Demokraten Clintons Strategie geht auf

Sie ist die klare Siegerin bei den Demokraten, ihr Rivale Bernie Sanders ist abgeschlagen. Der nächste Gegner für Hillary Clinton heißt nun Donald Trump - und sie weiß auch schon, wie sie ihn bezwingen will.

Aus Miami berichtet


Hillary Clinton steht auf der Bühne in einer zugigen Halle im Norden von Miami. In den meisten der wichtigen Bundesstaaten hat sie die Vorwahlen des Super Tuesday gewonnen, die Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei ist ihr nicht mehr zu nehmen. Nun spricht sie bereits wie eine Präsidentin: Sie wolle das Land zusammenführen, nicht spalten, sagt sie in ihrer Siegesansprache. Ihre Anhänger jubeln: "Hillary, Hillary". Und: "USA, USA, USA."

Hillary Clinton wirkt aufrichtig glücklich, erleichtert. Lange hat sie auf diese Chance gewartet. 2008 scheiterte sie mit ihrer Kandidatur gegen den jungen Senator Barack Obama. Jetzt kann sie es schaffen, ihren ärgsten Rivalen in der eigenen Partei, den linken Senator Bernie Sanders, hat sie abgeschüttelt. Zwischen ihr und dem Ziel, dem Einzug ins Weiße Haus, gibt es nur noch ein Hindernis.

Und das heißt: Donald Trump.

Es ist ihre große Chance, als erste Präsidentin in die Geschichte der USA einzugehen. Die will sie sich von dem Milliardär mit dem großen Flugzeug und dem noch größeren Ego nicht vermasseln lassen. Sie hat hart an sich gearbeitet. Während sie früher häufig arrogant und überehrgeizig wirkte, gibt sie sich in diesem Wahlkampf nahbar, kumpelhaft, locker.

Bei einer ihren vielen Wahlkampfreisen geriet sie zufällig in einem Lokal in eine Gruppe junger Männer, die gerade einen Junggesellenabschied feierten. Clinton posierte mit ihnen für ein Gruppenfoto, einige der Männer legten sich dafür auf den Teppich: "Ich liebe es, wenn Männer zu meinen Füßen niederknien", scherzte sie.

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Längst haben sich Clinton und ihre Berater auf den neuen Hauptgegner Trump eingestellt. Clinton will sich den Amerikanern in den verbleibenden Monaten bis zur Wahl als kluge, zuverlässige und fürsorgende Landesmutter präsentieren. Im Gegensatz zu Widersacher Trump, der bislang vor allem als Krawallbruder, Egomane und unberechenbarer Spieler erscheint. Clintons Botschaft ist klar: Mit ihm wählt ihr Untergang und Streit, mit mir Harmonie und die Zukunft.

Dabei haben sie im Clinton-Lager durchaus Respekt vor Trumps Wahlkampf-Finessen. Clintons wichtigster Berater, ihr Mann Bill, warnt bereits davor, Trumps Fähigkeiten im Wahlkampf zu unterschätzen. Sollte das Duell für die Wahl im November tatsächlich Trump versus Clinton lauten, müsse man mit einem sehr knappen Rennen rechnen. Trump habe ein sehr genaues Gefühl für die Stimmungen der Wähler, so Bill Clintons Einschätzung laut "New York Times". Und der demokratische Gouverneur von Connecticut, Dannel P. Malloy sagt: "Trump ist gerissen, er kennt die Ängste der Wähler, und er wird gegenüber Hillary Clinton vollkommen rücksichtslos sein."

Gleichwohl kann Clintons Taktik aufgehen. Im direkten Vergleich zu Trump sehen sie alle Umfragen auf nationaler Ebene in Führung. Vor allem bei den wichtigen Wählergruppen Frauen und Afroamerikaner liegt sie klar vor Trump. Das hat sich beim Super Tuesday erneut eindrucksvoll gezeigt: Sie konnte vor allem in den Südstaaten punkten, die einen hohen afroamerikanischen Bevölkerungsanteil haben.

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Clinton wird in den kommenden Monaten auf Zuspitzung setzen: Mit Anzeigenserien und in öffentlichen Auftritten wollen Clinton und ihre Berater Trump als Hasardeur und Choleriker darstellen, dem auf keinen Fall die Kontrolle über Amerikas Armee und noch weniger über die Atomwaffen übergeben werden dürfe. Ziel ist es, so im Lager der Unentschlossenen und bei moderaten Republikanern, die bisher vielleicht Marco Rubio oder John Kasich unterstützt haben, Wähler für Clinton zu gewinnen.

Gleichzeitig greift sie Themen auf, mit denen bislang ihr Rivale Bernie Sanders Erfolg hatte. Seine Unterstützer vom linken Rand will sie nun ebenfalls einsammeln. Bei ihrer Siegesansprache in Miami präsentiert sie sich als Anwältin der Arbeiterklasse, fordert höhere Einkommen für die Mittelklasse und attackiert US-Firmen, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. "Das lassen wir denen nicht durchgehen", ruft sie.

Doch Clinton weiß auch um ihre Schwachstellen: Sie muss sich darauf einstellen, dass Trump und seine Berater sie als typisches Politiker-Geschöpf aus der ungeliebten Hauptstadt Washington attackieren. Mit dem Versprechen, alles anders zu machen als die vermeintlich korrupte Elite in der Hauptstadt, punktet Trump zurzeit vor allem bei der Gruppe der weißen Männer. Gerne verweisen Trump-Fans auf die hohen sechstelligen Honorare, die Clinton in den vergangenen Jahren für Reden vor Wall-Street-Chefs kassiert hat.

Schmutzkampagne gegen Bill

Ein weiterer Schwachpunkt von Hillary Clinton: ihr Mann Bill. Schon jetzt bereiten Strippenzieher aus dem Trump-Lager eine Kampagne vor, die Bill Clintons als Mann darstellen soll, der wiederholt Frauen misshandelt habe. So wollen Trumps Büchsenspanner vor allem weibliche Wähler ins Lager des Milliardärs locken. Ob die Kampagne verfängt, ist indes fraglich.

Gatte Bill steht bereit, um seinerseits Trump im Wahlkampf hart zu attackieren - etwa mit Blick auf seine Anti-Ausländerpolitik oder einige undurchsichtige Immobiliengeschäfte. In einer Art familiärer Arbeitsteilung könnte Ehefrau Hillary sich so aus den allzu schmutzigen Scharmützeln heraushalten und weiter die Präsidentin in spe geben. Auch Noch-Präsident Obama soll sich bereits zu Attacken gegen Trump bereiterklärt haben.

Trump mag ein guter Wahlkämpfer sein, aber die Clintons haben ihr Handwerk eben auch gelernt.

Trump im Video: "Schon fünf wichtige Staaten gewonnen"

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insgesamt 77 Beiträge
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pigtime 02.03.2016
1.
Zitat SPON: "Gatte Bill steht bereit, um seinerseits Trump im Wahlkampf hart zu attackieren - etwa mit Blick auf seine Anti-Ausländerpolitik oder einige undurchsichtige Immobiliengeschäfte." Mit undurchsichtigen Immobiliengeschäften kennen sich die Clintons aus. Hier in Deutschland ist weitestgehend unbekannt, dass die Lewinsky-Affäre nur ein Ausfluss der Ermittlungen gegen die Clintons im Whitewater-Skandal war.
Theke 02.03.2016
2. Sanders
Ich sehe noch nicht, dass Clinton die Kandidatin der Demokraten wird. Für Herrn Nelles scheint das hingegen schon festzustehen. Seine Wunschkandidatin hat sich aus seiner Sicht durchgesetzt. So kann er freudetaumelnd in diesem Artikel schon mal auf den Kampf gegen Trump einstimmen. Ich drücke jedenfalls weiterhin Sanders die Daumen, der für ein gerechteres und friedlicheres Amerika steht. Auch Trump wäre ein besserer Präsident, als Clinton, die maßgeblich an den amerikanischen Interventionen der letzten Jahre beteiligt war.
nivh 02.03.2016
3.
wie SPON den Bernie schon abschreibt nachdem gerade mal ein Bruchteil des Landes abgestimmt hat ... SPON, Kapitalisten durch und durch.
Jarek M 02.03.2016
4. Der nächste Gegner für Hillary Clinton heißt nun Donald Trump
? Sie hat zuerst nicht mal 1/4 von den notwendigen Stimmen (lassen wir erstmal die Superdelegierten außer acht). Clinton konnte die afroamerikanische Bevölkerung des Südens für sich gewinnen, weil viele unerklärlicherweise denken, sie würde für ihre Belange kämpfen. Sie wird in den "weißen" Staaten des Nordens verlieren, in Kalifornien krachend.
martinus1959 02.03.2016
5. Hillary Clinton hat nur im Süden gesiegt
Die schwarze Bevölkerung im Süden hat Hillary Clinton den Sieg gegeben. Aber mehr Nördlich verliert Sie dreimal und gewinnt nur knapp in Massachusetts (52-48%). Es ist noch gar nicht gelaufen dieses Rennen. Denn die Nördliche Staaten sind jetzt daran. Und Tulsi Gabbard (Hawai), ein sehr populaire representative in das Congress, hat ihr Sitz als vice-vorsitzende der demokratische Partei vorgestern aufgegeben um Bernie Sanders zu unterstützen. Das könnte Bernie Sanders den Sieg in California geben und auch wo anders den, knappen, Sieg bringen. Also mal sehen was geschehen wird!
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