Syrien Abschuss von F-16-Jet verschärft iranisch-israelischen Konflikt

Erstmals seit Beginn des Bürgerkriegs hat Syrien einen israelischen Kampfjet abgeschossen. Israel griff daraufhin weitere Ziele im Nachbarland an. Der Vorfall verschärft die Spannungen, auch mit dem Erzfeind Iran.

Teile einer syrischen Luftabwehrrakete in Alonei Abba, Israel
REUTERS

Teile einer syrischen Luftabwehrrakete in Alonei Abba, Israel


Die syrische Luftabwehr hat erstmals seit Beginn des Bürgerkrieges 2011 nahe der gemeinsamen Grenze einen israelischen F-16-Kampfflieger abgeschossen. Einer der beiden Piloten sei schwer verletzt worden, als sich die beiden mit dem Schleudersitz gerettet hätten, teilte ein Armeesprecher in Tel Aviv am Samstag mit.

Der Zwischenfall vergrößert Israels Spannungen mit Iran, der die syrische Regierung unterstützt. Israels Luftwaffe hatte zuvor rund ein Dutzend Ziele in Syrien attackiert. Nach dem Absturz des Jets flog sie erneut Angriffe auf das Nachbarland.

Die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte erklärte, Israel habe über mehrere Stunden Ziele im Umland von Damaskus und im Osten der Provinz Homs angegriffen. Die Organisation stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen, haben sich in der Vergangenheit aber häufig als wahr erwiesen.

Beschossen wurde offiziellen syrischen Angaben zufolge unter anderem der strategisch wichtige Militärflughafen T4. Er gilt als Stützpunkt der Armee und ihrer Verbündeten, die eng mit dem schiitischen Iran verbunden sind.

Eine syrische Rakete traf das Flugzeug auf seinem Rückweg nach Israel. Es stürzte im Norden Israels ab, wo die Alarmsirenen heulten. Bilder in sozialen Medien zeigten, wie einer der Piloten an einem Fallschirm zu Boden ging. Im Fernsehen waren Trümmer zu sehen, die von Fachleuten untersucht wurden.

"Seit 1982 ist ein israelisches Flugzeug nicht auf diese Art und Weise abgestürzt", zitierten lokale Medien den israelischen Luftwaffenkommandanten Tomer Bar.

Israel reagierte nach eigenen Angaben mit den Angriffen zunächst auf eine "iranische" Drohne, die am Morgen in israelischen Luftraum eingedrungen und abgeschossen worden sei. Der israelische Uno-Botschafter Danny Danon forderte den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf, solche "iranischen Provokationen" zu verurteilen.

Angriffe gegen die Hisbollah

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte am Abend nach Telefonaten mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Außenminister Rex Tillerson an, sein Land werde sich gegen jede Bedrohung verteidigen. Israel wolle Frieden, werde aber gegen iranische Versuche vorgehen, sich dauerhaft in Syrien festzusetzen, sagte er.

Das US-Verteidigungsministerium teilte mit: "Wir unterstützen Israels Recht, sich zu verteidigen, auf der ganzen Linie." Russland reagierte besorgt: Alle Seiten sollten Handlungen vermeiden, die die Lage weiter erschweren würden. Zudem müsse die Souveränität Syriens gewahrt werden. Russland unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Die mit Syrien verbündeten Milizen wiesen den Vorwurf zurück, eine iranische Drohne sei in Israels Luftraum geflogen. Das sei eine "Lüge und Verleumdung", hieß es in einer Stellungnahme. Die Drohne sei im Einsatz gegen die Terrormiliz IS gewesen. Die israelischen Luftangriffe seien ein "Terrorakt", heißt es in der Erklärung weiter. Auf jeden neuen Angriff werde es eine "harte Antwort" geben.

Iran finanziert die mit Israel verfeindete libanesische Schiitenmiliz Hisbollah, die an der Seite der syrischen Armee kämpft. Die israelische Luftwaffe hatte in den vergangenen Monaten mehrfach Angriffe gegen Ziele in Syrien geflogen. Beobachter gehen davon aus, dass sich die meisten gegen die Hisbollah richten. So will Israel verhindern, dass sich die Miliz weiter aufrüsten kann.

Die Hisbollah erklärte, der Abschuss des israelischen Jets läute "den Beginn einer neuen strategischen Phase ein, die der Verletzung des syrischen Luftraums und Landes Grenzen setzt".

lov/dpa/Reuters



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