Medizinische Versorgung Aleppos Ärzte bitten Obama um Hilfe

Die Lage in Aleppo spitzt sich zu: Trinkwasser wird knapp, Ärzte schildern dramatische Zustände in den Kliniken. Jetzt haben sich Mediziner in einem Brief an US-Präsident Obama gewandt - und ihn zum Handeln aufgefordert.

Rauch über Aleppo
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Es ist ein verzweifelter Appell: "Uns helfen nun keine Tränen mehr, kein Mitleid und nicht einmal Gebete", heißt es in dem Brief. "Wir benötigen Ihr Handeln." Unterzeichnet ist das Schreiben von 15 der 35 Ärzte, die noch immer im von Rebellen kontrollierten Osten der syrischen Stadt Aleppo praktizieren - trotz des Krieges. Ihr Adressat: US-Präsident Barack Obama.

Der Brief liegt mehreren Medien vor, unter anderem zitiert die Nachrichtenagentur AFP daraus. Demnach warnen die Mediziner: Ohne einen ständigen Versorgungskorridor werde sich der Hunger weiter ausbreiten. Die Vorräte der Krankenhäuser gingen vollends zu Ende. Die Ärzte schildern dramatische Zustände in den Kliniken der Stadt.

Die Rebellen haben in Aleppo seit dem Sommer 2012 mehrere Viertel im Osten in ihrer Gewalt. In den Gebieten leben nach verschiedenen Schätzungen noch 250.000 bis 275.000 Menschen. Die Regierungstruppen hatten Mitte Juli den Belagerungsring um die Viertel der Rebellen geschlossen, doch gelang es diesen kürzlich, das Viertel Ramussa zurückzuerobern - und damit die Belagerung zu durchbrechen.

"Was uns als Ärzte am meisten schmerzt, ist, dass wir Entscheidungen darüber treffen müssen, wer weiterleben soll und wer stirbt", heißt es den Angaben zufolge in dem Brief an Obama. "Manchmal werden kleine Kinder bei uns eingeliefert, die so schwere Verletzungen haben, dass wir jene vorziehen müssen, die bessere Überlebenschancen haben."

Video zur Lage in Aleppo: Kein Wasser mehr

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Als Ärzte hätten sie miterleben müssen, "wie zahllose Patienten, Freunde und Kollegen gewaltsame und qualvolle Tode starben". Die Detonationswellen einer Explosion hätten vor zwei Wochen die Sauerstoffzufuhr zu einem Brutkasten gekappt, vier Neugeborene seien gestorben, "bevor ihr Leben richtig begonnen hatte".

In ihrem Brief beklagten die Ärzte, sie hätten "keine Bemühungen seitens der USA gesehen, die Belagerung aufzuheben oder ihren Einfluss zu nutzen, die Kampfparteien zum Schutz von Zivilisten zu bewegen". Sie appellierten an den Präsidenten: "Zeigen Sie, dass Sie ein Freund des syrischen Volkes sind!"

Russland hat am Mittwoch eine tägliche dreistündige Feuerpause in der syrischen Stadt Aleppo angekündigt, damit Hilfsgüter für die eingeschlossene Zivilbevölkerung in den Ostteil der Stadt gebracht werden können. Die Kampfunterbrechungen sollen am Donnerstag beginnen und jeweils von 10 Uhr bis 13 Uhr andauern, sagte Generalleutnant Sergej Rudskoi vom russischen Verteidigungsministerium. In dieser Zeit würden "alle militärischen Aktionen, Luft- und Artillerieangriffe gestoppt".

Die Frage einer gemeinsamen Kontrolle der Lieferung von Hilfsgütern über die nördliche Castello-Straße sei mit den Vereinten Nationen und den USA diskutiert worden. Russland werde mit der Regierung in Damaskus zusammenwirken, damit die Sicherheit der Hilfslieferungen gewährleistet werde.

SPIEGEL TV Magazin (03.01.2016)

kev/AFP

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