Attacken in Ost-Ghuta Ärzte ohne Grenzen beklagen Angriffe auf Krankenhäuser

Im syrischen Ost-Ghuta wurden laut Ärzte ohne Grenzen auch Hilfseinrichtungen bei den Luftangriffen getroffen. Innerhalb von drei Tagen sollen allein 13 Gesundheitszentren attackiert worden sein.

Zerstörtes Gebäude in Ost-Ghuta
AP/ GMC

Zerstörtes Gebäude in Ost-Ghuta


Unter dem Kampf um das syrische Rebellengebiet Ost-Ghuta leiden auch zahlreiche zivile Einrichtungen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat nun von Angriffen auf von ihr unterstützte Kliniken und Arztpraxen in der Region berichtet. "In den vergangenen drei Tagen wurden 13 dieser Gesundheitseinrichtungen angegriffen und dabei zerstört oder beschädigt", teilte die Organisation mit. Die medizinische Versorgung in der Region sei dadurch deutlich verschlechtert worden.

Die Mitarbeiter und Ärzte der Einrichtungen haben den Angaben zufolge Probleme, benötigte medizinische Gegenstände zu beschaffen. Die Organisation fordert einen Stopp der Angriffe auf die Einrichtungen. "Wir können die von uns unterstützten Einrichtungen weiterhin mit einigem medizinischen Basismaterial versorgen", sagt Lorena Bilbao, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Syrien. "Aber bestimmtes lebensrettendes Material bekommt man schlicht und einfach nicht."

Sämtliche Vorräte an Blutbeuteln, allgemeinen Narkosemitteln und intravenösen Antibiotika, die für größere chirurgische Eingriffe benötigt werden, seien bereits aufgebraucht. Hilfskonvois der Uno oder des Roten Kreuzes mit etwa Betäubungsmitteln kämen nicht ans Ziel.

Die Hilfsorganisation SOS Kinderdörfer zieht sich angesichts der anhaltenden Luftangriffe und der zahlreichen zivilen Opfer bereits aus der umkämpften syrischen Rebellenregion zurück. Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden, sagte Sprecher Boris Breyer dem Sender MDR.

"Das schlimmste Problem ist, dass es dauerhaft Bombardierungen gibt." Um weiterhin dort zu arbeiten, müsse es einen Waffenstillstand geben. "Wir sprechen hier von einem Schreckensszenario, das für uns kaum in Worte zu fassen ist - durchaus vergleichbar mit Aleppo."

Die Kämpfe um Ost-Ghuta haben weltweit die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Syrienkrieges verschärft. Die Bundesregierung verurteilte die Offensive der syrischen Armee als "Feldzug gegen die eigene Bevölkerung". Regierungssprecher Steffen Seibert forderte Machthaber Baschar al-Assad auf, das "Massaker" in der Region zu beenden. Bei den Angriffen auf Ost-Ghuta wurden in den vergangenen Tagen Aktivsten zufolge fast 300 Zivilisten getötet.

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Angriffe auf Ost-Ghuta: Aleppo 2.0

Ost-Ghuta gehört zu den letzten Gebieten des Bürgerkriegslandes, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Dominiert wird die Region von islamistischen Milizen. Sie ist seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen. Rund 400.000 Menschen sind dort wegen der Blockade fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Uno-Generalsekretär António Guterres äußerte sich "zutiefst beunruhigt".

Allein am Mittwoch kamen bei Luftangriffen und Artilleriebeschuss auf die Region nahe Damaskus mindestens 27 Zivilisten ums Leben, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Das eingeschlossene Gebiet in der Nähe der Hauptstadt Damaskus erlebt eine der schlimmsten Angriffswellen seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Syrische Eliteeinheiten hatten eine Bodenoffensive auf Ost-Ghuta angekündigt.

Regierungstreue syrische Medien hatten auch von russischen Flugzeugen berichtet, die Angriffe über Ost-Ghuta flögen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe aber zurück. "Das ist haltlos", sagte er.

Unter den getöteten Zivilisten sind Menschenrechtlern zufolge auch mehr als 70 Kinder. Mehr als 1500 Menschen seien verletzt worden. Aktivisten meldeten rund 3000 Angriffe seit Sonntag. "Unsere Leichenhäuser sind voll, unsere Gräber können keine weiteren Körper aufnehmen", sagte Abu Ahid von Ärzte ohne Grenzen.

Video: Was die Bilder aus dem umkämpften Ost-Ghuta zeigen

REUTERS

apr/AFP/dpa



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