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Kriegsfolgen: Studie geht von halber Million Todesopfer in Syrien aus

Kämpfe in Aleppo: 470.000 Syrer sterben in Bürgerkrieg Fotos
REUTERS

Im syrischen Bürgerkrieg sind laut einer Nichtregierungsorganisation schon 470.000 Menschen getötet worden - doppelt so viele, wie die Uno bisher schätzt. 1,9 Millionen Menschen wurden demnach verwundet.

Seit 2011 regiert in Syrien die Gewalt, aus zunächst friedlichen Demonstrationen ist ein komplexer Krieg geworden. Eine Nichtregierungsorganisation veröffentlicht nun erschreckende Zahlen: 11,5 Prozent der syrischen Bevölkerung seien bereits getötet oder verletzt wurden. Dies ergab eine Studie des Syrian Centre for Policy Research (SCPR), aus der der britische "Guardian" exklusiv zitiert.

Auch der Reichtum des Landes und die Infrastruktur seien "beinahe ausgelöscht", heißt es in der Studie mit dem Titel "Confronting Fragmentation". Sie soll laut einem Eintrag auf der Facebook-Seite der Gruppe am Donnerstagmittag offiziell in Beirut vorgestellt werden.

Bei den Vereinten Nationen war bisher die Rede von rund 250.000 Todesopfern. SCPR gibt die Zahl nun mit 470.000 fast doppelt so hoch an. Der Großteil starb demnach an direkten Kriegsfolgen, etwa 70.000 Menschen erlagen ihren Verletzungen wegen mangelnder medizinischer Versorgung oder verhungerten.

Die Uno gebe die Zahl der Todesfälle niedriger an, weil sie während des Konflikts nicht auf ausreichende Informationen im Land zurückgreifen könne, sagte der Autor der Studie, Rabie Nasser, dem "Guardian".

Den Angaben zufolge wurden 1,9 Millionen Menschen verwundet. Die durchschnittliche Lebenserwartung habe 2010 noch bei 70 Jahren gelegen, 2015 sei sie auf 55,4 Jahre gesunken.

45 Prozent der Bevölkerung wurden der Studie zufolge vertrieben. Der wirtschaftliche Schaden durch den Krieg betrage Schätzungen zufolge knapp 226 Milliarden Euro. Der "Guardian" berichtet, für die Studie habe SCPR in Syrien recherchiert. Auch die Vereinten Nationen haben bereits aus Berichten der Organisation zitiert.

Wasserknappheit in Aleppo

In der Stadt Aleppo harren derzeit laut Uno-Angaben noch rund 300.000 Menschen aus, sie sind auf Wasser- und Essenslieferungen angewiesen. Die jüngsten Kämpfe haben dort nach Schätzungen des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) bisher rund 50.000 Menschen in die Flucht getrieben. "Die Kämpfe setzen den Menschen stark zu. Die Vertriebenen versuchen, ohne Schutz, Wasser und Nahrung unter sehr gefährlichen Bedingungen zu überleben", sagte die Leiterin der Syrien-Delegation des IKRK, Marianne Gasser.

Doku von syrischem Kameramann
Soldaten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad rücken derzeit mit russischer Luftunterstützung gegen die Rebellen in Aleppo vor. Der Westen hat dies wiederholt heftig kritisiert. Die massiven Bombardements Russlands zwangen Zehntausende Bewohner zur Flucht in Richtung Türkei. Trotz internationaler Appelle wird ihnen an der Grenze aber bislang die Einreise verweigert.

Steinmeier: "Wieder einmal an einem Scheideweg"

Am Donnerstag treffen sich im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz Vertreter der sogenannten Syrien-Kontaktgruppe zu neuen Beratungen. Neben US-Außenminister John Kerry, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch Vertreter Irans und Saudi-Arabiens zu dem Treffen erwartet.

"Unsere Bemühungen für einen Friedensprozess für Syrien stehen wieder einmal an einem Scheideweg", sagte Steinmeier. "Wie soll es möglich sein, am Verhandlungstisch nach Kompromissen zu suchen, während gleichzeitig bei Aleppo und anderswo mit immer größerer Brutalität Krieg geführt wird?"

aar/dpa

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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