Krieg in Syrien Aktivisten melden mutmaßlichen Giftgasangriff auf Ost-Ghuta

Mehrere Bewohner der syrischen Rebellenhochburg Ost-Ghuta leiden nach Angaben von Ärzten der Opposition an Atemnot sowie an Haut- und Augenreizungen - Symptome, die auf einen Chemiewaffenangriff hindeuten.

Patienten in Ost-Ghuta nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff
MOHAMMED BADRA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Patienten in Ost-Ghuta nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff


Bei einem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff auf die syrische Rebellenhochburg Ost-Ghuta ist nach Angaben von Aktivisten ein Kind ums Leben gekommen. 13 weitere Menschen hätten nach dem Angriff am Sonntag über Atemprobleme geklagt, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Eine Frau schwebt demnach in Lebensgefahr.

Mediziner der Opposition teilten in einer Erklärung mit, dass Opfer, Krankenwagenfahrer und andere Menschen in einem Bezirk in Ost-Ghuta "nach einer gewaltigen Explosion" Symptome einer Chlorgas-Exposition gezeigt hätten. Ein Kind sei gestorben und mindestens 18 Menschen seien behandelt worden.

Ein Arzt, der die Opfer behandelt hatte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er vermute einen Chemiewaffeneinsatz, vermutlich handele es sich um Chlorgas. Ein drei Jahre altes Kind sei erstickt. Haut und Kleider der meisten Patienten rochen seinen Angaben zufolge nach Chlor, die Opfer hätten unter Atemnot sowie unter Haut- und Augenreizungen gelitten.

Das syrische Regime hat stets bestritten, Giftgas einzusetzen. Das russische Verteidigungsministerium beschuldigte am Sonntag Oppositionelle in Ost-Ghuta, Chemiewaffen zu produzieren, um das Regime für deren Einsatz verantwortlich zu machen.

Video zur Schlacht um Ost-Ghuta: Die Bilder des Kriegs

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Die Region Ost-Ghuta gehört in dem Bürgerkriegsland zu den letzten Gebieten, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Rund 400.000 Menschen sind dort wegen der Blockade durch Regierungstruppen fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Helfer berichten von einer dramatischen humanitären Lage. Es fehlt an Nahrung und medizinischer Versorgung.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte erst am Samstag nach mehrfacher Vertagung eine 30-tägige Waffenruhe für Syrien gefordert. Trotzdem liefen die Kämpfe weiter. Am Sonntag gingen Luftangriffe und Artilleriefeuer auf das umkämpfte Gebiet nieder, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Auch Fassbomben seien aus Helikoptern abgeworfen worden. Die Angaben der Beobachtungsstelle können nicht unabhängig überprüft werden, haben sich aber in der Vergangenheit als verlässlich erwiesen.

Video: So lief die Uno-Abstimmung zur Waffenruhe in Syrien

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Am Montag beraten die Außenminister der EU-Staaten in Brüssel über die Lage in dem Bürgerkriegsland. Für die Europäische Union geht es vor allem darum zu prüfen, wie mehr für die leidende Zivilbevölkerung getan werden könnte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron appellierten an Russland, die vom Uno-Sicherheitsrat verlangte Waffenruhe in Ost-Ghuta zu unterstützen. In einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin riefen sie dazu auf, "maximalen Druck auf das syrische Regime auszuüben, um eine sofortige Einstellung der Luftangriffe und Kämpfe zu erreichen". Moskau ist einer der engsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

aar/AFP/Reuters

insgesamt 87 Beiträge
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derduke.. 26.02.2018
1. Natürlich
Giftgas ist immer ein willkommener Vorwand für das eingreifen externer Staaten. Diese unsägliche Kriegtreiberei gegen Russland und Assad nimmt wirklich erschreckende Ausmaße an.
modemhamster 26.02.2018
2. Pünktlich wie die Feuerwehr...
Aber Lawrow hatte die False-Flag Aktion ja schon angekündigt. Die Kopfabschneider in Ghuta sind militärisch erledigt, ihre oft verschwiegenen Angriffe auf Damaskus und die dortigen Zivilisten hoffentlich bald Geschichte. Nur sie haben ein Interesse an einer solchen Aktion, um Unterstützung durch den Wertewesten zu bekommen.
RalfHenrichs 26.02.2018
3. Passt gut
Die Rebellen verlieren auf der ganzen Linie, schmeissen eine Chemiegranate, behaupten dann, dass das Assad war und schon greifen Frankreich und die Nato ein. Irgendwann haben wir dann ein paar tote Russen und den 3. Weltkrieg. Kapieren da oben eigentlich noch manche Leute, dass die mit der Existenz der Menschheit spielen?
fabiofabio, 26.02.2018
4. Immer zum "richtigen" Zeitpunkt
Gut, dass in verschiedenen Blogs aus der Region genau dieses Szenario angekündigt wurde. Aber es wird wohl immer noch genug Wirbel gemacht werden, in interessierten Medien, um die genehme Agenda zu propagieren.
makubo24 26.02.2018
5. wem nutzt es?
Die wahrscheinlichste und logische Lösung, von wem die Giftgasattacken ausgehen, wird durch eine einzige Frage beantwortet: "Wem nutzt der Einsatz von Giftgas?"
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