Amman - Die Meldungen vom Massaker aus dem syrischen Hula sind erst zwei Tage alt, da geben Aktivisten schon die nächsten Schreckensnachrichten bekannt: Am Sonntag und Montag soll es erneut Dutzende Opfer bei schweren Gefechten zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Regimegegnern in der Provinz Daraa gegeben haben. Am Sonntag seien landesweit 51 Menschen getötet worden, meldet die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter.
Die meisten Opfer habe es in Hama gegeben. Dort seien laut den Nachrichtenagenturen dpa und dapd am Sonntagabend 24 Menschen bei Angriffen auf Wohnviertel mit leichten und schweren Waffen ums Leben gekommen. Unter den Toten seien sieben Kinder und Jugendliche. Nach Angriffen von Rebellen habe das Militär mit Panzern und anderen Kampffahrzeugen am Sonntag mehrere Teile der Stadt beschossen. Mehrere Häuser seien zerstört worden. Ein 14 Jahre alter Junge sei am Montagmorgen von einem Heckenschützen getötet worden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf eine Oppositionsgruppe von 41 Toten in Hama, darunter fünf Frauen und acht Kinder. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden, da das Assad-Regime die Arbeit von Journalisten in Syrien behindert.
In Daraa, wo der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad im März 2011 begonnen hatte, zählten die Aktivisten in der Nacht zudem vier tote Deserteure und 23 getötete Soldaten der Truppen des Regimes.
"Sonst versinkt ganz Syrien im Bürgerkrieg"
Der Uno-Sicherheitsrat hatte am Sonntagabend den Einsatz von Artillerie und Panzern durch die Regierungstruppen in der syrischen Ortschaft Hula scharf verurteilt. Dort waren am Freitag nach Angaben der Uno-Beobachter mehr als hundert Menschen getötet worden, davon etwa ein Drittel Kinder. Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) fordert inzwischen den Einsatz militärischer Gewalt gemäß Kapitel VII der Charta der Vereinten Nationen. Andernfalls werde ganz Syrien im Bürgerkrieg versinken, warnte der SNC-Vorsitzende Burhan Ghalioun.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte die Erklärung des Sicherheitsrats: "Die internationale Gemeinschaft darf nicht zur Tagesordnung übergehen, wenn das syrische Regime das eigene Volk in dieser grausamen Weise mit Gewalt überzieht", teilte er mit. "Dem Assad-Regime muss unmissverständlich klargemacht werden, dass es jeden Kredit verspielt hat und mit solchen Taten das Unheil nur noch verschlimmert."
Ursprünglich wollte der Sicherheitsrat das Massaker von Hula bereits früher verurteilen. Verhindert wurde dies jedoch zunächst von Russland, einem Verbündeten Assads. Auch am Montag betonte der russische Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit seinem britischen Kollegen William Hague in Moskau, dass die Gewalt von beiden Seiten - also vom Regime und den Rebellen - ausgehe. "Für Russland ist nicht wichtig, wer in Syrien regiert", sagte Lawrow. "Wichtig ist, dass die Gewalt in Syrien beendet wird, dass das Auslöschen von Leben beendet wird, damit die Syrer selbst in einem Dialog ohne Einmischung von außen ihr Schicksal bestimmen", sagte er.
Lawrow betonte ausdrücklich, dass er sich auch bei einem Verbleib Assads an der Macht eine Lösung des Konflikts vorstellen könne.
Sondergesandter Annan: "Abscheu erregender Akt"
Hague wies hingegen der Führung Assads die Schuld zu. Er appellierte mit Nachdruck an Russland, mehr Druck auf Syrien auszuüben.
Beide Länder unterstützten weiter den Friedensplan des Uno-Sondergesandten Kofi Annan, sagten die Minister. Aber: "Wir stimmen mit unserer Sicht, wie die Ziele umzusetzen sind, nicht immer überein", sagte Lawrow. Er kündigte eine engere und vertrauensvolle Zusammenarbeit an, um eine Lösung zu finden.
Annan reiste am Montag nach Damaskus, um mit der Regierung zu sprechen. Er sei "persönlich schockiert und entsetzt" von den Vorfällen in Hula, sagte er nach seiner Ankunft. Er sprach von einem "Abscheu erregenden Akt mit weitreichenden Konsequenzen".
In Syrien tobt seit etwa 14 Monaten ein Aufstand gegen Assad, bei dem bisher mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Auch ein vor sechs Wochen von der Uno ausgearbeiteter Plan für eine Waffenruhe konnte die Gewalt nicht stoppen.
yes/dpa/Reuters/dapd
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