Bürgerkrieg Dutzende Tote bei Luftangriffen auf Krankenhäuser in Syrien

Zeugenberichte gab es bereits, jetzt prangern unabhängige Helfer die Angriffe an: Die russische Luftwaffe und Assads Armee haben binnen vier Wochen zwölf Krankenhäuser in Syrien bombardiert. Dabei kamen laut Ärzte ohne Grenzen mindestens 35 Menschen ums Leben.

Russischer Luftangriff in der Provinz Idlib: "Alle Konfliktparteien setzen sich über das Recht hinweg"
REUTERS

Russischer Luftangriff in der Provinz Idlib: "Alle Konfliktparteien setzen sich über das Recht hinweg"


Vor rund vier Wochen, am 30. September, begann das russische Militär mit seinen Luftangriffen in Syrien. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) beklagt, dass seither die Zahl der Luftschläge gegen Krankenhäuser in dem Bürgerkriegsland "deutlich zugenommen" habe.

Insgesamt seien im Oktober zwölf Hospitäler in den Provinzen Idlib, Aleppo und Hama bombardiert worden, sechs von ihnen werden von MSF unterstützt. Insgesamt seien sechs Kliniken gezwungen gewesen, den Betrieb einzustellen, hieß es weiter. Vier Krankenwagen seien zerstört worden. Bei den Luftangriffen auf die Hospitäler wurden laut Ärzte ohne Grenzen mindestens 35 Patienten und Ärzte getötet und 72 weitere verletzt.

"Nach mehr als vier Jahren Krieg bin ich immer noch entsetzt darüber, wie leicht sich alle Konfliktparteien über internationales humanitäres Recht hinwegsetzen", sagte der MSF-Chef für Syrien, Sylvain Groulx.

Zehntausende Syrer sind in den vergangenen Wochen vor den Luftangriffen aus ihren Häusern geflüchtet. Wegen der fallenden Temperaturen brauchen sie dringend Hilfe. Bestehende Flüchtlingslager in Syrien könnten jedoch nicht alle Menschen aufnehmen, so MSF. Viele übernachten in Moscheen oder auf offenen Feldern im Freien.

"Wir werden für den anstehenden Winter Decken verteilen", sagte Groulx. "Aber die Hilfe ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die geflüchteten Familien brauchen Sicherheit. Derzeit leben sie nur von einem Moment zum nächsten und fragen sich, wann die nächste Bombe fallen wird."

Die Außenminister der USA, Russlands, Saudi-Arabiens und der Türkei treffen sich am Donnerstag zu neuen Beratungen über den Syrienkonflikt in Wien. Nach den ergebnislos vertagten Gesprächen am vergangenen Freitag wollen US-Außenminister John Kerry und Russlands Außenminister Sergej Lawrow mit ihrem türkischen Kollegen Feridun Sinirlioglu und Saudi-Arabiens Ressortchef Adel Al Jubair in der österreichischen Hauptstadt erneut über einen möglichen Ausweg aus dem Bürgerkrieg sprechen.

Die Gespräche werden am Freitag in größerer Runde fortgesetzt, dann soll neben Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erstmals auch der iranische Chefdiplomat Mohammad Javad Zarif mit am Tisch sitzen.

syd/AFP



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