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Bürgerkrieg: Ärzte ohne Grenzen meldet hundert Angriffe auf Kliniken in Syrien

Retter in Trümmern eines syrischen Krankenhauses: "Die Normalisierung solcher Angriffe ist unerträglich" Zur Großansicht
REUTERS

Retter in Trümmern eines syrischen Krankenhauses: "Die Normalisierung solcher Angriffe ist unerträglich"

Seit Anfang 2015 haben die Kriegsparteien in Syrien mehr als Hundert Mal Krankenhäuser angegriffen. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen wurden dabei zwölf Kliniken komplett zerstört.

Der Angriff auf ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus in der syrischen Provinz Idlib hat die Welt empört - doch es war nur die letzte von insgesamt 101 Attacken auf medizinische Einrichtungen seit Januar 2015.

Allein im vergangenen Jahr seien 23 Mediziner getötet und 58 weitere verletzt worden, teilte die Organisation in einem Bericht mit. Zwölf Kliniken wurden demnach völlig zerstört. Darüber hinaus sollen 16 von der Organisation unterstützte Krankenwagen getroffen worden sein.

"Attacken auf Zivilisten und Krankenhäuser müssen aufhören. Die Normalisierung solcher Angriffe ist unerträglich", sagte die Chefin von Ärzte ohne Grenzen, Joanne Liu, am Donnerstag in Genf. "Wir sagen klar und deutlich: Der Arzt deines Feindes ist nicht dein Feind."

Ärzte ohne Grenzen verfügt nach eigenen Angaben nur noch über drei Gesundheitszentren in Syrien, die von der Organisation selbst verwaltet werden. Nachdem fünf ihrer entsandten Kräfte in Latakia im Nordwesten im Januar 2014 entführt und einige Monate später wieder freigelassen worden waren, engagiert sich Ärzte ohne Grenzen verstärkt beim Versenden von Material und Medikamenten.

Ärzte ohne Grenzen berichten von gezielten Doppelschlägen

In den von der Organisation erfassten Einrichtungen seien 2015 rund 7000 kriegsbedingte Todesfälle und 155.000 Verletzte registriert worden, heißt es in dem Bericht. Die Organisation beklagte, dass es auch vier sogenannte "Doppelschläge" gegen Gesundheitszentren gegeben habe.

Gemeint sind damit Angriffe, bei denen nach einer ersten Attacke eine weitere erfolgt, wenn das medizinische Personal eingetroffen ist, um die Opfer des ersten Angriffs zu versorgen. In solchen Fällen werde nicht nur "blinde Gewalt" angewendet, sondern es seien gezielte Attacken auf das Hilfspersonal bei Verletzung des internationalen humanitären Rechts.

Die Hilfsorganisation hatte für den Bericht Angaben von 70 unterstützten Krankenhäusern in Syrien ausgewertet. "Die Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen sind besonders gefährdet, seit die syrische Regierung 2012 alle Behandlungszentren für illegal erklärt hat, die Gewaltopfer in den Regionen versorgen, die von der Opposition kontrolliert werden", heißt es darin. Deshalb müssten die meisten von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Einrichtungen versteckt arbeiten.

Lesen Sie hier ein Interview mit der Chefin von Ärzte ohne Grenzen über die Lage der Helfer in Syrien.

syd/AFP/dpa

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Baschar al-Assad

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