Super Tuesday Muskelprotze und Moralisten

In zehn Staaten kämpfen die Republikaner am Dienstag um die US-Präsidentschaftskandidatur. Am spannendsten wird es in Ohio. Wer wird gewinnen? Wenn es nach den Bürgern von Columbus geht, am liebsten einer, der gar nicht am Start ist.

SPIEGEL ONLINE

Aus Ohio berichten und (Video)


In Columbus geht nichts mehr. Ausgebucht sind die Hotels in Ohios Hauptstadt, Straßen sind gesperrt, Parkplätze voll. Am Dienstag stehen hier die entscheidenden Vorwahlen des Super Tuesday an. Wer wird der Präsidentschaftskandidat der Republikaner? Das Duell des moderaten Mitt Romney gegen den erzkonservativen Rick Santorum soll sich hier im Mittleren Westen entscheiden.

Aber deshalb ist an diesem Wochenende keineswegs die halbe Welt nach Columbus in Ohio gereist. Die Leute sind nicht wegen Romney, Santorum und Co. da. Sie sind wegen Arnold Schwarzenegger gekommen. Wegen ihm und seiner Bodybuilder-Show.

Auf der "Arnold Classic" im Convention Center von Columbus messen sich gut 20.000 Muskelprotze in allen denkbaren Disziplinen, vom Gewichtheben bis zum Geräteturnen. Aufgepumpte Blondinen preisen Eiweißgetränke an, eine halbnackte Truppe in Army-Klamotten mit echtem Panzer im Hintergrund verspricht die "Granaten-Diät". Und Schwarzenegger, der republikanische Ex-Gouverneur von Kalifornien, hat die Messe begründet. Warum ausgerechnet hier? Weil sie ihn in Columbus einst zum "Mr. World" kürten. 1970 war das und Schwarzenegger gerade mal 23 Jahre alt als alles anfing.

Schwarzenegger redet Amerika stark

Seitdem sei Ohio zu seiner "zweiten Heimat" geworden, hat er am Freitag gesagt. Da durfte er eine Schwarzenegger-Bronzestatue enthüllen, zweieinhalb Meter hoch, vorm Kriegerdenkmal in Columbus. "Kein Land, keine Diktatur, kein Reich war jemals so mächtig und wichtig wie die Vereinigten Staaten", hat er gesagt. Dann war da noch dieser Zwischenrufer, der ihn ständig an seine Noch-Ehefrau und diese Affäre mit der Haushälterin zu erinnern versuchte. Das Problem löste einer seiner Fans. Er stieß den Mann nieder.

Stark, mächtig und wichtig. Für Ohio jedenfalls ist das Vergangenheit. Der alte Industriestaat hat massiv zu leiden unter Strukturwandel und Wirtschaftskrise. Stahlfirmen, Autofabriken, Reifenwerke - der Staat im Nordosten produzierte, was Amerika groß machte. Jetzt sind Hunderttausende arbeitslos, Fabrikhallen stehen leer. Die USA im Kleinen. Dennoch: Seit wenigen Monaten geht es wieder aufwärts, etwas jedenfalls. Gerade ist die Arbeitslosenquote in Ohio unter acht Prozent gefallen und liegt damit knapp unter Amerikas Durchschnitt.

Von Erholung aber wollen sie auf der Fitnessmesse noch nichts wissen. "Die Benzinpreise und das ganze Zeug, das bringt uns kleine Leute um", sagt Bodybuilder Mike, der auf Schwarzeneggers Muskel-Jahrmarkt an diesem Tag seinen 44. Geburtstag feiert. Er ist nicht in Feierlaune: "Alles wird teurer." Wer das Rennen bei den Republikanern machen wird? Mike zuckt die Schultern. Ist ihm egal, bringt eh nix. "Arnold for President!", ruft ein Muskelprotz in die Runde. Da lächelt Mike. Das gefällt ihm.

"Mitt Romney wird der Kandidat werden", sagt Vince, 39, aus Columbus: "Aber nur, weil es an starken Kandidaten mangelt." Auch Tom Kowalsky, 27, tippt auf Romney: Der sei ein Geschäftsmann und Jobs seien nun mal "das größte Thema" in Ohio. Um die Ecke feuert ein Bodybuilder mit Army-Haarschnitt seinen Kollegen zu Klimmzügen an. Sein Kandidat? "Santorum ist der Mann!", ruft er: "Santorum! Santorum! Santorum!" Dann lässt sich sein Kumpel fallen.

Sehnsucht nach einem neuen Moses

Eine gute Autostunde die Interstate 71 immer nach Norden hoch interessieren Benzin, Jobs und Steuern weniger. In Mansfield geht es um Moral. Dort haben die 500 Mitglieder der "Diamond Hill Cathedral", einer freikirchlichen Gemeinde, Jesu Leben in 70 Szenen mit mehr als 300 lebensgroßen Wachsfiguren nachgestellt. Der Besucher kann den "Bible Walk" machen, das Abendmahl bestaunen (ein Original von Madame Tussauds aus London) oder der Kreuzigung (mit Lichtspiel) beiwohnen.

Nebenan proben Gemeindemitglieder ihr neues Theaterstück. Thema: Der Auszug der Israeliten aus Ägypten. Das passt irgendwie. Denn alle hier sind enttäuscht von Amerika, Version 2012. Sie alle haben die Sehnsucht nach einem neuen Moses, der sie aus dem Elend herausführt. Wer das für sie sein könnte, wird schnell klar. "Wir müssen unser Land auf einen anderen Pfad führen", sagt Dara Garcia, eine der Hauptakteure im Theaterstück. Die 30-Jährige meint, die Amerikaner hätten "Gott aus den Augen verloren". Es brauche jetzt einen Mann im Weißen Haus, "der aufsteht und unsere Prinzipien wieder aufleben lässt".

Wenn es nach den Gläubigen von Mansfield geht, dann soll dieser Mann Rick Santorum sein.

"Er ist bodenständig", sagt Clint Harden. Natürlich werde er von den Medien wegen seiner Vorstellungen zur Empfängnisverhütung (Santorum ist dagegen) attackiert, man gebe ihm ja kaum die Möglichkeit, andere Themen anzusprechen, die Grenzsicherheit zum Beispiel. Na gut, wendet Dara Garcia ein, Santorum habe es mit der Verhütungsgeschichte "ein bisschen zu weit getrieben, aber die Medien lassen uns natürlich auch nur das sehen, was sie uns sehen lassen wollen".

Die Unterstützung für den Rechtsaußen ist hier unerschütterlich. Da mögen die Leute an der liberalen Ostküste die Köpfe schütteln über Santorums jüngste Attacke auf eine alte Rede von John F. Kennedy. Hilft alles nichts. Der frühere Präsident - Katholik wie Santorum - hatte einst im Wahlkampf versichert, er werde sich selbstverständlich keine Befehle aus Rom geben lassen. Mit dieser Rede, kritisiert nun Santorum, habe die unselige Trennung von Kirche und Staat ihren Anfang genommen. "Wenn das Volk Gottes aufstehen und seinem Wort folgen würde", sagt Jackie Salas im Gemeindezentrum von Mansfield, "dann wäre das Land in besserer Verfassung."

Sie werde am Super Tuesday "allein nach moralischen Gesichtspunkten wählen", sagt Jackie Sales. Santorum? Sie nickt.

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monza 06.03.2012
1. Falsche Videobilder
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEIn zehn Staaten kämpfen die republikanischen Kandidaten am Dienstag um die US-Präsidentschaftskandidatur. Am spannendsten wird es in Ohio. Wer wird das Rennen machen? Wenn es nach den Bürgern von Columbus ginge, am liebsten einer, der gar nicht am Start ist. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819250,00.html
Wieso werden auf Spiegel-Online eigentlich immer wieder Videobilder zum Anklicken angezeigt, die dann nachher im Video garnicht auftauchen??? Das ist sehr ärgerlich, unbefriedigend und nervt!
ANDIEFUZZICH 07.03.2012
2. Memorykarten
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEIn zehn Staaten kämpfen die republikanischen Kandidaten am Dienstag um die US-Präsidentschaftskandidatur. Am spannendsten wird es in Ohio. Wer wird das Rennen machen? Wenn es nach den Bürgern von Columbus ginge, am liebsten einer, der gar nicht am Start ist. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819250,00.html
Anscheinend kämpfen die mit Gogogirls... Da bin ich echt gespannt, welche Cheerleaders am Ende die Nase vorne haben, wie man im Politjargon so sagt.
general.brathahn 07.03.2012
3. Ehrlich gesagt interessiert mich das nicht
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEIn zehn Staaten kämpfen die republikanischen Kandidaten am Dienstag um die US-Präsidentschaftskandidatur. Am spannendsten wird es in Ohio. Wer wird das Rennen machen? Wenn es nach den Bürgern von Columbus ginge, am liebsten einer, der gar nicht am Start ist. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819250,00.html
... wer da um sein Ding kämpft. Eigentlich ist es egal, wer da was wird. Ich verstehe die Propaganda der Medien auch nicht.
marypastor 07.03.2012
4. Na siehste,
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEIn zehn Staaten kämpfen die republikanischen Kandidaten am Dienstag um die US-Präsidentschaftskandidatur. Am spannendsten wird es in Ohio. Wer wird das Rennen machen? Wenn es nach den Bürgern von Columbus ginge, am liebsten einer, der gar nicht am Start ist. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819250,00.html
ist doch alles nur Theater.
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