Super Tuesday Romney will endlich durchstarten

Mitt Romney hat viel mehr Geld als seine Konkurrenten, die beste Organisation, den Rückhalt der Parteispitze - und ist noch immer nicht der republikanische Präsidentschaftskandidat. In Ohio will er jetzt seinen Konkurrenten Rick Santorum abhängen. Der wehrt sich mit aller Kraft.

REUTERS

Aus Ohio berichten und (Video)


Logisch, es ist alles perfekt. Am Eingang gibt's Mitt-Romney-Fähnchen und den rückstandsfrei wieder ablösbaren Mitt-Romney-Autosticker und die bunten Mitt-Romney-Anstecker. Und, und, und. Örtliche Schönheiten in Mitt-Romney-T-Shirts tragen dafür Sorge, dass jeder Besucher der Kundgebung hier im Städtchen Zanesville im Osten Ohios auch die passenden Devotionalien erhält. Die Maschine läuft.

Der Multimillionär Romney mit der Multimillionen-Hochglanzkampagne will nichts anbrennen lassen. Schon gar nicht hier. Denn in Ohio findet am Dienstag die entscheidende Schlacht des Super Tuesday statt, an dem in gleich zehn US-Staaten die Republikaner über ihren Präsidentschaftskandidaten entscheiden dürfen. Ohio, der Industriestaat im Mittleren Westen, gilt dabei als Amerika im Kleinen: Stadt und Land, Reich und Arm, viele Arbeiter. Zudem ist das Land ein Swing State, das heißt: Mal wählen die Leute hier bei Präsidentschaftswahlen demokratisch, mal republikanisch. Wer hier bei den Vorwahlen ein Zeichen setzen kann, qualifiziert sich als Mehrheiten-Macher. Umfragen sagen für den Abend ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem moderaten Romney und seinem erzkonservativen Rivalen Rick Santorum voraus.

"So viel Spaß bisher"

Für beide geht es um viel: Romney will endlich durchstarten. Siegt er in Ohio und holt insgesamt deutlich mehr als die Hälfte aller am Super Tuesday zu vergebenden Delegierten, ist ihm die Nominierung wohl kaum mehr zu nehmen. "Ich hoffe, dass ich die Unterstützung der Menschen hier in Ohio und in anderen Staaten bekomme. Wenn das klappt, werde ich der Präsidentschaftskandidat sein", sagt Romney. Siegt aber der finanziell schwach ausgestattete Santorum in Ohio, steht Romneys gesamte Kampagnenführung in Frage - und ein langer, harter Kampf mit Santorum bevor.

In Zanesville klettert Mitt Romney jetzt auf die Bühne. "Mitt is it", rufen vorne fünf, sechs Leute. Ein paar andere halten ihr Fähnchen hoch. "Hey", ruft Romney, "der Wahlkampf hat so viel Spaß gemacht bisher". Dann schiebt er hinterher: "Na ja, manchmal ist es ein bisschen anstrengend." Es folgt ein Dreifach-Lacher, den Romney stets tätigt und bei Alf, dem Außerirdischen und Serienstar aus den Achtzigern, abgeschaut zu haben scheint: "Ha-Ha-Ha." Vorne in Reihe eins lachen ein paar Fans mit.

Und dann ist zu spüren, wie wenig Spaß dem Kandidaten Romney das Ganze hier macht. Er feuert seine einstudierten Salven ab, eine nach der anderen: Dass Obama das Land in den wirtschaftlichen Niedergang getrieben habe, weil ihm ein sozialdemokratisches Modell wie in Europa vorschwebe; dass man Öl braucht, weil ein Auto nicht mit einer Windmühle fahren könne; dass es 100.000 zusätzliche Soldaten braucht und nicht weniger. Fertig. Er, der erfolgreiche Geschäftsmann, werde die Sache richten.

"Ohio, lass' das nicht zu!"

Bei Rick Santorum klingt das anders. Nicht nur, weil der Mann erkältet ist. Der 53-Jährige tritt in Westerville auf, ein paar Meilen nördlich der Hauptstadt Columbus. Er gibt den wütenden Mann von nebenan. Sich selbst und seinen mitgereisten beiden Söhnen hat er einen Santorum-Pullunder angelegt. Der symbolisiere, dass er aus dem Nirgendwo gekommen sei, sagt Santorum. Damals im Januar, als er mit Pullunder im Pick-up-Truck durchs eiskalte Iowa tourte und bei zwei Prozent in den Umfragen lag: "Aber jetzt sind wir hier." Es ist klar, was Santorum damit bezwecken will: Wir gegen die da oben, das ist sein Leitmotiv. Und ganz da oben stehen der Präsident und der schwerreiche Romney.

So sieht das Santorum, der selbst als Lobbyist in Washington Millionen gemacht hat. Aber hier in Westerville geht es ja um Romney. Und wie. "Es ist mir egal, wie viel Geld er hat", ruft Santorum: "Ohio, lass' das nicht zu! Steht uns bei! Helft uns! Wählt uns!" Santorum kämpft. Er weiß sehr genau, um was es in dem Elf-Millionen-Einwohner-Staat für ihn geht. Das gesamte Establishment der Partei versammele sich hinter Romney, "dem Typen, der zwölfmal so viel Geld ausgegeben hat wie ich". Aber die Republikanische Partei brauche "einen, der für Prinzipien steht". Und das ist, natürlich, er selbst.

Allerdings hat Santorum mit seinem Schwerpunkt auf "Prinzipien" den Wahlkampf in den letzten Wochen auch zu einer Auseinandersetzung über sozialkonservative Themen gemacht. Irgendwann ging es nicht mehr nur um den Kampf gegen Abtreibung, sondern auch die Verhütung als solche schien plötzlich zur Debatte zu stehen. Umfragen zeigen, dass sich landesweit Frauen in Scharen von den Kandidaten abgewendet haben. Selbst Romney, der sich in diesem Zusammenhang noch am liberalsten gab, sackte in der Gunst weiblicher Wähler ab. Einer Erhebung des "Wall Street Journal" zufolge würden gegenwärtig nur 37 Prozent der befragten Frauen für ihn stimmen; aber 55 Prozent für Präsident Obama.

Romney sucht den Sympathieverlust seit einigen Tagen damit zu kontern, dass seine Frau Ann mit auf die Bühne kommt und erklärt, warum Mitt ein klasse Typ sei, der die Wirtschaft wieder in Gang bringen könne. Frauen sei das wichtig, sagt sie: "Die wollen einen Job für ihre Kinder und keine Schulden." Santorum seinerseits erwähnt derzeit gern, dass seine Mutter berufstätig gewesen sei und sogar mehr Geld verdient habe als sein Vater.

Doch Santorum machen nicht nur die Frauen zu schaffen. Es ist auch Kontrahent Newt Gingrich. Weil der sich nicht aus dem Rennen zurückziehe, spalte er das "Anti-Romney-Lager", beschwerte sich Santorum am Wochenende auf Fox News. Wenn Gingrich etwa in Michigan vor einer Woche nicht mehr angetreten wäre, "dann hätte ich leicht gewonnen". Nun ja, jetzt müsse man eben Georgia abwarten. In dem Südstaat, den Gingrich seine Heimat nennt, entscheidet sich am Super Tuesday wohl die Zukunft des früheren Sprechers des Repräsentantenhauses: Ein hoher Sieg in Georgia würde ihn gerade noch im Rennen halten, alles andere wohl sein Aus bedeuten. Das Rennen habe sich "zu einem Überlebensspiel" entwickelt, sagt Santorum.

In Zanesville bei Romney ist jetzt Schluss. "Ich liebe dieses Land. Ich glaube, dass ihr Dienstag das Richtige tun werdet", ruft er. Dann schüttelt er noch ein paar Hände. Lisa Snyder schaut zu. Die 62-Jährige ist eine Republikanerin aus dem Ort: "Es ist das Partei-Establishment, und es sind weniger die Leute, die ihn wollen", sagt sie mit Blick auf Romney, "nicht die durchschnittlichen Konservativen, nicht die Leute von der Basis."

Dann nimmt sie die Baseballkappe, die ihr die Romney-Leute in die Hand gedrückt haben und geht nach Hause.

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heyda 06.03.2012
1. Es geht mir ...
... auf den Senkel, diese allgegenwärtige Berichterstattung über ein Ereignis, das gegenwärtig für uns ziemlich egal ist. Ich les auch nicht, aber es springt ins Auge und sucht nach Aufmerksamkeit. Schiebt es doch bitte ans Ende der Seite.
roastbeef 06.03.2012
2.
Zitat von heyda... auf den Senkel, diese allgegenwärtige Berichterstattung über ein Ereignis, das gegenwärtig für uns ziemlich egal ist. Ich les auch nicht, aber es springt ins Auge und sucht nach Aufmerksamkeit. Schiebt es doch bitte ans Ende der Seite.
Sie müssen es doch nicht lesen. Ist ja nicht so, daß man von Germanys Next Tomodel berichtet, dann hätten Sie Grund zur Beschwerde. Außerdem, wenn die Kandidaten schon sinnlos Millionen Dollar für Wahlwerbung verpulvern, haben Sie doch wenigstens den Anspruch darauf, daß die ganze Welt sie bewundert. Damit üben sie für das Präsidentenamt ;-)
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