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Uno zu Madaja in Syrien: Hunderten Menschen droht der Hungertod

REUTERS

In der seit Monaten belagerten syrischen Stadt Madaja ist die Lage katastrophal, berichten Hilfsorganisationen. Die Vereinten Nationen fordern die sofortige Rettung von 400 Menschen. Syriens Regime bezeichnet die Berichte als "erfunden".

Die Stadt Madaja im Westen Syriens ist seit rund einem halben Jahr belagert, die Bilder von bis auf die Knochen abgemagerten Menschen hatten international Entsetzen ausgelöst. Am Montag konnte nun zum ersten Mal ein Hilfskonvoi in die Stadt vordringen - und nach Schilderung der Hilfsorganisationen ist die Lage dramatisch.

"Mehr als 400 Menschen sind am Rande des Todes" und müssten umgehend zur medizinischen Versorgung aus der Stadt geholt werden, sagte die US-Botschafterin bei der Uno, Samantha Power. Die Bewohner bräuchten dringend medizinische Hilfe, sagten mehrere Uno-Diplomaten nach einer Sicherheitsratssitzung in New York. Die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen, die an dem Konvoi beteiligt waren, hätten zuvor eine Bestandsaufnahme der Lage in dem Ort und des Zustands der Menschen gemacht.

Uno-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien informierte den Sicherheitsrat über die aktuelle Situation. Spanien und Neuseeland hatten um das Treffen gebeten. "Es ist ermutigend, dass ein Konvoi mit Hilfslieferungen in Madaja angekommen ist, aber das ist nur der Anfang", sagte Neuseelands Uno-Botschafter Gerard van Bohemen. "Wir brauchen ungehinderten und anhaltenden Zugang zu allen notleidenden Menschen in Syrien."

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Syrisches Madaja: Eine Stadt hungert
"Zivilisten aushungern ist eine unmenschliche Taktik, die vom Assad-Regime und seinen Verbündeten angewendet wird", sagte auch der britische Uno-Botschafter Matthew Rycroft in einer gemeinsamen Erklärung mit seinem französischen Kollegen François Delattre.

Der syrische Uno-Botschafter Bashar Jaafari betonte hingegen, es gebe gar keine Hunger leidenden Menschen in Madaja. Diese Berichte seien "erfunden". Es gebe aber das Problem, dass Terroristen Hilfslieferungen stehlen würden.

Video zur Hungersnot in Madaja: "Die Menschen essen Gras"

Am Montag hatte die lebensrettende Hilfslieferung Tausende vom Hungertod bedrohte Bewohner in Madaja erreicht. Die ersten Lastwagen des Konvois mit insgesamt 330 Tonnen Nahrung und Medikamenten fuhren am Montagnachmittag in den seit einem halben Jahr von Regierungstruppen eingeschlossenen Ort, wie Pawel Krzysiek, Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sagte.

Die Hilfe besteht neben Nahrung unter anderem aus Medikamenten für chronische Krankheiten, Schwangere und Säuglinge. Dem Syrischen Halbmond zufolge reicht sie aus, um die bis zu 40.000 Menschen in der Stadt 40 Tage lang zu versorgen. Das Uno-Büro für Nothilfekoordinierung (OCHA) berichtete in der Nacht zum Dienstag via Twitter, die Entladung der Lastwagen sei auch nach Mitternacht noch weitergegangen.

Insgesamt starben in Madaja seit Dezember nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) mindestens 28 Menschen wegen Mangelernährung - darunter sechs Kinder im Alter unter fünf Jahren. Erst am Sonntag bestätigte MSF fünf Todesfälle. Neben den Zivilisten befinden sich nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte etwa 125 Kämpfer der Rebellen in der Stadt. Spannungen zwischen ihnen und der Bevölkerung gebe es nicht.

Zeitgleich zu der Hilfe für Madaja traf eine Lieferung in den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kefraja im Nordwesten Syriens ein. Diese Dörfer werden von Regierungstruppen gehalten, auch dort war nach Angaben von Menschenrechtlern ein Mensch infolge der Blockade gestorben. Die Hilfslieferungen in Madaja und den beiden Dörfen gehen auf eine von den Vereinten Nationen vermittelte Abmachung zwischen dem Regime von Baschar al-Assad und Rebellen zurück.

Madaja liegt etwa 25 Kilometer westlich der Hauptstadt Damaskus. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schätzt, dass sich bis zu 40.000 Menschen in der Stadt aufhalten. Ärzte ohne Grenzen spricht von mehr als 20.000 Menschen. Eigentlich hat der Ort nur einige Tausend Einwohner, doch infolge von heftigen Kämpfen um die nahe Stadt Sabadani flohen viele Menschen nach Madaja.

aar/dpa/AFP

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1. Es gibt immer zwei Seiten
Freier.Buerger 12.01.2016
"Zivilisten aushungern ist eine unmenschliche Taktik, die vom Assad-Regime und seinen Verbündeten angewendet wird", sagte auch der britische Uno-Botschafter Matthew Rycroft in einer gemeinsamen Erklärung mit seinem französischen Kollegen François Delattre... Zivilisten in Geiselhaft nehmen ist genauso unmeschlich.
2. Was stimmt denn nun?
berlin1136 12.01.2016
Typischer Fall wo die rivalisierenden Teilnehmer des Konfliktes sich gegenseitig Beschuldigen. Wer mauert denn nun, um bedrohten Menschen zu helfen? Ich denke, dass kann weder Spon noch andere Foristen eindeutig klären.
3. Schrecklich
erzrotti 12.01.2016
Gegen die Zivilbevölkerung so vorzugehen ist verbrecherisch. Und das an die Adressen von Assad, den sogenannten Rebellen, Erdogan, den ukrainischen Regime, den USA-Regime...! Und natürlich auch Helfershelfer sind gemeint!
4. Wie wäre es denn ...
fridericus1 12.01.2016
... wenn die Bundeswehr - Tornados zum Abwurf von Lebensmitteln genutzt würden?
5. Was stimmt denn nun?
berlin1136 12.01.2016
Typischer Fall wo die rivalisierenden Teilnehmer des Konfliktes sich gegenseitig Beschuldigen. Wer mauert denn nun, um bedrohten Menschen zu helfen? Ich denke, dass kann weder Spon noch andere Foristen eindeutig klären.
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