Swat-Tal Taliban peitschen Frau in Pakistan öffentlich aus

Brutale Strafe im nordpakistanischen Swat-Tal: Radikal-islamische Taliban haben unter den Augen mehrerer Zuschauer eine Frau auspeitschen lassen. Die 17-Jährige soll eine Affäre mit ihrem Schwiegervater gehabt haben.


Islamabad - Mit der öffentlichen Auspeitschung einer jungen Frau haben die radikal-islamischen Taliban im nordpakistanischen Swat-Tal Entsetzen in weiten Teilen des Landes ausgelöst. Fernsehsender strahlten am Freitag ein Video aus, auf dem zwei bärtige Männer die Frau auf dem Boden halten und ein dritter Mann ihr mehr als 30-mal auf den Rücken schlägt, während Zuschauer die Bestrafung schweigend beobachten.

Die mit einer Burka verschleierte Frau, die nach einem Bericht des Nachrichtensenders Geo TV 17 Jahre alt ist, schreit währenddessen: "Um Gottes Willen, hört auf, bitte hört auf." Taliban-Sprecher Muslim Khan sagte, die Frau habe drei Jahre lang eine Affäre mit ihrem Schwiegervater gehabt.

Beide hätten die "Sünde" gestanden, sagte Khan. Der Schwiegervater sei auch bestraft worden. Die Bestrafung der Frau sei richtig gewesen, hätte allerdings besser nicht öffentlich stattfinden sollen.

Die Vorsitzende der Pakistanischen Menschenrechtskommission, Asma Jehangir, verurteilte die Brutalität der Taliban. "Es ist feige, wie die Frauen terrorisiert werden", sagte sie in der ostpakistanischen Stadt Lahore. "Unsere Regierung ist verantwortlich dafür." Die Regierung hatte im Februar ein umstrittenes Friedensabkommen mit den Taliban im Swat-Tal geschlossen. Demnach werden in Swat islamische Scharia-Gerichte eingeführt. Die Regierung habe die Menschen in der Region den Taliban ausgeliefert, kritisierte Jehangir.

Taliban-Sprecher Khan betonte, zu der jetzt per Video verbreiteten Auspeitschung sei es bereits vor dem Abkommen und der Einführung von Scharia-Gerichten gekommen, die die Frau ansonsten zum Tode verurteilt hätten. "Unter islamischen Richtern wäre sie gesteinigt worden."

Zu dem Vorfall kam es in Kabal, nur rund 140 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Swat war bis zum Jahr 2007 Ziel vieler Reisender. Unter dem radikalen Geistlichen Maulana Fazlullah nahmen die Taliban dann den Kampf gegen die Regierung auf. Der Armee gelang es trotz mehrerer Offensiven nicht, die Aufständischen zu besiegen.

amz/AP/dpa

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