Syrien-Reise AfD-Politiker treffen Assads Großmufti

Eine AfD-Delegation bereist das Kriegsland Syrien. Gleich am ersten Tag des Besuchs trafen die Politiker den syrischen Großmufti. Der Geistliche hat in der Vergangenheit mit Selbstmordanschlägen in Europa gedroht.

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Der Großmufti und der AfD-Politiker reichen sich die Hände und lächeln freundlich in die Kamera. Im Hintergrund blickt Syriens Diktator Baschar al-Assad ernst von einem Wandporträt. Das Treffen der AfD-Delegation mit dem ranghöchsten muslimischen Geistlichen Syriens, Ahmed Badr al-Din Hassun, war der Höhepunkt des ersten Besuchstags der Parlamentariergruppe in Damaskus.

Doch der Mann, dem der nordrhein-westfälische AfD-Abgeordnete Christian Blex so vertraut die Hand schüttelt, ist längst nicht so friedliebend, wie er sich gibt. Im Oktober 2011 drohte Hassun mit Selbstmordanschlägen in den USA und in Europa.

"Wenn die erste Bombe auf Syrien und den Libanon geworfen wird, werden alle Söhne und Töchter des Libanon und Syriens losziehen, um Märtyrer in Europa und auf palästinensischem Boden zu werden", sagte Hassun damals in einer Rede vor Anhängern. "Ich wende mich an die Europäer und Amerikaner: Wir haben Selbstmordattentäter, die in Euren Ländern bereitstehen, wenn ihr Syrien oder den Libanon bombardiert."

Hassun sprach seine Drohung wenige Monate nach Beginn des Aufstands gegen Assad aus. Damals hatten syrische Regimegegner angefangen, eine Militärintervention des Westens gegen den Diktator und seine Armee zu fordern.

Religiös moderat, politisch knallhart

Hassun wurde 2005 zum syrischen Großmufti ernannt. In religiösen Fragen vertritt er liberale Positionen. Er verurteilt sogenannte Ehrenmorde und engagiert sich im interreligiösen Dialog. 2008 hielt er eine Rede vor dem Europaparlament, in der er den Begriff vom "Heiligen Krieg" anprangerte. "Heilig ist nur der Frieden", sagte Hassun damals. 2010 trat der Geistliche beim Ökumenischen Kirchentag in München auf.

Doch Hassun ist gleichzeitig eine wichtige Figur des syrischen Regimes. Seit Beginn des Aufstands gegen Assad hat er die Aufgabe, den Krieg gegen die Aufständischen religiös zu legitimieren. Im März 2013 veröffentlichte das von Hassun geführte Fatwa-Amt ein Dekret, in dem "alle Mütter und Väter" in Syrien aufgefordert wurden, ihre Kinder in die syrische Armee zu schicken. Es gehe nun darum, eine "Verschwörung der ausländischen Feinde, der verräterischen Araber, Zionisten und Westler" zu bekämpfen, hieß es in dem Dekret, das im syrischen Staatsfernsehen verlesen wurde.

Darüber hinaus spielt Hassun qua Funktion auch eine Schlüsselrolle bei der systematischen Tötung von Oppositionellen. Als Großmufti muss Hassun jedes Todesurteil in Syrien gegenzeichnen. Nach Recherchen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sind allein zwischen September 2011 und Dezember 2015 im Militärgefängnis von Sednaja 13.000 Syrer hingerichtet worden. Mindestens 13.000 Mal hat also der Gesprächspartner der AfD in den vergangenen Jahren Menschen in den Tod geschickt.

"Der Krieg gegen den Terror ist zu Ende"

Die syrischen Medien berichten ausführlich über den Besuch aus Deutschland. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von den Treffen der AfD-Politiker mit Hassun und Parlamentssprecher Hammuda Sabbagh, die staatliche Tageszeitung "Tishreen" bringt in ihrer Dienstagsausgabe eine Meldung auf der Titelseite. Dabei nennen die syrischen Medien weder den Namen der AfD, noch erwähnen sie die politische Ausrichtung der Gäste. Stattdessen ist lediglich pauschal von einer "deutschen Parlamentsdelegation" die Rede.

Dabei ist es nicht der erste Besuch aus Deutschland und Europa seit Beginn des Syrienkriegs. Der NPD-Europaabgeordnete Udo Voigt hat seit 2015 mehrfach Damaskus besucht und sich mit Regimevertretern getroffen. Auch Politiker der neonazistischen Partei "Goldene Morgenröte" aus Griechenland und der neofaschistischen "Forza Nuova" aus Italien sind in den vergangenen Jahren nach Syrien gereist.

Der AfD-Delegation gab Großmufti Hassun nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana am Montagabend mit auf den Weg: "Der Krieg gegen den Terror ist zu Ende." Am selben Tag wurden in Ost-Ghuta, rund fünf Kilometer vom Hotel der AfD-Politiker entfernt, bei Angriffen der syrischen und russischen Armee mindestens 86 Menschen getötet.



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