erfolge? Wie würde ein Präsident Trump mit der Regierungsfealität umgehen? Wie sähe sein Schattenkabinett aus, wer würde wirklich die Fäden ziehen? Wäre ein Demokrat wirklich besser? Ist Europa nicht selber schuld dass es vor Trump (angeblich) zittern muss, so uneins wie es dasteht? Es ist doch wirklich ein Zeichen großer Schwäche, dass wir Europäer nur darauf hoffen, dass die Amerikaner "für uns" bloß nicht den "falschen Präsidenten" wählen. Aber die Amerikaner wählen nicht für uns, sondern für sich. Das sollte uns mal langsam klar werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Melanie Trump: Die Vielleicht-First-Lady

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | USA-Reiseseite

Animation


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: