Terror in Australien Geiselnehmer von Sydney ist bekannter Islamist

Er schickte Hassbriefe an die Familien toter Soldaten, belästigte Frauen sexuell und hetzte im Internet: Man Haron Monis ist der Geiselnehmer von Sydney. Der Islamist stammt aus Iran.


Hamburg/Sydney - Die australischen Behörden haben den Namen des Geiselnehmers von Sydney veröffentlicht. Es handelt sich um den gebürtigen Iraner Man Haron Monis.

Der Mann lebt seit 1996 in Australien. Er floh aus seiner Heimat, weil er wegen seiner liberalen Auslegung des Islams in Iran verfolgt wurde. Unter anderem hatte das Regime in Teheran seine Frau und Kinder festgehalten. Canberra gewährte ihm Asyl.

Damals war Monis noch ein schiitischer Ajatollah. In Australien wurde aus dem Schiiten ein radikaler Sunnit. "Ich war ein Rafidi, aber nicht mehr. Ich bin ein Muslim, Allah sei gepriesen", schrieb er im Dezember auf seiner Internetseite. Sunnitische Extremisten bezeichnen Schiiten als "Rafidi", zu Deutsch "Ablehner", weil sie die Herrschaft der ersten Kalifen als unrechtmäßig ablehnen.

Monis, der sich selbst als "Sheikh Haron" bezeichnen lässt, hat in den vergangenen Jahren mit Briefen an die Familien gefallener australischer Soldaten für Aufsehen gesorgt. Konkret ging es ihm um Soldaten, die bei ihrem Einsatz in Afghanistan getötet wurden. In den Schreiben bezeichnete er die Toten unter anderem als "schmutzige Schweine". Er forderte die Familien der Gefallenen auf, sich für einen Abzug der australischen Truppen vom Hindukusch einzusetzen. Monis bezeichnete sich selbst als Friedensaktivist, wurde aber dennoch im vergangenen Jahr für die Briefe zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Seine Ex-Frau wurde ermordet

Im November 2013 wurde Monis wegen Beihilfe zum Mord an seiner Ex-Frau Noleen Hayson Pal angeklagt. Die Frau war im April vergangenen Jahres niedergestochen und anschließend angezündet worden. Monis' neue Partnerin Amirah Droudis soll die Frau umgebracht haben, er selbst habe ihr dabei geholfen, so die Anklage.

Knapp vier Wochen später entließen die Behörden das Paar jedoch auf Bewährung, weil die Indizien nicht ausreichten. Monis beschuldigte die iranischen und australischen Geheimdienste, sie versuchten ihm den Mord anzuhängen. Im Januar dieses Jahres protestierte er vor dem Gericht und behauptete im Gefängnis gefoltert worden zu sein. "Das ist ein Kriminalfall. Das ist ein politisches Verfahren", sagte Monis.

Zurück in Freiheit gab sich der 50-Jährige als spiritueller Heiler aus. In Zeitungsanzeigen präsentierte er sich als "Experte in Astrologie, Numerologie, Meditation und schwarzer Magie". Eine Frau, die eine Sitzung bei ihm in Anspruch genommen hatte, beschuldigte Monis, er habe sie sexuell belästigt. Später meldeten sich weitere Opfer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 50 sexuelle Übergriffe vor, der erste soll sich bereits 2002 ereignet haben. Er selbst bezeichnete die Vorwürfe als "Hexenjagd".

Auf seiner Internetseite hetzte Monis weiter: "Islam ist die Religion des Friedens, darum kämpfen wir Muslime gegen die Unterdrückung und den Terror der USA und seiner Verbündeten Großbritannien und Australien", schrieb er am Sonntag. "Wenn wir gegenüber den Kriminellen ruhig bleiben, können wir keine friedliche Gesellschaft haben."

Bis Montagabend australischer Zeit war auch seine Facebookseite noch online. Bevor sie gelöscht wurde, hatte sie fast 15.000 Fans.

syd



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