Bericht von Hilfsorganisation 250.000 Kinder in belagerten Gebieten Syriens hungern

Rund einer Viertelmillion Kinder in Syrien mangelt es an Nahrung und Medikamenten. Das berichtet die Organisation "Save the Children". Die Kinder hätten jeden Glauben an eine hoffnungsvolle Zukunft verloren.

Essensausgabe im syrischen Masyaf
AP

Essensausgabe im syrischen Masyaf


Die Hilfsorganisation "Save the Children" hat ihren aktuellen Bericht über die Lage im Bürgerkriegsland Syrien veröffentlicht. Demnach leiden rund 250.000 Kinder in belagerten Gebieten unter Hunger. Sie hätten zudem kaum Zugang zu Medikamenten. "Die Kinder wachsen in einer Art Kriegskultur auf und es ist schwer einzuschätzen, was das für Langzeiteffekte auf sie haben wird", sagte Sonia Khush, die für Syrien zuständige Regionaldirektorin der Organisation.

Es gebe zahlreiche Berichte von Kindern, die aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung gestorben seien, sagte Khush vor Journalisten. Für den 27-Seiten-Bericht hat die Organisation eigenen Angaben zufolge mit 126 Müttern, Vätern und Kindern in den betroffenen Gebieten gesprochen sowie 25 Interviews mit lokalen Hilfsgruppen, Ärzten und Lehrern geführt.

"Die Angst bestimmt alles", sagte demnach eine Mutter in Ghuta. "Die Kinder warten darauf, dass sie mit dem Sterben an der Reihe sind." Auch Khush sagte, die Kinder hätten jeden Glauben an eine hoffnungsvolle Zukunft verloren.

Die Menschen in den belagerten Gebieten hätten oft noch nicht einmal Brot, berichtete eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation in Syrien, die anonym bleiben wollte. "Brot ist eines der größten Probleme." Viele Menschen hätten "Überlebens-Kunstformen" entwickelt. Sie kochten beispielsweise Suppe aus Gras.

Um zu kochen oder zu heizen, würden zahlreiche Kinder in zerbombten Häusern nach Holzmöbeln suchen, sagte die Mitarbeiterin - trotz des Risikos von einstürzenden Trümmerteilen oder weiteren Bombenangriffen.

Laut den Vereinten Nationen leben rund 474.700 Menschen in syrischen Gebieten, die entweder von Truppen des Machthabers Baschar al-Assad oder von Anhängern der Terrormiliz "Islamischer Staat" belagert sind. Seit rund einer Woche gilt in einigen Regionen Syriens eine Waffenruhe. Dennoch sind in den betroffenen Gebieten auch in dieser Zeit Dutzende Menschen ums Leben gekommen.

Für Mitte kommender Woche sind neue Friedensgespräche in Genf geplant, die Verhandlungen sollen nach fünf Jahren Bürgerkrieg mit Hunderttausenden Toten und Millionen Vertriebenen einen stabilen Frieden in das zerrüttete Syrien bringen. Doch die Wiederaufnahme der Verhandlungen ist ungewiss, das größte Oppositionsbündnis Syriens droht mit einer Absage.

aar/dpa/Reuters

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