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Suruc in der Türkei: Anschlag auf die Solidarität und die Jugend

AFP

Sie kamen, um in Kobane beim Wiederaufbau zu helfen - Dutzende Jugendliche wurden in der türkischen Stadt Suruc Opfer eines Anschlags. Verübt wurde er womöglich von einer IS-Selbstmordattentäterin.

Sie kamen aus dem türkischen Istanbul, Izmir und Adana und sie wollten nach Syrien, um zu helfen. Doch was als Solidaritätsaktion begann, endete in einer Katastrophe. Am Montag starben mindestens 30 Menschen - überwiegend Jugendliche - bei einem Anschlag in der türkischen Stadt Suruc an der Grenze zu Syrien. Rund hundert wurden verletzt.

Augenzeugen berichten von grauenvollen Szenen. Überall in dem Garten des Veranstaltungszentrums seien Körperteile verteilt gewesen. Es habe entsetzliche Schreie gegeben, berichtete CNN.

Zu der Tat bekannte sich bisher niemand. Laut Ministerpräsident Ahmet Davutoglu geht der Anschlag ersten Erkenntnissen zufolge auf das Konto der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Sollte sich dies bewahrheiten, war es der erste IS-Anschlag in der Türkei. Gouverneur Abdullah Ciftci hatte zuvor von einem Selbstmordangriff gesprochen. Er sagte der britischen BBC, dass man derzeit von einer Täterin ausgehe. Der "Islamischer Staat" (IS) beherrscht im benachbarten Syrien und im Irak riesige Gebiete.

Die Opfer wollten helfen

Mit dem Amara-Kulturzentrum haben sich der oder die Täter einen Ort ausgesucht, der für Solidarität steht. Das Zentrum wird von der kurdischen Stadtverwaltung betrieben. Im vergangenen September war das Zentrum eine Anlaufstelle für Tausende Flüchtlinge, die in nur wenigen Tagen vor den Kämpfen im nahe gelegenen syrischen Kobane nach Suruc flohen. Sie erhielten im Garten erste Versorgung, Essen und Unterkunft. Im Bezirk Suruc wurde außerdem ein Lager für Tausende Flüchtlinge aufgebaut.

Auch die Opfer des Attentats waren in dem Kulturzentrum untergekommen. Sie waren Anhänger einer sozialistischen Organisation (SGDF) und wollten nach Kobane reisen, um die Stadt wieder aufzubauen. Der IS hatte Kobane während seiner Belagerung fast vollständig zerstört. Die SGDF sympathisiert mit den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), die in Syrien gegen den IS kämpfen. Auch das nährt Spekulationen, dass der Anschlag ein Racheakt der Terrormiliz sein könnte.

Suruc liegt nur rund zehn Kilometer von Kobane entfernt und wird überwiegend von Kurden bewohnt. In dem Ort sind aber auch immer noch Anhänger des IS aktiv.

Kurz nach der Explosion in Suruc wurden in Kobane mindestens zwei Kämpfer der YPG durch eine Autobombe getötet. Kurdensprecher Idriss Nassan sagte, die Bombe sei an einem Kontrollpunkt in der Nähe einer Schule explodiert. Bisher ist nicht klar, wer für die Explosion verantwortlich ist.

ler/dpa/Reuters

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