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Syrien: Mindestens 45 Menschen bei Anschlägen getötet

Bei einer Anschlagsserie im syrischen Damaskus sollen Dutzende Menschen getötet worden sein, zahlreiche wurden verletzt.

Bei mehreren Anschlägen im größten Schiiten-Viertel der syrischen Hauptstadt Damaskus sind am Sonntag nach amtlichen Angaben mindestens 45 Menschen getötet worden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa waren es neueren Zahlen zufolge mindestens 58. Etwa weitere 110 seien verletzt, teilte das syrische Innenministerium mit. Unter den Opfern seien 25 Kämpfer einer regimetreuen Miliz sowie Zivilisten, hieß es weiter.

Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Sana wurde zunächst an einem Kontrollpunkt im Stadtbezirk Sajeda Sainab eine Autobombe gezündet. Als dann Rettungskräfte Opfern zu Hilfe kamen, hätten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von brennenden Gebäuden und zerfetzten Autos.

In einer zunächst nicht verifizierbaren Botschaft im Internet bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu der Tat. Darin wurden weitere Anschläge gegen Schiiten angekündigt. Auch für ähnliche Attentate in der Vergangenheit hatte der IS die Verantwortung übernommen.

Die Sajjida-Seinab-Moschee beherbergt das Grab einer Enkelin des Propheten Mohammed und ist eine wichtige Pilgerstätte schiitischer Muslime. Das Heiligtum war bereits im vergangenen Februar Ziel eines Anschlags, als zwei Selbstmordattentäter sich in die Luft sprengten und vier Menschen mit in den Tod rissen. Im gleichen Monat starben bei einem Anschlag auf einen Pilgerbus auf dem Weg nach Sajjida Seinab neun Menschen. Zu der Tat hatte sich die mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbündete al-Nusra-Front bekannt.

Mehr als tausend Syrer fliehen vor Kämpfen in die Türkei

Der Bürgerkrieg in Syrien hat bisher geschätzt 260.000 Tote gefordert. Hunderttausende sind auf der Flucht. Innerhalb von zwei Tagen sind neuen Angaben zufolge rund 1600 Menschen allein aus dem Nordwesten Syriens in die türkische Provinz Hatay geflohen. Die Flüchtlinge kämen vor allem aus Gebieten, die von Turkmenen besiedelt seien, teilte die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad am Sonntag mit. Sie würden auf Lager in den Provinzen Hatay, Sanliurfa und Gaziantep verteilt.

Hatay grenzt an die syrische Provinz Latakia, dem Kernland der schiitischen Alawiten, zu denen auch der syrische Machthaber Baschar al-Assad gehört. In den vergangenen Wochen hatte Russland das syrische Regime immer wieder mit Luftschlägen unterstützt, um Rebellen aus der Region zu vertreiben.

Turkmenen sind Nachfahren türkischer Volksgruppen. Sie leben in Syrien vor allem in den Provinzen Aleppo und Latakia sowie im Großraum Damaskus. Im syrischen Bürgerkrieg kämpfen Turkmenen in verschiedenen Rebellengruppen gegen Assad. Die Türkei sieht sich als Schutzmacht der Minderheit.

Opposition trifft Uno-Vermittler in Genf

In Genf gestalten sich unterdessen die Friedensgespräche zu Syrien schwierig. Noch vor dem ersten Treffen mit Uno-Vermittler Staffan de Mistura drohte die Delegation des Hohen Verhandlungskomitees (HNC), des wichtigsten syrischen Oppositionsbündnisses, mit ihrer Abreise. Sie machte ein Ende der "Verbrechen" der syrischen Regierung zur Bedingung für eine Teilnahme an den Verhandlungen. Die Oppositionsvertreter waren nach langem Zögern am Samstagabend in Genf eingetroffen. Inzwischen soll das Treffen mit dem Uno-Vermittler aber begonnen haben.

De Mistura hatte die Friedensgespräche am Freitag ohne die Opposition begonnen und zunächst eine Delegation der Regierung getroffen. Die Verhandlungen sollen den fünfjährigen Bürgerkrieg beenden.

Die Regimegegner verlangen, dass die Regierung in Damaskus die Blockade von Städten beendet, Hilfslieferungen für Notleidende durchlässt und Angriffe auf Zivilisten stoppt.

yes/Reuters/AP/dpa

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