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Russisch-amerikanische Initiative: Assad gibt Friedensgesprächen keine Chance

REUTERS

Erstmals seit Wochen hat Syriens Diktator Baschar al-Assad eines seiner seltenen Interviews gegeben. Er stellte sich den Fragen argentinischer Journalisten. Dabei wies er den Vorwurf energisch zurück, Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Von der jüngsten Friedensinitiative hält er gar nichts.

Lima - Syriens Präsident Baschar al-Assad will weiter im Amt bleiben. "Rücktritt wäre Flucht", sagte Assad in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit argentinischen Medien. Rücktrittsforderungen aus dem Ausland, etwa von US-Außenminister John Kerry, wies er zurück. "Ich weiß nicht, ob Kerry oder jemand anderes vom syrischen Volk die Macht bekommen hat, in seinem Namen zu sagen, wer gehen und wer bleiben soll", sagte Assad im Interview mit der argentinischen Nachrichtenagentur Télam und der Tageszeitung "Clarín". Über die künftige Führung des Landes werde bei den Präsidentschaftswahlen 2014 entschieden.

Beschuldigungen, seine Regierung habe Chemiewaffen eingesetzt, stellte Assad als unglaubwürdig dar. "Wenn diese Waffen gegen eine Stadt oder ein Viertel eingesetzt worden wären, ist es glaubwürdig, dass es nur 10 oder 20 Opfer gibt?", fragte Assad, der dies den Angaben zufolge sogleich verneinte. "Ihr Einsatz würde den Tod von Tausenden oder Zehntausenden binnen weniger Minuten zur Folge haben. Wer könnte so etwas verheimlichen?", fragte er. Die Anschuldigungen sollten wahrscheinlich als "Auftakt" für ein internationales militärisches Eingreifen in den Konflikt dienen, sagte Assad.

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Chemiewaffen als rote Linie für ein Eingreifen im Syrien-Konflikt bezeichnet. Laut Kerry verfügen die USA inzwischen über "solide Beweise" für einen Chemiewaffeneinsatz durch die syrische Führung.

Assad bezweifelt Opferzahlen

Assad zeigte sich zwar offen für Pläne der USA und Russlands, eine internationale Konferenz zur Lösung des Syrien-Konflikts zu organisieren. Jedoch glaube er nicht, "dass viele westliche Länder wirklich eine Lösung für Syrien wollen", sagte Assad. Die Weltgemeinschaft mache sich falsche Vorstellungen. "Sie glauben, dass eine politische Konferenz den Terrorismus am Boden beenden kann. Das ist unrealistisch." Als Terroristen bezeichnet die syrische Regierung die von islamistischen Kämpfern unterstützten Rebellen im Land. Verhandlungen mit den Aufständischen lehnte er ab. "Kein Dialog mit Terroristen", sagte er. Friedensgespräche machten ohnehin keinen Sinn, da die Opposition zu zersplittert sei, als dass sich ein Abkommen aushandeln ließe.

Der Aufstand gegen Assad hat sich seit März 2011 zu einem blutigen Bürgerkrieg in Syrien ausgeweitet. Zehntausende Menschen wurden laut Uno und Menschenrechtsorganisationen in dem Konflikt getötet, Millionen weitere wurden in die Flucht getrieben. Assad zweifelte die Opferzahlen in dem Interview an und sprach lediglich von Tausenden Getöteten.

In der syrischen Hauptstadt Damaskus wurden am Samstag durch eine Autobombe mindestens drei Menschen getötet, wie das Staatsfernsehen berichtete. Der Sprengsatz sei im nördlichen Viertel Rokn-Eddin explodiert und habe fünf weitere Menschen verletzt. Das Staatsfernsehen schrieb den Anschlag Terroristen zu. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens fünf Toten und mehreren Verletzten in Lebensgefahr.

ler/AFP/Reuters

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1. optional
denkmal65 19.05.2013
1)"Die Anschuldigungen sollten wahrscheinlich als "Auftakt" für ein internationales militärisches Eingreifen in den Konflikt dienen, sagte Assad." Womit er wohl recht hat. und "Kein Dialog mit Terroristen" entspricht der Haltung der meisten (westl) Staaten. Ich halte den Mann für glaubwürdiger als manch us- amerikanischen oder gar türkischen Politiker. Erschreckend ist in dem Zusammenhang die Tatsache das unsere "freie Presse" immer wieder völlig unkritisch zum Werkzeug amerikanischer Kriegspropagande machen läßt.
2.
gr89 19.05.2013
Das mit den zahlreichen konkurrierenden Aufständischengruppen hatte Peter Scholl-Latour auch vor einiger Zeit schon erwähnt. Aber gut der Artikel kommt von "Reuters" da kann SPON ja nichts für. "Scholl-Latour: Da stellt sich ja schon die Grundfrage, wer überhaupt die Aufständischen vertreten soll? Sind das die Exil-Politiker, die sich seit 20 Jahren ein gutes Leben im Ausland geleistet haben oder sind es die Leute, die an Ort und Stelle gekämpft haben? Das ist an erster Stelle nicht die Freie Syrische Armee, die ein ziemlich zerrütteter Haufen ist, sondern es sind die Islamisten, die bereit sind zu sterben." Peter Scholl-Latour im tz-Interview: "Das ist ein Flächenbrand" | Politik (http://www.tz-online.de/aktuelles/politik/peter-scholl-latour-tz-interview-das-flaechenbrand-2901186.html)
3. Terroristen mit Anführungsstrichen
swirinoyo89 19.05.2013
Was sind Terroristen? Menschen die andere Menschen wahllos töten! Was passiert bei einer Explosion durch eine Autobombe? Es werden wahllos Menschen getötet. warum wird hier immernoch Terroristen in Anführungszeichen gesetzt?!?!?! Das sind doch eindeutig Torroristen, die sowas machen!!! Diesee Artikel träft wieder de Handschrift Raniah Salloum, die wahrlich kein bisschen Neutralität kennt!!!!
4. Friedensgespräche haben sicherlich nur....
joG 19.05.2013
....dann Erfolgsaussicht, wenn von Außen Sicherheit mit Gewalt durchgesetzt wird. Ohne dem wird es so viel Zeit, Zerstörung und leid brauchen, wie solche Prozesse brauchen. Man denke dabei bspw an den Libanon. Aber die Durchsetzung der Sicherheit mit Gewalt wäre auch blutig wiewohl weniger. Und dazu haben weder die UNO noch die NATO genügend Mut und Kraft.
5.
schneewittchen 19.05.2013
Danke!
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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